Starke Frauen in der Kirche

Traunstein (gi). Zwölf Organisationen aus dem Landkreis beteiligten sich am 17. Internationalen Frauentag im Großen Rathaussaal in Traunstein – erstmals waren heuer die Frauenabteilung des VdK sowie die Frauenbeauftragte der Agentur für Arbeit dabei. Das Thema lautete – ebenso wie die derzeitige Ausstellung in der Alten Wache – „fromm-politisch-unbequem“ über evangelische Frauen des 20. Jahrhunderts in Bayern. Nicht nur viele Frauen aller Altersschichten waren gekommen, sondern auch wenige Männer, unter ihnen Oberbürgermeister Manfred Kösterke.
Die Referentinnen (von links) Irene Stuiber, Margret Winnichner, Sigrid Schneider-Grube und Dr, Waltraud Deckelmann mit Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke. Foto: gi
Wie immer waren Amnesty International, die Frauenunion, die SPD-Frauen, Bündnis 90/ Die Grünen, DGB-Frauen, Frauenkreis „Miriam“ Trostberg, Katholische Frauengemeinschaft, Deutscher Katholischer Frauenbund, die Frauenvertretung des evangelischen Dekanats Traunstein sowie der Club Soroptimist vertreten.

Margret Winnichner, von Beginn an Hauptorganisatorin des Frauentags in Traunstein, stellte in ihrer Einführung die 1901 in Traunstein geborene Antonie Nopitsch heraus. Sie ist eine der 20 „frommen und unbequemen“ Frauen, die in der Wanderausstellung, die seit zwei Jahren in ganz Bayern gezeigt wird, vorgestellt wird. Nopitsch gründete 1933 mit anderen den Bayerischen Mütterdienst, eine soziale Einrichtung für Mütterschulung und Frauenbildung. Mit Elly Heuss-Knapp war sie Mitinitiatorin des Deutschen Müttergenesungswerks und von 1950 bis ’65 erste Geschäftsführerin, darüberhinaus engagiert für die Mitwirkung von Frauen in der Kirche und für Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene.

Auch die drei Referentinnen des Abends befassten sich mit „starken Frauen“, die im Widerstand während der Hitler-Diktatur mitwirkten oder sich gegen falsche Zustände in der Gesellschaft einsetzten. Die Kirchenhistorikerin Irene Stuiber berichtete vom Leben mutiger Schweizer Frauen, die aktiv im deutschen Widerstand gegen die Nazis mitwirkten, so die 1908 geborene Mascha Öttli, die die Frauenarbeit in der Schweiz durch Schulungskurse vorantrieb, Pionierarbeit für das Frauenstimm- und Wahlrecht (in der Schweiz erst 1971 eingeführt) leistete und auf internationaler Ebene Kontakte mit Sozialdemokratinnen hielt.

Stark im Widerstand organisiert waren auch die 1919 in Wien geborene Hilda Monte und die 1896 geborene Erna Blencke, die wegen ihrer politischen Orientierung 1933 aus dem Schuldienst in Hannover entlassen wurde und 1938 nach England fliehen musste. Jeweils unterbrochen von der großartigen Saxophon-Frauenband „Pentasax“ aus Mühldorf sprach im Anschluss Sigrid Schneider-Grube. Sie ist eine der Frauen aus dem Arbeitskreis Frauenkirchengeschichte der Frauengleichstellungsstelle der Ev.-Luth. Kirche in Bayern“, die die Ausstellung in der Alten Wache mitkonzipiert und umgesetzt hatte. Sie stellte besonders die mutige Pfarrfrau Klementine Lipffert (1889 bis 1966) vor, die lange in Oberbayern lebte. Wegen ihrer jüdischen Vorfahren und unvorsichtiger regimekritischer Bemerkungen mussten sie und ihr Mann Partenkirchen verlassen, woraufhin er als Pfarrer nach Himmelskron, eine große Behinderteneinrichtung der Diakonie, versetzt wurde. Trotz Verbotes engagierte sie sich weiter und konnte unter anderem drei Frauen vor der Deportation retten.

Über Vertreterinnnen „starker Frauen“ in der katholischen Kirche sprach Dr. Waltraud Deckelmann, Landesvorsitzende des katholischen Frauenbundes, unter anderem über Schwester Lea Ackermann, die sich seit Jahrzehnten gegen den Frauenhandel einsetzt. Die von ihr ins Leben gerufene Organisation „Solwodi“ (Solidarity with Women in Distress) hilft Opfern durch ganzheitliche Beratung sowie bei der Rückkehr in ihre Heimatländer. Im Anschluss hatten alle Besucher bei einem liebevoll zubereiteten Büfett die Möglichkeit, die Themen weiter zu diskutieren.
Artikel vom 10.03.10
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