„Veredeltes Traunreuter Wasser“

Traunreut (he). „In der jungen Stadt Traunreut ist keine Brauerei ansässig.“ So stand es im Traunreuter Anzeiger am 30./31. Juli 1964. Der vor der Eingemeindung von Stein a. d. Traun und der Schlossbrauerei durchaus zutreffende Satz war seinerzeit Einleitung zu einer Lobeshymne auf die Firma Coca Cola: „Das Fehlen einer Brauerei in Traunreut dürfte aber hier noch niemand als einen Mangel empfunden haben“, hieß es da in der Zeitung weiter. „Der Durst der Traunreuter konnte bisher immer gestillt werden.“
So sah die Firma Coca-Cola in den 50er Jahren aus: der neue große Mittelbau mit den alten Gebäuden aus der Muna-Zeit an den beiden Seiten.
Zumindest derer, die alkoholfreie Getränke vorziehen: „Denn seit 1952 besteht hier die ,Getränkeindustrie Chiemgau‘, ein Lizenzunternehmen der Weltmarke Coca-Cola.“ Der Schlusssatz des Artikels: „Für Traunreut ist die ,Chiemgau-Getränkeindustrie‘ ein nicht unbedeutender wirtschaftlicher Faktor. Fast 40 Personen haben hier, unabhängig von den saisonbedingten Absatzschwankungen, das ganze Jahr hindurch einen guten und sicheren Arbeitsplatz.“

Und das ist auch heute noch so. In einem Gespräch mit Ihrer Lokalzeitung verweist GebietsVerkaufsleiter Franz Bernauer auf aktuell 54 Mitarbeiter bei der heutigen Niederlassung Traunreut der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG. Im letzten Jahr haben 1,4 Millionen Unitcases – das ist die aus den USA stammende Mengeneinheit – die Niederlassung verlassen; das sind fast acht Millionen Liter an alkoholfreien Getränken. Heuer waren es Ende Juli bereits über fünf Millionen. Diese Masse wird mit einer Flotte von 17 Lastwagen im Einzugsgebiet verteilt. Zwölf waren es 1964.

Bis zum 31. März 1984 wurde in Traunreut nicht nur ausgeliefert, sondern auch selbst produziert. Der damalige Niederlassungsleiter Horst Frimmer (70) erzählt in einem Gespräch mit Ihrer Lokalzeitung, dass die Traunreuter Niederlassung das Konzentrat – die nach einem streng gehüteten Geheimrezept hergestellte Coca-Cola-Mixtur – in Glasbehältern aus Essen bezogen hat. „Parallel haben wir von der Edeka in Trostberg den Zucker bezogen, diesen in Lösetanks mit Wasser vermischt und in Rührtanks gerührt, bis sich der Zucker aufgelöst hat. In die Zuckerlösung kam das Konzentrat rein.“ Dem fertigen Sirup, wurde noch Kohlensäure zugeführt und die fertige Cola abgefüllt.

Das Wasser spielte bei dem Prozess eine große Rolle. In einer Aufbereitungsanlage wurde dafür gesorgt, dass das Wasser die richtigen Werte und Inhaltsstoffe aufwies, damit die Cola garantiert weltweit gleich schmeckt. Für Enthärtung und Entkalkung waren laut Frimmer mit die kostenintensivsten technischen Anlagen erforderlich.

Das Jahr 1972 stand im Zeichen eines großen Umbaus: Damals entstanden die heutigen Hallen, und eine große, moderne Abfüllstation wurde in Betrieb genommen. Die bestand nur zwölf Jahre: Am 31. März 1984 wurde die eigene Produktion eingestellt. Denn die Zentralisierung machte auch bei CocaCola nicht Halt: Die Produktion wurde in der süddeutschen Region in Fürstenfeldbruck zentralisiert. Von dort bezieht die Traunreuter Niederlassung seit 1984 ihre Ware und verteilt sie im südostbayerischen Raum – von den Landesgrenzen bis vor die Tore von München und im Westen bis nach Bad Tölz.

Das Gebiet ist gegenüber 1964 fast unverändert geblieben – ganz im Gegensatz zur Produktpalette. Damals gab es die 0,2-Liter-Flasche Cola und sonst nichts. Dann kam „Fanta“ dazu, später Säfte und Mineralwässer, die inzwischen umsatzmäßig der Cola den Rang abgelaufen haben. Mittlerweile umfasst die Angebotspalette über 100 verschiedene Produkte beziehungsweise Flaschengrößen.

„Wir waren von der ,CC-Fliege‘ gestochen“: So beschreibt Frimmer, eineinhalb Jahrzehnte Niederlassungsleiter von CocaCola in Traunreut, die Verbundenheit der Mitarbeiter mit ihrer Firma. „Wir haben Filmabende gemacht, sind von Dorf zu Dorf gefahren und haben die Leute über Lautsprecher in die Gasthäuser eingeladen.“ Die Filmabende waren gut besucht, die Fragen vielfältig, einiges an Skepsis dem neuen, amerikanischen Getränk gegenüber zu hören. Das war Ende der 50er Jahre. Und Frimmer, seit 1958 mit dabei, erinnert sich noch gut an jene Zeiten, da er angefangen hat als blutjunger Beifahrer in einem Coca-Cola-Lastwagen.

Ein Jahr lang war er bei diesen Werbeabenden regelmäßig dabei. Diese fanden schwerpunktmäßig im Winter statt, da im Sommer keine Zeit war: Bis zu 70 Prozent des Jahresausstoßes wurden da umgesetzt. Vor den Filmabenden „haben wir teilweise Kohle holen müssen, um in den Wirtschaften einzuheizen“. Die Wirte seien dazu oft nicht bereit gewesen.

Feste wurden regelmäßig gefeiert, wovon ein Stapel an Fotoalben im Firmenarchiv heute noch Zeugnis ablegt. „Ich will keinen Tag davon missen“, bekennt Frimmer.
Artikel vom 04.09.10
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