Viel Neuschnee unter der Woche, eine eher angespannte Lawinensituation und am Wochenende Kaiserwetter. Da muss der Skitourengeher sein Ziel mit Bedacht wählen. Der Spitzstein geht auch bei nicht ganz so günstigen Verhältnissen und er gilt als Chiemgauer Paradeskitourenberg. Das hat sich herumgesprochen und so wird der kleine Ort Sachrang an schönen Wochenenden überrannt von Tourengehern. Hat man das Parkplatzproblem einmal gelöst, beginnt der Genuss, denn die Route zum Spitzstein ist wirklich ein Skitouren-Schmankerl.
Beim Losgehen in Sachrang beginnt die Freude über die üppige Schneelage in diesen Wochen, doch wo bleibt die im Wetterbericht vorhergesagte Sonne? Sie versteckt sich noch hinter einer dicken Hochnebelsuppe und so ist es eher kalt und ungemütlich beim Aufziehen der Steigfelle. Lohnt es da überhaupt auf Tourenski in den Nebel hineinzuspuren, oder wäre man besser im Tal aufgehoben? Denn auch dort gäbe es eine Beschäftigungsmöglichkeit für den tüchtigen Wintersportler: die wunderschöne Langlaufloipe entlang der Prien.
Doch die Würfel sind gefallen, die Skitourengeher ziehen ihre Spur auf dem Sommerweg entlang des Baches taleinwärts; langsam werden nicht nur die Beine, sondern auch die Finger wieder warm. Nach einer kurzen, freien Passage bei der Mitterleiten zielt die Spur wieder in den Wald. War man noch nie am Spitzstein, wird einen anfangs die Route vielleicht ein wenig verwirren, denn Aufstieg und Abfahrt sind hier nicht identisch. Doch der beliebte Skiberg ist fast immer gespurt und man muss einzig aufpassen, dass man nach der Mitterleiten nicht auf die Abfahrtsroute gerät.
Auf Höhe der Goglalm, vielleicht an der SteinmoosalmHütte, wird man eine Trinkpause einlegen. Etwa die Hälfte des Anstiegs ist bewältigt und man hat freies Skigelände, das Spitzsteinhaus und den bewaldeten Gipfel vor sich. Zumindest bei guter Sicht, doch die lässt auf sich warten. Und ob der Gipfel mit seinen 1596 Metern hoch genug ist, um über die Nebeldecke zu gelangen, das ist die Frage.
So steigt man langsam in der Spur weiter und erreicht über einen mittelsteilen, freien Hang wieder lichten Wald. Wie von Zauberhand bewegt, reißt die Nebeldecke plötzlich auf und anfangs werden nur kleine, blaue Flecken am Himmel sichtbar. Doch dann, mit jedem Schritt Richtung Gipfel, wird der Blick grandioser: wie in Watte gepackt ragen die Gipfel ringsum in einen azurblauen und doch so bayrischen Himmel.
Der Gipfel empfängt einen dann nicht nur mit einem schönen Ausblick auf das Kaisergebirge oder das Feichteck und die Hochries gegenüber. Nein, er hat mit seiner kleinen Gipfelkapelle und dem alten Holzkreuz noch einen ganz besonderen Schmuck. Nicht nur an so einem Traumtag wird man hier gerne ein wenig verweilen, ehe man den Steilhang in direkter Gipfelfalllinie in Angriff nimmt. Auch wenn diese Skitour in der einschlägigen Alpinliteratur meist als leicht und für Anfänger geeignet eingestuft wird, zumindest sicher Skifahren sollte man am Gipfelhang schon können. Dann wedelt man beschwingt und mit einer gewissen Leichtigkeit hinunter zum Spitzsteinhaus. Hier trifft sich alles auf ein Erfrischungsgetränk oder eine Brotzeit, wenn’s kalt ist drinnen, sonst draußen auf der Sonnenterrasse. Das gilt freilich nicht nur für Skitourengeher, sondern auch für die Schneeschuhgeher und Winterwanderer, die die Tour oft schon am Spitzsteinhaus beenden.
Und wer nach so einem Traumtag immer noch nicht genug hat, der kann sich nach der Tour den schönen Ortskern von Sachrang anschauen. Er gelangte durch den gleichnamigen Fernsehfilm und den „Müllner Peter“ zu Berühmtheit.
Spitzstein: Klein aber fein
Von Bernhard Ziegler
Sachrang. Sonnenverwöhnte, freie Hänge und ein Stück steile Waldabfahrt gibt es am Spitzstein ebenso wie ein Wirtshaus auf halber Strecke – und dann dieses Panorama! Kein Wunder also, dass diese überwiegend einfache, eher kurze Chiemgauer Skitour so beliebt ist. Nicht nur Skitourengeher sieht man an diesem Berg immer mehr, auch Schneeschuhwanderer, oder – bei entsprechender Schneelage – Winterwanderer.
Sachrang. Sonnenverwöhnte, freie Hänge und ein Stück steile Waldabfahrt gibt es am Spitzstein ebenso wie ein Wirtshaus auf halber Strecke – und dann dieses Panorama! Kein Wunder also, dass diese überwiegend einfache, eher kurze Chiemgauer Skitour so beliebt ist. Nicht nur Skitourengeher sieht man an diesem Berg immer mehr, auch Schneeschuhwanderer, oder – bei entsprechender Schneelage – Winterwanderer.
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