„Dürfen wir die Schlangen auch einmal selber halten?“ ist die erste Frage, die Manfred Werdan von einem Sechstklässler gestellt bekommt, der mit seinen Klassenkameraden gespannt auf der Treppe der Aula sitzt. Werdan bejaht dies, und seinen Zuhörer sind erst einmal zufriedengestellt. Weniger begeistert davon, dass gleich Schlangen durch die Reihen gereicht werden sollen, sind dagegen so manche Mädchen, die angeekelt das Gesicht verziehen.
Der Reptilienexperte erzählt den staunenden Schülern von seinen 89 Schlangen, 26 Echsen, 91 Schildkröten, 30 Pfeilgiftfröschen und fünf Schlammspringern, die er bei sich zu Hause hält, und natürlich von seinem viereinhalb Meter langen Tigerpython, den er aus einer heruntergekommenen Wohnung in Erding rettete. Die Kinder erfahren, dass man eine Ringelnatter an den hellen Halbmonden am Kopf erkennt, das Hautgift der knallbunten Pfeilgiftfrösche von Indianern zum Einstreichen ihrer Blasrohrpfeile benutzt wurde und dass die Kreuzotter erst dann zubeißt, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlt. Nun reicht Werdan den Sechstklässlern mehrere Schlangen, Bartagamen und Tausendfüßer, damit sie sich die Tiere aus der Nähe ansehen können.
Im Chemie-Saal nebenan erklärt Werdans Kollege Erich Starlinger seinen Schülern die Lebensweise exotischer und heimischer Insekten. Der Taxiunternehmer aus Oberösterreich beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Reptilien und Insekten und beherbergt in seinem Haus eine Vielzahl der oftmals verpönten Tiere. Bei den Ausführungen Starlingers wird den Kindern klar, warum Tausendfüßer keine Insekten sein können – schließlich haben zu Insekten zählende Tiere nur sechs Beine und drei Körperteile. Außerdem erfahren sie, dass Insekten weißes Blut haben, weil es keine roten Blutkörperchen enthält, und die Menschheit ohne Insekten binnen sieben Jahren aufgrund des Sauerstoffmangels aussterben würde. Auch Starlinger erfüllt den Wunsch der Kinder, die Insekten selbst in die Hände zu nehmen. Der Renner ist die Vogelspinne, die einige der Schüler völlig angstfrei über ihre Arme laufen lassen, aber auch um den „entschärften“ Skorpion sowie kleinere Gesellen wie Stabheuschrecke, Gespenstschrecke und das Wandelnde Blatt reißen sich die Sechstklässler.
„Wir wollen mit unserer Ausstellung Ängste und Vorurteile der Menschen gegenüber Spinnen, Schlangen und andere Reptilien abbauen“, erklärt Manfred Werdan. Als Sachverständiger für Amphibien und Reptilien setzt sich der Haiminger für den Schutz dieser oft unsachgemäß gehaltenen Geschöpfe ein. Häufig ruft ihn die Polizei oder der Zoll zur Hilfe, wenn geklärt werden muss, ob ein Tier artgerecht gehalten wird. Bei seiner Arbeit an bayerischen Schulen ist es dem Reptilienexperten wichtig, seine Zuhörer über den Nutzen der oft verkannten Tiere aufzuklären: „Alles, was keine oder mehr als vier Beine hat, finden wir Menschen eklig. Die meisten wissen aber gar nicht, wie nützlich die Tiere sind.“ Schließlich seien gerade Reptilien und Amphibien wichtig, da sie sich von Ungeziefer ernähren. Außerdem sei es ihm wichtig, seine Reptilienausstellung von jenen abzugrenzen, die einem fahrenden Zirkus ähneln und bei denen die Tiere unter inakzeptablen Bedingungen gehalten werden. Alle seine Tiere kehren nach den Ausstellungstagen in ihre großen Terrarien zurück, wie auch sein einst so grausam gehaltener Tigerpython, der nun zu Hause in Haiming in einem 12,5 Quadratmeter großen Terrarium mit Raumhöhe residiert.
Die Reptilienausstellung in der Aula des Hertzhaimer Gymnasiums Trostberg ist für die Öffentlichkeit diesen Freitag von 14 bis 17 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Reptilienexperten stehen für Fragen zur Verfügung und nehmen auf Wunsch auch Tiere aus den Terrarien.
Vogelspinnen auf der Schulbank
Von Simone Kainhuber
Trostberg. „Total süß“ oder auch „voll eklig“ finden die Schüler des Hertzhaimer-Gymnasiums Trostberg, was sie derzeit in der Aula der Schule vorfinden. Die Reptilienexperten Manfred Werdan und Erich Starlinger zeigen dort in etwa 50 Terrarien exotische und heimische Reptilien und Insekten. In einer Biologiestunde der besonderen Art erleben die Schüler die Tiere hautnah und lernen dabei so manches über sie. Ab Freitag, 14 Uhr, ist die Reptilienausstellung auch für die Öffentlichkeit zugänglich.
Trostberg. „Total süß“ oder auch „voll eklig“ finden die Schüler des Hertzhaimer-Gymnasiums Trostberg, was sie derzeit in der Aula der Schule vorfinden. Die Reptilienexperten Manfred Werdan und Erich Starlinger zeigen dort in etwa 50 Terrarien exotische und heimische Reptilien und Insekten. In einer Biologiestunde der besonderen Art erleben die Schüler die Tiere hautnah und lernen dabei so manches über sie. Ab Freitag, 14 Uhr, ist die Reptilienausstellung auch für die Öffentlichkeit zugänglich.
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