Es zeigte sich sofort, dass der Schauplatz-Wechsel nicht den befürchteten Flair-Verlust bedeutet – im Gegenteil: Schon beim Betreten des Schlosshofes stockt einem beim Anblick des steil aufragenden Nagelfluhfelsens fast der Atem. Die schroffe Wand wird vor allem im zweiten Akt mit aufwändiger Licht- und Pyrotechnik eindrucksvoll in Szene gesetzt.
Regisseur Hans-Peter Schmidt hat Unterforsthubers „Urfassung“ umgearbeitet. Er setzt dabei viele eigene Akzente, ohne den Kern der Geschichte zu verändern. Diese überrascht und glänzt mit vielen Parallelen zur heutigen Zeit – vom Ärger im Volk über die Ausbeutung durch die Obrigkeit bis zum ewigen Kampf um Jerusalem.
Schon der Einstieg fasziniert: Weiße Laken als Symbol für die heile Welt verdecken den Blick auf die Bühne. Nach und nachwerden sie entfernt, und ein Rotweinfleck auf dem letzten Laken deutet schon an, dass die wahre Welt mit all ihrer Brutalität zum Vorschein kommt.
Der verschollene Heinz (Jürgen Hilse) kehrt 1193 vom Dritten Kreuzzug in seine Burg zurück – nicht als Raubritter, sondern als Intellektueller. Zunächst gelingt es ihm, die „Heuschrecken“ zu vertreiben, die in seiner Abwesenheit den Stein besetzt und das Volk ausgebeutet haben: Die Baumburger Mönche und deren Vogt, der Graf von Ortenburg (Thomas Breu) ergreifen die Flucht. Gold und Geschmeide hat Heinz mitgebracht, aber „wertvoller als das Gold ist das Wissen“, wie man im Orient die Felder bestellt oder mit arabischen Zahlen rechnet. Mit im Tross ist auch „das Kostbarste, was es gibt auf der Welt: eine Herrin für Schloss Stein“ – Nadir (Caterina Wimmer), Heinz’ schwangere arabische Geliebte.
Das ist zu viel für die Gottestreuen um den geheimnisvollen Dompfaff (Benjamin Kaltenhauser), die den „heidnischen Zauber“ und das „verruchte Geschöpf ohne Segen“ verteufeln. Nadir wird ermordet, ihr Kind kann nur noch tot geboren werden – angeblich, wie sich in der dramatischen Wende im Finale des Stücks zeigen soll.
Schmidt hat die intensive Liebe bewusst überhöht, um den tiefen Fall des Heinz in den Mittelpunkt zu stellen: Für den idealistischen Mann bricht eine Welt zusammen. Er verfällt in Lethargie, lässt sich von seinen düsteren Gesellen leiten, und die Armut macht ihn zum gefürchteten Straßen- und Mädchenräuber. Heinz schlägt selbst die Ratschläge des weisen Knechtes Minhart (Heinz Schmidt) in den Wind: „Lass ab von der Rauberei! Du gehst den Leuten ans Geld, das werden sie nie vergessen!“ Das Desaster scheint unausweichlich, als der Bischof von Salzburg (Gerhard Ficker) und seine Truppen hoch oben am Stein auftauchen.
Hans-Peter Schmidt stand bei der Premiere 1987 noch selbst als Schauspieler in einer kleinenJäger-Rolle auf der Bühne. Als Regisseur hat er nun – wie von seinen Inszenierungen des Trostberger Gymnasiumsheaters bekannt – auf jedes Detail geachtet, was das Ensemble auf der Bühne grandios umsetzt. Das beginnt schon am Anfang, wenn der Blick auf die „wahre Welt“ frei wird und man die verliebte Frau erblickt, die in Wahrheit schon mit einem anderen flirtet, oder die Kinder einen Mönch mit „Pfüat di, Papa“ verabschieden.
Mit der rundum gelungenen Premiere war Schmidt zu Recht hochzufrieden: „Kompliment ans Ensemble!“ Neben den Schauspielern verdient sich auch das Team hinter der Bühne ein großes Lob: So lässt das THW die von den Salzburgern eingenommene Burg „brennen“ oder die Maske die Schauspieler in der Pause um 20 Jahre altern. Die Trostberger Rittersleut’ und die Musiker der Musikschule Trostberg um Ralph Kaleve sorgen nicht nur im Stück selbst, sondern schon lange vor Beginn für das optimale Flair, wenn man sich im bestens bewirteten Ritterlager auf die Spiele einstimmen lassen kann.
Noch sieben Mal wird das Stück gezeigt: Am 4., 5., 6., 10., 11., 12. und 13. Juni, jeweils um 20 Uhr. Das Ritterlager hat immer ab 18 Uhr geöffnet. Karten kann man unter Tel. 0 86 69/ 34 12 45 oder /34 12 87 reservieren. „Lassen Sie sich mitreißen von der Ritterromantik, ohne dass Sie im Hungerturm, im Kerker oder in der Folterkammer enden“, schrieb Schirmherr Landrat Hermann Steinmaßl in seinem Grußwort. Allen Beteiligten, die mit viel Idealismus bei der Sache sind, bleibt nur zu wünschen, dass möglichst viele diesem Aufruf folgen.
Tiefer Fall des „Heinz vom Stein“
Von Robert Seifert
Stein a. d. Traun. Vor einer imposanten neuen Kulisse im Steiner Schlosshof haben die „Steiner Spiele 2009“ am Freitagabend eine umjubelte Premiere gefeiert: Die über 80 Mitwirkenden zauberten eine Neuinszenierung von „Heinz vom Stein – der Wilde“ auf die Bühne im Schlosshof und trotzten ebenso wie die 300 begeisterten Zuschauer dem immer stärker werdenden Tröpfeln vom Himmel. Der unvergessene Autor und Steiner-Spiele-Gründer G.F.X. „Ufo“ Unterforsthuber hatte das Stück 1987 erstmals inszeniert – damals noch „oben am Stein“ vor dem Hochschloss. Seine Witwe Irene weilte ebenso unter den Premierengästen wie „Schlossherrin“ Angelika Ziegler, die die Aufführung an neuer Stelle erst ermöglicht hatte.
Stein a. d. Traun. Vor einer imposanten neuen Kulisse im Steiner Schlosshof haben die „Steiner Spiele 2009“ am Freitagabend eine umjubelte Premiere gefeiert: Die über 80 Mitwirkenden zauberten eine Neuinszenierung von „Heinz vom Stein – der Wilde“ auf die Bühne im Schlosshof und trotzten ebenso wie die 300 begeisterten Zuschauer dem immer stärker werdenden Tröpfeln vom Himmel. Der unvergessene Autor und Steiner-Spiele-Gründer G.F.X. „Ufo“ Unterforsthuber hatte das Stück 1987 erstmals inszeniert – damals noch „oben am Stein“ vor dem Hochschloss. Seine Witwe Irene weilte ebenso unter den Premierengästen wie „Schlossherrin“ Angelika Ziegler, die die Aufführung an neuer Stelle erst ermöglicht hatte.
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