Es handelt sich um Edmund Ernst (50), Michael Kiermaier (26), Franz Fraitzl (25), Korbinian Baier (27), Thaddäus Baier (29) und Vroni Moser (25). „Wenn wir uns der Ausmaße bewusst gewesen wären, hätten wir’s wahrscheinlich nicht gemacht“, erzählt Edmund Ernst, mit 50 Jahren der Nestor der Brauer-Truppe.
Hunderte von Arbeitsstunden haben sie in ihr gemeinsames Projekt investiert – und tausende Euro. „Wir sind ganz schön blauäugig an die Sache rangegangen – aber es hat sich letztlich unserer Ansicht nach gelohnt.“ Und nach Ansicht der Schnaitseer offensichtlich auch: Rosmarie Winterer, Wirtin des Bitrorants „Vicino“ schenkt die Baderweiße aus, Edeka Scherer hat die Schnaitseer Bierspezialität ins Sortiment aufgenommen. Außerdem gibt’s das Bier montags und sonntags von 9 bis 18 Uhr und freitags von 17 bis 21 Uhr direkt am Baderhaus. Den Kontakt zum Verbrauer verlieren die Brauer garantiert nie. Inzwischen haben sie schon für diverse Firmen und Vereine Feste in der Brauerei ausgerichtet.
Begonnen hat alles in Ernsts Küche. Er lebt in einem der ältesten Schnaitseer Häuser, dem ehemaligen Baderhaus am Baderweg. Aufgewachsen ist Ernst in Wasserburg, im BruckbräuGebäude. „Das Brauerhandwerk hab ich aus dieser Zeit als etwas sehr Schönes in Erinnerung. Damals hab ich mir einiges abschauen können, das Thema Brauerei hatte ich immer als kleinen Traum im Hinterkopf.“ Initialzündung fürs Baderbräu war ein Besuch des damals 21-jährigen Kiermaier, der in einem großen Industriebetrieb jobbte. „Das kann’s nicht sein, hab ich mir damals gedacht. Ich hab mir die Kollegen angeschaut, die tagein, tagaus dieselbe Arbeit zu erledigen haben, und es war mir schnell klar: Das ist nicht mein Weg.“
Spaßeshalber hatte er im Internet ein 20-Liter-Brauset für 30 Euro erstanden, das er beim brauereibegeisterten Ernst auf dessen Holz-Kohle-Ofen im Baderhaus testete. „Das hat man schon trinken können – und das hat uns dann voll motiviert.“ Es fanden sich schnell vier weitere junge Leute aus der Nachbarschaft, die bei der Schnaitseer Brauerei aktiv werden wollten, für den 20. November 2005 wurde die erste Brauerei-Sitzung einberufen. Und dann ergab ein Schritt den nächsten.
Das 20-Liter-Brauset wurde zu klein und durch eine selbstgebaute 80-Liter-Sudanlage ersetzt, bereits kupferummantelt und mit einem Gasbrenner ausgestattet. „Die war dann zwei Jahre lang in Betrieb. Da hatten wir beim Experimentieren noch viele Fehlversuche, vieles hat der Gully bekommen“, erzählt Edmund. „Ja, das war unsere Lernphase. Aber die Resultate waren immerhin ermutigend genug, dass wir schon im Mai 2006 beschlossen haben, eine speziell auf unsere Bedingungen zugeschnittene Anlage anfertigen zu lassen – mit einem 500-LiterSudbehälter, Kessel, Läuterbottich und Kühler“, ergänzt Kiermaier. Die Spezialanfertigung war notwendig wegen der räumlichen Situation – das Baderhaus war nicht unbedingt auf den Einbau einer Brauerei geplant.
„Im November 2007 ist die neue Anlage geliefert worden. Den Business-Plan hatten wir schon erstellt und die Menge, die wir jetzt brauen konnten, war nicht mehr als ,Eigenbedarf‘ zu deklarieren. Wir gründeten eine GbR“, schildert Kiermaier die Entwicklung. Doch mit der Anlage allein war’s längst nicht getan: Die sechs Jungbrauer, allesamt in völlig anderen Sparten berufstätig, hatten das Baderhaus für den Brauereibetrieb umzurüsten – nach Feierabend und an den Wochenenden. „Wir haben mit Freunden Estrich und Fliesen verlegt, die Abwasserentsorgung modernisiert. Aus den Renovierungsarbeiten wurde eine Komplettsanierung vom Boden bis zur Decke.“ Nebenbei haben die Schnaitseer ihre handwerklichen Kenntnisse verfeinert: „Wochenende für Wochenende haben wir Selbstversuche gemacht. Wir opfern uns auf für unser Bier“, sagt Korbinian Baier mit einem breiten Grinsen. Und wo sie selbst nicht weiterwussten, da bekamen sie aus umliegenden Brauereien wertvolle Tipps. „Brauer sind untereinander sehr hilfsbereit“, freut sich Kiermaier. Die Baderbrauer nutzten die Gelegenheit, sich mit Kollegen aus Traunstein, Haag und von der Fraueninsel auszutauschen.
Vroni Moser ist inzwischen aus der GbR ausgeschieden – „das Berufsbild der Lehrerin ist mit dem der Brauerin nur schwer zu vereinbaren“, erzählt Kiermaier. Ersetzt hat sie Florian Fraitzl. Der Schwung, mit dem die Schnaitseer an ihr Projekt gehen, ist geblieben. Sie arbeiten an ihren Alleinstellungsmerkmalen: „Bei einem konstanten Grundgeschmack soll man durchaus Nuancen rausschmecken können“, beschreibt Ernst die Baderweiße. Ihm schwebt vor, die jahreszeitlich unterschiedlichen Brau-Bedingungen im Geschmackserlebnis zuzulassen. „Das ist wie beim Wein – der schmeckt ja auch nicht jedes Jahr identisch.“
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sind die Gebinde, in denen das Bier zu haben ist: Die Baderweiße gibt’s entweder im Fünf-Liter-Fass oder in der Literflasche mit Schnappverschluss. Diese Bierflaschen werden gar nicht mehr hergestellt: „Wir haben uns die historischen Flaschen in den umliegenden Bauernhöfen mühsam zusammengesucht. Deshalb sind wir auch drauf angewiesen, dass wir die Flaschen von unseren Kunden zurückbekommen. Und wer noch Altbestände irgendwo in einem Schuppen rumstehen hat – wir sind dankbare Abnehmer“, so Kiermaier. Nicht im Sixpäck sollen die Flaschen demnächst zu haben sein – sondern im Sechsersteigerl.
Theoretisch könnten die Baderbrauer täglich zwei Mal 500 Liter Sud ansetzen – „aber das Fassungsvermögen unseres Keller begrenzt uns da gewaltig“, sagt Ernst. Derzeit schafft das Baderbräu einen monatlichen Ausstoß von etwa acht bis zehn Hektoliter. „Ich werd fuchsteufelszwider, wenn sich da nicht bald was ändert“, schimpft Korbinian Baier. Die jungen Brauer haben sich ein ehrgeiziges Fernziel gesteckt: Sie wollen 15 Hektoliter monatlich brauen. Die Nahziele haben sie jedenfalls schon fast komplett abgearbeitet: die Bierqualität konstant halten, die Vermarktung optimieren, den Arbeitsablauf rationalisieren. Seit einigen Wochen ist ein Flaschenfüller in Betrieb, eine Flaschenwaschanlage wurde angeschafft.
Hygiene ist überhaupt ein großes Thema: „Vor jedem Braugang ist die ganze Brauerei komplett zu reinigen – mit Lauge, Säure und Desinfektionsmittel. Mikroorganismen und Schadinsekten fahren voll auf die Bierzutaten ab. Da muss man einfach korrekt arbeiten. Im Brauereibetrieb verbringt man die Hälfte der Zeit mit der Reinigung und die andere Hälfte mit dem Brauen“, so Ernst.
Die Zutaten für ihr Bier beziehen die Baderbrauer selbstverständlich aus dem Umland: „,Aus der Region für die Region‘ ist unser Motto. Kurze Transportwege, Regionalität und Nachhaltigkeit in der Produktion sind für uns selbstverständlich. Und es hat sich schnell herausgestellt, dass das auch unsere Kunden so wollen“, betont Kiermaier.
Im kommenden Jahr wollen die Schnaitseer den nächsten Schritt gehen: „Wir planen, 2011 einen Arbeitsplatz zu schaffen und einen gelernten Bierbrauer anzustellen. Dann werden wir auch den anvisierten monatlichen Ausstoß von 15 Hektolitern schaffen.“ Zur Erinnerung: Angefangen hat’s mit einem 20-Liter-Brauset aus dem Internet. So kann’s gehen.
Wenn aus Spaß Bier-Ernst wird
Von Andreas Falkinger
Schnaitsee. Was passiert, wenn ein Autoteilehändler, ein Wirtschaftsingenieur, ein Student der Vermessungstechnik, ein chemischer Reiniger, ein Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und eine Lehramtsstudentin aufeinandertreffen? Bei der Gemengelage ist vorstellbar, dass sie ihre Freizeit gemeinsam verbringen – im Sportverein, in einer Band oder am Stammtisch. Aber – nichts dergleichen. Sie haben vor fünf Jahren die Weißbierbrauerei Baderbräu gegründet. Mitten in Schnaitsee. Ohne intime Kenntnisse des Brauereiwesens. Einfach so.
Schnaitsee. Was passiert, wenn ein Autoteilehändler, ein Wirtschaftsingenieur, ein Student der Vermessungstechnik, ein chemischer Reiniger, ein Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und eine Lehramtsstudentin aufeinandertreffen? Bei der Gemengelage ist vorstellbar, dass sie ihre Freizeit gemeinsam verbringen – im Sportverein, in einer Band oder am Stammtisch. Aber – nichts dergleichen. Sie haben vor fünf Jahren die Weißbierbrauerei Baderbräu gegründet. Mitten in Schnaitsee. Ohne intime Kenntnisse des Brauereiwesens. Einfach so.
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