Einige ganz besondere Höhepunkte baute Regisseur HansPeter Schmidt bei der Inszenierung des alten Stoffes um den Ritter Heinz vom Stein in das Stück ein. Ein großartiges Spektakel war es beispielsweise, wenn im zweiten Akt die alte Felsenburg zu brennen begann. Möglich war das Ganze durch die Pyrotechnik des THW-Ortsverbandes Traunreut. Es gab sogar immer wieder Beobachter außerhalb des Schlosshofes, die sich einfach nur aus der Ferne dieses Spektakel der brennenden Burg anschauen wollten.
Besonders hervorgehoben wurden diese dramatischen Szenen und das ganze Stück durch die Beleuchtungsspezialisten von Siteco. Hochleistungsscheinwerfer, die ansonsten große Stadien ins rechte Licht rücken, ließen die Steiner Spiele 2009 in bisher einzigartiger Weise erstrahlen. Mehr als 30 Fluter und Scheinwerfer waren im Einsatz, die bald auch die Stadien der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika beleuchten werden.
Eines der Highlights war sicherlich auch der Auftritt des Erzbischofs von Salzburg mit seinen Soldaten, die hoch über der Burg am Hochschloss im gleißend hellen Licht sehr bedrohlich wirkten und das Unheil ankündigten, das kurz darauf über die Burg Stein hereinbrechen sollte. Martin Dörfler, der die Beleuchtung der SteinerSpiele für Siteco betreute, stellte fest: „Es war eine sehr interessante und spannende Aufgabe. Der Nagelfluh provoziert Schatten, das Licht belebt den Stein und zeichnet spannende Konturen.“
Immer wieder begeistert zeigten sich die Besucher auch von den atemberaubenden Kampfszenen der Trostberger Rittersleut. Und der kurze überraschende Auftritt der Adlerin Steffi, die sich vom Dach des Schlosses auf die Hand des Falkners stürzte, beeindruckte schwer. In der Pause waren Adlerin und Herrchen stets dicht umlagert von Neugierigen. Der großartige Erfolg ließ die Verantwortlichen dann auch die zahlreichen Mühen und Rennereien vergessen, die im Vorfeld einer so gewaltigen Veranstaltung einfach notwendig sind. Eine Menge an Auflagen ist dabei zu beachten und nicht alle Vorschriften sind unbedingt für jedermann nachvollziehbar.
So musste beispielsweise im Weinzelt ein fester, leicht wischbarer Boden verlegt werden und fließend warmes und kaltes Wasser vorhanden sein, obwohl die Gläser nicht vor Ort sondern zu Hause gewaschen wurden. Auch sollte das Heu im Stall, in dem das Pferd für den Ritter Heinz vom Stein unterstand, mit einem speziellen, brandsicheren Mittel präpariert werden. Das Pferd hätte davon aber auf keinen Fall fressen dürfen, da diese Mittel äußerst giftig sind.
Unklar war zunächst auch die Entscheidung, ob es sich im Schlosshof um eine Innen- oder Außenveranstaltung handelte. Der Innenhof in Stein fällt aber nach neuester Gesetzeslage nicht unter eine Freiluftaufführung, sondern wird behandelt, als würde in einem geschlossenen Raum gespielt. Da war es dann schon eine Glücksache, dass das Tor breit genug war und der Fluchtweg gerade ausreichte. Insgesamt fünf Ordner vom Theaterchen „O“ und zusätzlich die Leute vom THW mussten bei jeder Veranstaltung vor Ort sein, um im Brandfall für Evakuierung und Erstversorgung gut aufgestellt zu sein.
Organisatorin Berta Berthold betonte jedoch: „Wir wollen alle, dass nix passiert und ich bin irgendwo auch froh, dass es diese gesetzlichen Auflagen gibt. Denn nur so ist man als Veranstalter auf der sicheren Seite. Es gibt Dinge, die man den Mitwirkenden, den Besuchern undauch den Verkäufern gegenüber sonst nicht so einfach durchsetzen könnte. Ich sehe mich hier als Veranstalter und letztendlich kommt es mir auch zu Gute, wenn da von Gesetzes wegen auf die Einhaltung vieler, auf den ersten Blick vielleicht unnötiger Auflagen geachtet wird.“
Unsicherheit bis kurz vor der Premiere verursachte auch die Tribüne, die aufgrund des Schulbetriebes erst in der vorletzten Woche eingebaut werden durfte und vorher noch nie an dieser Stelle aufgebaut war. Somit konnte auch die Genehmigung dafür erst sehr kurzfristig erteilt werden. Auf dem Papier wurde vorher schon alles durchgespielt.
Doch eine 22 Meter breite Tribüne in einen Innenhof zu stellen, der an der schmalsten Stelle keine 25 Meter breit ist, den richtigen Winkel zu finden, dass die Zuschauer optimal sehen und die Fluchtwege eingehalten werden, das verlangte schon Präzisionsarbeit. Hätte die Tribüne so nicht gepasst, dann hätte sie um zwei Meter schmäler werden müssen, was für die Organisatoren bedeutet hätte, dasssich die Spiele nicht mehr rentiert hätten beziehungsweise gar nicht finanzierbar geworden wären. „Das sind so im Hintergrund die Beweggründe, warum man da bis zum letzten Moment zittert und bangt“, so eine erleichterte Berta Berthold im Nachhinein.
Wenn auch das Wetter nicht bei allen Aufführungen mitspielte, so standen doch der Genuss und der Eindruck eines einzigartigen Theatererlebnisses bei den Zuschauern im Vordergrund. Viele Besucher kamen aber schon voll bepackt mit Decken und Regenjacken, so dass sie für alle Eventualitäten gerüstet waren.
Und in der Pause verkaufte sich am Weinstand der heiße Glühmost bestens. Drei Jahre müssen die Freunde der Steiner Spiele nun warten, ehe an Pfingsten 2012 die nächste Aufführung in Stein über die Bühne gehen wird.
Das Theaterchen „O“ führt die Steiner Spiele seit 1987 auf. Doch die Geschichte um den Ritter Heinz vom Stein wurde schon viel früher gespielt und aufgeführt. Im Jahr 1782 veröffentlichte der ehemalige Jesuit und vielseitige Publizist Lorenz Hübner in München sein vaterländisches Trauerspiel „Heinz von Stein der Wilder“, das sich auf die mündlich überlieferte Sage vom Raubritter stützte. Auch ein historisches Ballett zum Thema gab es, das Franz Gleißner im Jahr 1790 mit vereinfachter Handlung schrieb. Zahlreiche weitere Geschichten und Theateraufführungen über den Ritter folgten, die die Geschichte teils mit völlig anderem Inhalt wiedergaben.
Steiner Spiele: großartiger Erfolg
Stein/Traun (mix). Die Steiner Spiele waren trotz so mancher Regentropfen für die Veranstalter, das Traunreuter Theaterchen „O“, ein großartiger Erfolg. Die Veranstaltungen waren ausverkauft und die langen Monate mühsamer Vorbereitung wurden mit der grenzenlosen Begeisterung der Zuschauer belohnt.
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