An der Absperrung des Trümmerfeldes in der Pallinger Straße hatten Mitschüler und Freunde der Opfer eine provisorische Gedenkstätte mit Fotos und vielen Kerzen eingerichtet – zum Zeichen der Trauer um Peter und Sophie Baumgartl, die sich immer engagiert und aktiv gegen rechtsextremes und faschistisches Gedankengut eingesetzt hatten. Eine Zivilcourage der beiden, die nun zu der neonazistischen Schandtat – vermutlich in der Nacht zum Samstag – geführt hat.
Denn am Samstag hing am Unglücksort in der Pallinger Straße, mit Kabelbinder am Bauzaun befestigt, eine schwarz-weiß-rote Fahne – das weit verbreitete Symbol von Neonazis bei ihren Aufmärschen. Passanten machten den Trostberger Peter Kurz, einen Freund der Familie Baumgartl, darauf aufmerksam. Der Kreisvorsitzende der Partei Die Linke reagierte ebenso erschüttert auf die Aktion wie Hermann Schätz, langjähriger SPD-Bundestagsabgeordneter.
Peter Kurz entfernte die Fahne sofort und brachte sie am Sonntag als Beweisstück zur Trostberger Polizei, Schätz erstattete Anzeige. „Das ist eine pietätlose Ungeheuerlichkeit. Neonazis verhöhnen zwei Verunglückte, um die noch immer tiefe Trauer herrscht“, so Peter Kurz. „Der Vorfall zeigt, dass die rechte Szene auch hier im Chiemgau immer dreister und skandalöser vorgeht.“ Der empörte Großvater sprach von einer „Schändung des Gedenkens an verstorbene Angehörige“.
Die beiden Felssturz-Opfer hatten sich immer gegen rassistische Auswüchse gestellt. Der verstorbene Vater Peter Baumgartl (45) war auch Schatzmeister der Linken im Kreisverband Traunstein. Seine 18-jährige Tochter Sophie engagierte sich stark in der Friedensinitiative und der Antifaschistischen Bewegung. „Sie war bei vielen Demonstrationen dabei, zum Beispiel gegen die NPD in Halsbach oder bei den Ostermärschen“, berichtet ihr Opa Hermann Schätz.
„Und es wäre auch in Sophies Sinne gewesen, jetzt nach diesem Vorfall Widerstand zu leisten, immer den Anfängen zu wehren“, so Schätz gestern gegenüber Ihrer Lokalzeitung. „Deshalb habe ich mich dazu entschieden, das nicht einfach hinzunehmen, sondern Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Auch um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren auf das gefährliche, brutale Gedankengut, das manche in sich tragen.“ Denn der 75-Jährige ist überzeugt, dass hier Rechtsextreme mit der Fahnenniederlegung zum Ausdruck bringen wollen, „dass sie sich freuen, dass hier zwei ihrer Gegner oder Feinde gestorben sind – und das ist so menschenverachtend, dass es jenseits unserer Kultur steht“.
„Auch wenn ich nicht allzu viel Hoffnung habe, dass man die feigen Täter fasst, hoffe ich, dass man die Bürger dazu aufruft, wachsam zu sein, dass so etwas nicht noch einmal passiert“, sagt Schätz. „Denn ein derart demonstrativer Akt gegen unsere verstorbenen Familienmitglieder, dafür reicht das Wort ,primitiv‘ gar nicht mehr aus. Da begeben sich Menschen in Niederungen, die unter jeder Menschenwürde liegen.“
Unerträgliche Verhöhnung
Von Thomas Thois
Stein a. d. Traun. „Das ist eine beispiellose Verhöhnung der Opfer, eine jenseits jeder Menschenwürde stehende Aktion!“ Das Entsetzen darüber, dass Rechtsradikale in der Nacht zum Samstag an der Gedenkstätte der Felssturz-Katastrophe in Stein a. d. Traun eine schwarz-weiß-rote Reichsfahne befestigt haben, ist nicht nur bei Hermann Schätz groß. Dieser hat bei dem Unglück vor zwei Wochen seinen Schwiegersohn und seine Enkelin verloren. Seiner Schwiegertochter (40) und seinem Enkel (16), die schwer verletzt im Krankenhaus liegen, hat Schätz von der „unerträglichen Schändung“ nichts erzählt, um sie nicht weiter zu belasten. Jedoch hat der 75-Jährige Anzeige bei der Polizei erstattet.
Stein a. d. Traun. „Das ist eine beispiellose Verhöhnung der Opfer, eine jenseits jeder Menschenwürde stehende Aktion!“ Das Entsetzen darüber, dass Rechtsradikale in der Nacht zum Samstag an der Gedenkstätte der Felssturz-Katastrophe in Stein a. d. Traun eine schwarz-weiß-rote Reichsfahne befestigt haben, ist nicht nur bei Hermann Schätz groß. Dieser hat bei dem Unglück vor zwei Wochen seinen Schwiegersohn und seine Enkelin verloren. Seiner Schwiegertochter (40) und seinem Enkel (16), die schwer verletzt im Krankenhaus liegen, hat Schätz von der „unerträglichen Schändung“ nichts erzählt, um sie nicht weiter zu belasten. Jedoch hat der 75-Jährige Anzeige bei der Polizei erstattet.
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