„Uns hat der Rauch noch nie gestört, denn die Bierzelte sind ja so groß und hoch, da zieht das alles nach oben oder draußen weg“, sagt Konrad Singer aus St. Georgen. Wobei es seine Gattin schon begrüßt, „dass am nächsten Tag das G’wand nicht nach kaltem Rauch stinkt“. Aber es wäre auch ohne Rauchverbot gegangen, ist sich Rosa Singer sicher.
Für Nichtraucher Sebastian Weber aus St. Georgen ist das totale Rauchverbot sogar ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. „Wir leben in einer Demokratie, aber sowas ist diktatorisch. Und dann muss auch noch der Wirt schauen, dass das Ganze eingehalten wird! Sollen sich doch die Nichtraucher drum kümmern.“
Gelassener sieht es Nichtraucherin Elena aus Trostberg: „Ich war einfach eh schon daran gewöhnt, dass es im Bierzelt qualmt, das hat mich nie gestört. Und deshalb bin ich auch nicht zum Volksentscheid gegangen.“
Deutlichere Worte fanden die Raucher, die sich am kühlen Sonntagabend – dick eingepackt – im Biergarten im Freien niedergelassen hatten: „Wir kommen uns vor wie die Schulkinder, die man in die Ecke geschickt hat – richtig ausgegrenzt“, macht Sylvia Johas aus Tacherting ihrem Unmut Luft.
„Noch nie hat das Rauchen jemanden gestört im Bierzelt“, pflichtet ihr Michael Grafetstetter bei. „Wir haben ja bis jetzt auch immer mit Nichtrauchern zusammengesessen, da gab es nie ein Problem. Das Problem sind die Gesetze, die sich die übermotivierten Politiker einfallen lassen.“ Der Trostberger zieht daraus die Konsequenz: „Uns sehen die hier heuer im Volksfest nur einmal, statt sonst drei- oder viermal. Das Rauchverbot ist gut in Speiselokalen, aber ein Schmarrn im Bierzelt oder in der Eckkneipe!“
Und Raucher Hermann Nagl aus Tacherting weiß: „Die Nichtraucher haben im Bierzelt doch eh immer den höchsten Spaß, wenn sie nach zwei, drei Maß ihre Zigarren auspacken und selbst rauchen!“
„Dass ausgerechnet Bayern das schärfste Gesetz hat, das Land des Bieres mit dem größten Volksfest der Welt“ – das hält Wolfgang Hailer aus Trostberg für einen Hohn. „Da ist man gehörig über das Ziel hinausgeschossen. Wenn schon, dann hätte es doch leicht gereicht, dass man die Bierzelte zu gleichen Teilen in Raucher- und Nichtraucherbereiche aufteilt. Aber eigentlich hätte es diesenUnsinn gar nicht gebraucht“, weshalb Hailer, ebenso wie Erika und Alfons Auer, heuer nur einen Kurzbesuch auf der Trostberger Wiesn macht. „Bis es uns hier draußen zu kalt wird.“ „Für uns können dann ja die militanten Nichtraucher ins Zelt gehen, die den Schmarrn durchgesetzt haben“, meint Cornelia Kunchintzki. „Aber die sieht man eh nicht im Volksfest, die bleiben so oder so daheim!“
Wohl gesonnen sind dem Rauchverbot immerhin zwei der Bedienungen: Marianne Gruber aus Surberg und Tatjana Gastl aus Traunstein. Und das, obwohl sie anfangs sehr skeptisch waren. „Ich war eigentlich dagegen, weil ich befürchtet habe, dass es da zu einigen Aggressionen kommen wird, wenn die Leute angetrunken sind und rauchen wollen“, sagt Marianne Wimmer. Aber nun hat sie schon einige Volksfeste ohne Qualm hinter sich. „Und es läuft überraschend problemlos. In Trostberg hatten wir bis jetzt nicht mal Rauchversuche von Bierzeltgästen.“ Und bei größeren Bierzelten sei es bisher auch ohne Reibereien abgegangen. „Wenn man die Leute freundlich, aber bestimmt auf das Verbot aufmerksam macht, hält sich jeder dran und geht raus.“
„Wobei die Bewährungsprobe natürlich erst das Oktoberfest in München sein wird“, so Tatjana Gastl, „bei der Menge an Leuten und Alkohol wird sich zeigen, ob es funktioniert.“ Beide Bedienungen gewinnen dem Rauchverbot sogar etwas Positives ab: „Wir sind selber Raucher und leben jetzt gesünder, weil wir uns nicht mehr schnell zwischendurch eine anzünden können, sondern extra rausgehen müssen. Da rauchen wir um die Hälfte weniger.“
Dazu komme die bessere Luft im Zelt und die Tatsache, dass man sich beim Maßkrug-Anliefern im dichten und feuchtfröhlichen Gedränge an den Biertischen nicht mehr so leicht an den glühenden Glimmstängeln verbrenne.
„Übers Ziel hinausgeschossen“
Trostberg (tt). Den Untergang der Bierzeltkultur befürchteten die einen, ein unmöglich zu kontrollierendes Verbot sahen die anderen. Jetzt, zwei Monate nach dem Volksentscheid zum Nichtraucherschutz, hat man die ersten Erfahrungen mit dem Rauchverbot in Bierzelten gesammelt. Ihre Lokalzeitung hat sich am Sonntagabend im Trostberger Volkfest umgehört und festgestellt: Die Umsetzung funktioniert, doch selbst die Nichtraucher halten die verschärfte Regelung für übertrieben (siehe auch Titelseite).
Eckerlsitzen wie in der Schule? Der Rauchertisch im Freien mit Michael und Manuela Grafetstetter, Sylvia Johas, Hermann Nagl und Hannelore Winterer (von links). Rechts: Die Bedienungen Marianne Gruber (rechts) und Tatjana Gastl gewinnen dem Rauchverbot auch positive Seiten ab – „wir rauchen jetzt weniger, weil wir dazu rausgehen müssen, also ist unsere Arbeit gesünder“. Fotos: tt
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