Im Herzen der Großvenedigergruppe

Matrei/Trostberg. In das Herz der Großvenedigergruppe führte eine Skitour der Hochtourengruppe der AV-Sektion Trostberg. Dabei nächtigte die Gruppe in einem eigenen Basislager am Fuße des Plattigen Habach.
Die Einsamkeit inmitten einer verschneiten und grandiosen Bergwelt: Auch so erlebten die Trostberger Hochtourengeher die Venedigergruppe.
Dazu mussten die Trostberger früh aufstehen. Bereits um 4 Uhr ging's vom Volksfestplatz in Trostberg los. Der Aufstieg erfolgte dann in vier Stunden vom Parkplatz Matreier Tauernhaus über den Villtragenkees auf den Muleter Bichel (2512 Meter). Nach einer ausgiebigen Rast, denn der Rucksack drückte sehr auf die Schultern, wurde das Basislager am Fuße des Plattigen Habach (3274 Meter) errichtet. Nachmittags stand noch die Skitour auf den Seekopf (2923 Meter) auf dem Programm, welcher über den nördlichen Villtragenkees trohnt. Die zwei Stunden Skitour belohnte die Trostberger mit einer Firnabfahrt zu später Nachmittagsstunde in absoluter Einsamkeit. Das Abendessen fand dann im Freien, bei Sonnenuntergang, gegenüber der gewaltigen Eis- und Felskulisse der Nordostwände des Kleinvenedigers eine würdige Ambiente. Die Stille und Mächtigkeit der Natur überwältigte alle Teilnehmer.

Nach einer ziemlich schlaflosen Nacht ging es am Samstag über das Untersulzbachtörl (2863 Meter) und die Venedigerscharte (3413 Meter) auf den Großvenediger mit 3667 Metern. Nach vier Stunden kamen die Trostberger auf dem Gipfel an. Doch der hüllte sich schon in Nebel. Dieser war nicht zu unterschätzen und er zwang die Tourengeher, über Irrwege direkt zur Neuen Prager Hütte abzufahren. Da der Hüttenwirt nicht anwesend war, wurde die verdiente Pause in den Winterraum verlegt. Die Hütte, eine der am schönsten gelegenen in diesem Gebiet, trohnt wie ein Adlerhorst hoch über den Schlatenkees, umrahmt von mächtigen 3000ern, wie Rainerhorn, Hoher Zaun und Kristallwand. Der Großvenediger erscheint hier nur als sanfte Kuppe. Nach ausgiebigem Nickerchen einiger Teilnehmer ging’s die letzten 200 Höhenmeter wieder hinauf, um anschließend die Abfahrt zum Villtragenkees fortzusetzen. Diese Abfahrt am Niederen Zaun entlang war ein Schmuckstück in Form von Pulverschnee. Aus dem Gletscherboden ging es mit 180 Höhenmetern Gegenanstieg wieder zum Basislager zurück. Am Abend des zweiten Tages setzte Schneefall ein und hüllte die gesamte Umgebung in Wolken. Der Wind setzte ein und das Kochen wurde zur lästigen Pflicht.

Nebelsuppe begrüßte die Trostberger Tourengeher am Sonntag in der Frühe, garniert mit zu warmen Temperaturen, was sprichwörtlich die Lawinenlage verschärfte. Das erklärte Ziel, über die Habachscharte zum Plattigen Habach und den Ostgrat auf den Hohen Fürleg mit 3244 Metern Seehöhe zu gelangen, wurde deshalb aus Sicherheitsgründen verworfen.

Nach Abbruch des Basislagers wurde umgehend die Abfahrt ins Tal fortgesetzt und die Tour beim Matreier Tauernhaus beendet. Diese Skitechnisch und konditionell anspruchsvolle Bergfahrt verlangte neben Teamgeist und Spaltenbergungskenntnissen den gewachsenen Alpinisten mit ausgeprägter Sherpafähigkeit. Durch die Bereitschaft erfahrener Teilnehmer, ihre Erfahrung und ihr Wissen weiter zu geben, wurde es vielen Teilnehmer ermöglicht, sich auch einmal in ein Gelände zu wagen, welches ihnen sonst verwehrt geblieben wäre. Trotz der Unbillen des Wetters war er für alle Teilnehmer ein außergewöhnliches Erlebnis.
Artikel vom 02.04.11
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