Hahnkampl: Genusstour im Karwendel

Von Bernhard Ziegler
Hinterriß. Wild und ursprünglich präsentiert sich das Karwendelgebirge. Bei einer Vielzahl von Gipfeln sind die Zustiege lang, einsam und nicht gerade einfach, sie fordern also den echten und erfahrenen Bergsteiger. Eine Ausnahme bildet das Hahnkampl: die im Vergleich zu anderen Karwendeltouren kurze und einfache Bergwanderung bietet eine hübsche Überschreitung mit herrlichem Blick auf die wilden Gipfel dieser Gebirgsgruppe.
Beim Aufstieg geht es vom Binssattel entlang des Kammes zum Gipfel des Hahnkampl. Dabei bietet sich ein grandioser Ausblick auf die Bergwelt ringsum. Foto: Ziegler
Schon die Anfahrt über die mautpflichtige Straße in die Eng bietet ein Naturerlebnis der besonderen Art: die kleine Straße führt durch den Großen Ahornboden. Diese weitläufige Ebene im Tal bietet mit einem Bestand von über 2000 Bergahorn-Bäumen ein beeindruckendes Bild. Gerade im Herbst, wenn sich die Blätter auch noch verfärben, bilden die oft frei- oder in Gruppen zusammenstehenden Bäume einen fantastischen Kontrast zu den grauen Kalkwänden des Karwendels. Doch auch im Frühling, wenn alles blüht und grünt, ist der Ahornboden ein besonderes Naturerlebnis.

Man parkt in der Eng unweit des größten Almdorfs Europas. Auch das Dorf ist nach der Tour einen Besuch wert. Hier wird die Milch der etwa 500 Kühe gemolken und gleich auf der Alm in der eigenen Käserei zu Bergkäse und Butter verarbeitet.

Wer zum Hahnkampl will, schlägt jedoch gleich hinter dem Parkplatz den Weg zur Binsalm ein, die man nach etwa 45 Minuten erreicht. Nach so kurzer Zeit ist es noch zu früh zum Rasten und so wird man sich die Einkehr für den Abstieg aufheben. Der Weg zum Binssattel hinauf ist teilweise ganz schön steil und ein wenig holprig, doch schwierig ist er nie. In der Scharte hat man bereits einen tollen Blick, und unterhalb des Sonnnjochs kann man die Gramaialm ausmachen. Der Weiterweg führt dann immer entlang des Kammes zum kreuzgeschmückten Gipfel empor.

Die Felsfluchten des Karwendels, die Lamsenspitze direkt gegenüber und das Hochglückkar zeugen von der einzigartigen alpinen Urlandschaft dieses Gebirges. Es gehört zu den Nördlichen Kalkalpen und ist ein riesiges geschlossenes Naturschutzgebiet. In der Summe erreicht der Alpenpark Karwendel und zusammen mit dem bayerischen Schutzgebiet eine Fläche von etwa 920 Quadratkilometern. Charakteristisch sind die Wände und Kare, welche auch namensgebend waren.

Die Überschreitung des langgestreckten Kammverlaufes des Gipfels erfordert schon die Aufmerksamkeit des Bergwanderers. Hier ist Trittsicherheit und Konzentration gefragt und so sollte man sich für die Bewunderung der Gegend Zeit lassen und sicherheitshalber stehen bleiben. Zum Schauen gibt es nämlich genug bei dieser Überschreitung. Sie führt einen zum Westlichen Lamsenjoch hinunter, wo man noch einmal gut rasten kann, bevor man dann zur Binsalm absteigt. Jetzt wird freilich keiner mehr „nein“ sagen können zu einer verlockenden Einkehr, einem herrlichen Erfrischungsgetränk und einer Brotzeit. Die Hütte hat GasthofCharakter und bietet eine große Sonnenterrasse und für weniger schöne Tage auch eine gemütliche Gaststube.

Hier kann man auf die Tour anstoßen, denn eine Überschreitung ist immer eine runde Sache, schon gar wenn sie wie hier an einem Gasthaus endet.

Die Anfahrt erfolgt über Rosenheim, Miesbach, Bad Tölz und Lenggries Richtung Achensee und auf der B13 zum Sylvensteinstausee. An der Staumauer geht es rechts auf der B307 weiter und über Vorderriß und Hinterriß in die Eng.
Artikel vom 11.06.11
Weiterempfehlen Drucken