Auf die Spur kam man dem Mann, weil er seinen PC im September vergangenen Jahres zur Reparatur brachte. „Das sind die schlimmsten Bilder, die ich je gesehen habe, da kann einem schlecht werden. Dass sie da kein Mitleid mit den Kindern haben“, sagt Richter Hippler fassungslos. Er könne „sich selbst ins Gesicht speien“, versichert der Beschuldigte und starrt mit eingezogenem Kopf auf seine Füße. Was er gemacht habe, sei ihm erst bewusst geworden, seitdem er im Inn-Salzachklinikum untergebracht und trocken sei.
Pädophile Neigungen hätte sein Patient seit dem 30. Lebensjahr entwickelt, sagt der Psychiater aus. In Erscheinung getreten seien sie aber nur in Krisenzeiten und im Zusammenhang mit massivem Alkoholkonsum. Er attestiert dem Angeklagten eine erhebliche Suchtmittelproblematik und Alkoholabhängigkeit sowie eine starke Persönlichkeitsstörung. Die Pädophilie sei dagegen nicht sexuell fixiert und komme nur als Begleiterscheinung der anderen beiden Erkrankungen zum Tragen. Eine Sexualstörung, von der Gefahr ausgehe, liege nicht vor.
In seinem Plädoyer spricht Staatsanwalt Silvio Kirsten von einem einzigartigen Fall. Der Inhalt der Bilder, die der Angeklagte konsumiert und verbreitet habe, sei „übel und abartig“. Allerdings habe der Beschuldigte nie etwas selbst produziert, die Grenze sei immer eingehalten worden, selbst im betrunkenen Zustand. Deshalb fordert Kirsten die Unterbringung von vier Jahren in einer geschlossenen Erziehungsanstalt. Dass im Falle seines Klienten nicht über eine Bewährungsstrafe zu ver-handeln sei, ist auch Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer klar. Deshalb plädiert er ebenfalls für die Einweisung in eine entsprechende Anstalt.
Zusammengesunken sitzt der 48-Jährige auf der Anklagebank, seine Augen hinter den Brillengläsern fixieren den Boden. So gut es geht erzählt er Richter Thomas Hippler über sich, über seine Kindheit, seine Ausbildung, sein Leben. Er ist nur schwer zu verstehen. Zusammen mit der Aussage des psychiatrischen Gutachtens entsteht das Bild eines Mannes, dessen Leben von Anfang an unter keinem guten Stern stand.
Der 48-Jährige wurde in Göppingen geboren. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er neun Jahre alt war. Das habe den Patienten tief verunsichert, er entwickelte Angstzustände, Schlafstörungen und seine Schulleistungen ließen rapide nach, wie der Psychiater erklärte. Mediziner verschrieben damals Beruhigungstabletten, mit dem Ergebnis, dass der Angeklagte als Zwölfjähriger den ersten Entzug und den ersten Suizidversuch hinter sich hatte. Rasch kamen Alkohol und Drogen dazu. Es folgten wechselhafte Jahre, die geprägt waren von Alkoholexzessen und insgesamt 20 Entzugsversuchen. Ruhigere Phasen gab es zwar auch, sogar feste Beziehungen – doch wenn die zerbrachen, war der Absturz umso schlimmer.
Vor zehn Jahren kam der heute 48-Jährige nach Bad Reichenhall, weil er noch mal „was Neues anfangen“ wollte. Als er 2008 seinen Arbeitsplatz in der Gastronomie verlor, ging es steil bergab. Die alten Alkoholprobleme hätten voll durchgeschlagen, berichtet der Mann. Seine tägliche Dosis: zwei Flaschen Schnaps, mehrere Liter Rotwein, dazu Schmerzmittel wegen Rückenproblemen. Der Angeklagte igelte sich in seiner Wohnung ein, vollkommen betrunken und lud tausende pornografischer Dateien aus dem Internet auf seinen PC. „Die Bilder und Videos zeigen jeweils wenigstens einen Darsteller, der erkennbar noch nicht 14 Jahre alt ist, beim Geschlechtsverkehr“, so die Staatsanwaltschaft.
Nach einer kurzen Beratung verkünden Richter Thomas Hippler und seine beiden Schöffen ihr Urteil: drei Jahre Erziehungsanstalt. Aufgrund des langen Alkholkonsums und der daraus resultierenden Persönlichkeitsstörung habe man eine verminderte Schuldfähigkeit zugrunde gelegt. Der Angeklagte sei nicht einschlägig vorbestraft, dafür geständig und therapiefähig. „Das ist noch einmal eine Chance für sie“, gibt Hippler dem Mann mit auf den Weg. Der hält den Blick weiter auf den Boden gehaftet. Von Polizeibeamten flankiert, wird er aus dem Gerichtsgebäude geführt.
„Übel und abartig“
Laufen/Bad Reichenhall (ktb). Es war der größte Fall von Kinderpornografie, den das Amtsgericht Laufen jemals zu verhandeln hatte. Mehr als 9900 verbotene Schriften hatte die Polizei auf dem Computer eines 48-jährigen Reichenhallers festgestellt. Darunter „übelste Bilder“, wie sie selbst Richter Thomas Hippler nach eigenen Angaben noch nie gesehen habe. Er verurteilte den schwer alkoholkranken Mann zu drei Jahren Unterbringung in einer Erziehungsanstalt. Ein psychiatrischer Gutachter bestätigte zuvor, dass von dem Angeklagten keine „aktive Gefahr“ ausgehe.
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Coco als Orakel
Beagle "Coco", das Fußball-Orakel Ihrer Lokalzeitung
Der Redaktions-Beagle hat vor dem DFB-Pokalfinale das falsche, vor dem Champions-League-Endspiel das richtige Leckerli angesteuert.
Zwei Endspiele des FC Bayern und die Europameisterschaft: In solchen Fußball-Großkampftagen hat auch Ihre Lokalzeitung ein tierisches Orakel an den Start gebracht. Redaktionshund „Coco“. Der Beagle unserer Lokalredakteurin Lucia Hargaßer hat den Ausgang des DFB-Pokalfinales zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund vorhergesagt, oder besser gesagt vorhergefressen. Das Ganze übrigens hochoffiziell unter Aufsicht des Trostberger Notars Georg Mehler und moderiert von Sportredakteur und Franz-Beckenbauer-Imitator Christian Settele. Dabei lag er daneben, denn er steuerte den FC-Bayern-Napf an, und Schweinsteiger & Co. haben ja bekanntlich gegen Dortmund 2:5 verloren.
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Richtig lag das "Cocorakel" dafür im Champions-League-Finale - natürlich sehr zum Leidwesen der Bayern-Fans. "Coco" entschied sich für den Knochen in der blauen Chelsea-Schuhschachtel. Damit hat er sich als Wahrsager für die Europameisterschaft empfohlen. Gut möglich also, dass seine hellseherischen Fähigkeiten wieder gefragt sind im Juni.
Hier geht's zu den im Trostberger Tagblatt und Traunreuter Anzeiger erschienenen Berichten über die beiden "Cocorakel-Befragungen: Dortmund - Bayern, Bayern - Chelsea.
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