Ein Hauptgrund für die "Bierflüchtlinge" und seit Jahren in der Kritik der österreichischen Brauindustrie: die unterschiedlich hohe Biersteuer. "Eine offensichtliche Wettbewerbsverzerrung", sagt Robert Schramml, Geschäftsführer der Salzburger Privatbrauerei Stiegl. "In Deutschland beträgt die Steuer für eine Kiste Bier nicht einmal einen Euro. In Österreich ist sie mehr als zweieinhalb Mal so hoch." Zum Beispiel bei der meist getrunkenen Biersorte mit zwölf Grad Stammwürze: Steuer in Deutschland pro Hektoliter 9,44 Euro, Steuer in Österreich 24 Euro pro Hektoliter. Hinzu kommt noch das in Deutschland um 1,70 Euro günstigere Pfand.
Dies führe letztlich zu den Kofferraumimporten, sagt Schramml. Die Österreicher fahren über die Grenze und kaufen dort ihr Bier, wahrscheinlich in rauen Mengen. Offizielle Zahlen existieren aber keine. Stiegl gibt an, weniger betroffen zu sein als andere Marken, der größte österreichische Braukonzern Brau-Union nennt die Menge "überschaubar". Der österreichische Brauereiverband schätzt allerdings, dass gut 300 000 Hektoliter Bier pro Jahr die deutsch-österreichische Grenze via Kofferraum überqueren, 25 000 davon aus Deutschland, der Rest aus Tschechien.
Zum Vergleich: Offiziell nach Österreich importiert werden circa 600 000 Hektoliter. Aber so übel der Begriff Kofferraumimport auch klingen mag, der Großteil dürfte das Land auf legalem Weg wechseln: Bis zu 110 Liter dürfen pro Grenzübertritt importiert werden.
Stefan Strohhammer vom Top-Getränkemarkt am Freilassinger Bahnhof ist aufgefallen, dass es vielen ums Geld geht: "Wenn sich jetzt jemand den Kofferraum voll macht, dann hauptsächlich mit Billigbier." Aber die voll gepackten Autos werden seltener: "Die Leute haben weniger Geld und da kauft man auch keine Kofferräume voller Bier mehr."
Tank-Tourismus mal andersrum
Salzburg/Freilassing. Für billigeres Bier kommen die Österreicher in Scharen nach Bayern. Besonders an österreichischen Feiertagen, die im Freistaat keine sind, wimmeln die Parkplätze von Einkaufsmärkten im Grenzgebiet nur so von salzburger und oberösterreicher Nummernschildern. "Meine Kundschaft besteht zu 70 bis 80 Prozent aus Österreichern", schätzt Anton Hofreiter, der einen Getränkemarkt in Freilassing nur wenige hundert Meter von der Grenze entfernt leitet.
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