Nachdem in der vergangenen Woche nach einer Razzia im Landratsamt Altötting und einer anschließenden Hausdurchsuchung in der Privatwohnung eines Sachbearbeiters der Abteilung Waffen- und Sprengstoffrecht rund 150 Waffen entdeckt worden waren, nahm die Kripo Landratsamtsmitarbeiter Rainer M. (48) aus Kirchweidach fest (wir berichteten). Der Mann, der sich weiter in Untersuchungshaft befindet, hatte sich an dem Waffenfundus bedient, der von Landkreisbürgern nach dem Amoklauf von Winnenden freiwillig zur Vernichtung abgegeben worden war.
Inzwischen wurde bekannt, dass der Sachbearbeiter weitere Waffen in seinem Besitz hatte. Sie stammen angeblich aus dem Bestand des Landratsamtes Berchtesgadener Land in Bad Reichenhall. Wie die Waffen aus dem Landratsamt Altötting sollen auch die Waffen aus Berchtesgaden katalogisiert und zum Teil mit Preisen ausgezeichnet gewesen sein. Ein Sachbearbeiter des Landratsamtes Berchtesgadener Land soll Rainer M. die Waffen, die Bürger des Berchtesgadener Landes zur Vernichtung abgegeben hatten, angeblich kostenlos überlassen haben.
M. bestreitet weiter vehement, dass er mit den Waffen habe handeln wollen. Für die vom Landratsamt Altötting an Interessenten weitervermittelten Waffen habe es höchstens mal einen Obulus für die Kaffeekasse der Abteilung gegeben. Die Preisauszeichnungen auf den in seiner Wohnung in Kirchweidach sichergestellten Waffen reichten allerdings weit über das Kaffeekassen-Niveau hinaus. Diese preisliche Eintaxierung habe er lediglich aus Fortbildungsgründen vorgenommen. Im Zuge seiner beruflichen Weiterbildung habe er sich zum Waffensachverständigen ausbilden lassen wollen. Die Preisfestlegung bei den Waffen sei deshalb eine Art Übung gewesen, argumentierte Rainer M.
Mittäter oder Mitwisser im Altöttinger Landratsamt will Rainer M. nicht gehabt haben. Der Zugang zur Waffenkammerdes Amtes war ihm angeblich alleine möglich. Eine Kontrolle darüber, was dort eingelagert oder mitgenommen wird, sei deshalb nicht möglich gewesen.
Auf die Schliche gekommen war die Polizei Rainer M. auf einem Umweg. Bei Ermittlungen gegen eine Autobumserbande, die in den Landkreisen Altötting und Mühldorf Versicherungendurch fingierte Autounfälle abzockte, stieß man auf einen kriminellen Automechaniker, der für seine Waffen einen ordnungsgemäßen Waffenschein besaß. Ausgestellt worden war dieser Waffenschein angeblich von Rainer M., der den Automechaniker auch mit den passenden Waffen versorgt haben dürfte. Geld soll für dieses Geschäft nicht geflossen sein, dafür wurden die Autos von Rainer M. schon mal unentgeltlich repariert.
Zusätzlich peinlich an der Sache: Die Freundin des inhaftierten Automechanikers ist ebenfalls am Landratsamt Altötting beschäftigt – und zwar an einer Schlüsselstelle der Behörde, an der viele Amtsinternas zusammenlaufen.
Waffenskandal weitet sich aus
Altötting/Berchtesgadener Land. Der Waffenskandal im Altöttinger Landratsamt zieht immer weitere Kreise. So soll der in Haft befindliche Sachbearbeiter aus Kirchweidach noch weitere Waffen in seinem Besitz gehabt haben, die angeblich aus dem Bestand des Landratsamtes Berchtesgadener Land stammen. Weiteres Detail des Aufsehen erregenden Falles: Die Polizei kam dem Kirchweidacher Rainer M. auf Umwegen auf die Schliche, nämlich bei Ermittlungen gegen eine so genannte Autobumserbande.
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