Jürgen Press: „Rassiges Derby“

Burghausen (red). Frühlingsgefühle wollten bei den Wacker-Fans trotz der angenehmen Abend-Temperaturen nur bedingt aufkommen: Die Burghauser Drittliga-Kicker mussten sich nämlich am Mittwochabend im Nachholderby gegen den bayerischen Rivalen Jahn Regensburg vor 2650 Besuchern mit einem 1:1 (1:1) begnügen und konnten nicht zum erhofften Befreiungsschlag ausholen.
SV Wacker Burghausen – SSV Jahn Regensburg 1:1. Teilten sich die Punkte: Wackers Michael Kokocinski und Jahn-Kicker Tim Erfen (rechts). Foto: btz
Allerdings waren die PressSchützlinge mit dem Remis aufgrund der zweiten Halbzeit gut bedient, denn das Spiel nach vorne ließ beim SV Wacker zu wünschen übrig. Gäste-Coach Markus Weinzierl hatte keineswegs Unrecht, als er in der anschließenden Pressekonferenz von „drei, vier sehr guten Chancen“ seiner Crew binnen weniger Minuten sprach.

In der Tat lag zwischen der 65. und 75. Minute das 2:1 für den Jahn in der Luft. Allerdings hätten auch die Burghauser das Match mit einem Last-MinuteTreffer zu ihren Gunsten entscheiden können, doch Offensivmann Thomas Kurz scheiterte in der Nachspielzeit am prächtig reagierenden Rouven Sattelmaier.

Der Regensburger Keeper wird ja – wie gemeldet – mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht und wurde deshalb von den Münchner Trainern Walter Junghans und Andries Jonker in der Wacker-Arena beobachtet. Weinzierl, übrigens ein Ex-Bayer, redete auch gar nicht lange um den heißen Brei herum: „Wenn die Bayern ihm einen Vertrag hinlegen, dann soll er einfach unterschreiben – und fertig.“ Jedoch stellt er Sattelmaier derzeit nicht für ein Probetraining an der Säbener Straße frei – „das geht erst, wenn für uns in der Tabelle nach oben wie unten nichts mehr möglich ist“, so Weinzierl.

Wacker-Teammanager Jürgen Press hatte seinen Kollegen Weinzierl im Vorfeld des Derbys in diversen Medien als „Maurer, der Beton anrühren lässt“ hingestellt. Diese Tatsache kommentierte der Regensburger Übungsleiter mit den Worten: „Das war Motivation genug für meine Jungs.“ Allerdings bereute auch Press, der von einem „rassigen Derby“ sprach, diesen Psycho-Trick nicht, „denn damit wollte ich den Markus kitzeln, dass er offener spielen lässt, was uns entgegen kommt“. Doch von offenem Schlagabtausch zunächst keine Spur. Vor allem im ersten Durchgang hatten Torszenen Seltenheitswert – allein der Führungstreffer durch Thomas Kurz nach toller Kombination über Björn Hertl und Christoph Burkhard ist auf Hausherren-Seite erwähnenswert. Derfrühere Unterneukirchner Kurz drückte das Leder letztlich per Direktabnahme zum 1:0 ins Netz (14.).

Unglücklich kam der Ausgleich zustande. Einerseits vom Zeitpunkt her (Nachspielzeit der ersten Halbzeit), andererseits auch wegen der Entstehung, denn Manuel Riemann kam bei einer Freistoß-Hereingabe von Tobias Zellner nicht energisch genug aus seinem Kasten, so dass Florian Hörnig per Kopf zum 1:1 vollenden konnte. Press räumte ein, „dass wir nach der taktischen Umstellung des Jahn Probleme hatten“, nachdem Weinzierl etwa ab der 30. Minute ein 4-2-3-1-System spielen ließ. „Die erste halbe Stunde hatten wir ja komplett verschlafen“, schimpfte der Coach der Oberpfälzer. Nach der Pause waren die Gäste (Press: „Sie hatten jetzt eine dominante Phase“) dem Sieg näher als der SV Wacker, wenngleich Markus Grübl zunächst an Sattelmaier scheiterte (51.). Es folgten einige brenzlige Situationen im Burghauser Strafraum – so etwa, als Winter-Neuzugang Patrick Kirsch in höchster Not klären musste (68.) oder der agile Marco Haller frei vor Riemann vergab (70.).

Jetzt wäre eine Jahn-Führung durchaus verdient gewesen. Hätte dagegen Kurz seine gute Chance in der Nachspielzeit genutzt, dann wäre Regensburg ohne Punkt nach Hause gefahren. Keine Probleme hatte Referee Robert Kempter (Bruder von Michael Kempter), auch wenn er sieben Mal Gelb zückte.

Fazit: Immerhin ein Pünktchen für die Press-Elf, die sich aber vor dem Gastspiel bei Dynamo Dresden (Samstag, 14 Uhr) keinesfalls zurücklehnen kann.
Artikel vom 19.03.10
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