Stadion-Deal die „Ideallösung“

Burghausen. In die Zukunft des Fußball-Drittligisten SV Wacker Burghausen kommt Bewegung: Zum einen kauft die Stadt für 1,5 Millionen Euro in Erbpacht das Fußballstadion des SV Wacker. Zum anderen hat Burghausens „Mister Fußball“, Bürgermeister Hans Steindl, seinen Abschied als Präsident der Fußball-GmbH angekündigt – und mit dem Gerücht aufgeräumt, er wolle mit dem Stadionkauf nur sein Amt als Präsident stärken. Nach Informationen Ihrer Lokalzeitung soll der Burghauser SPD-Stadtrat Klaus Schultheiß, der im SVW-Präsidium einer von Steindls Stellvertretern ist, ein heißer Nachfolgekandidat für das Präsidentenamt sein.
Burghausens „Mister Fußball“: Bürgermeister Hans Steindl bringt den Drittligisten mit dem Stadionkauf in ruhigeres Fahrwasser. Foto: Christian Butzhammer
In der Fußballstadt Burghausen brodelte zuletzt die Gerüchteküche. Der Grund: In Zeiten, in denen die Kommunen mit knappen Finanzen zu kämpfen haben, entschließt sich die Salzachstadt zu einem spektakulären Schritt und erwirbt für 1,5 Millionen Euro in Erbpacht das Fußballstadion des SV Wacker.

Kommt die Stadt damit dem Chemiekonzern entgegen? Einige Stadträte sehen das so. Man wolle der Firma das von ihr wenig geliebte Stadion abnehmen und damit ein Zeichen der Verbundenheit mit dem größten Steuerzahler setzen.

Es gibt aber auch eine andere Variante über die gesprochen wird: Fußballfan Steindl wolledamit sein Amt als Präsident der Fußball-GmbH stärken. Die Gerüchte klingen plausibel: Während andere Städte Freizeiteinrichtungen wie Eishallen oder Freibäder schließen müssen, weil das Geld hinten und vorne nicht reicht, leistet sich die Chemiestadt Burghausen das Drittligastadion des SV Wacker. Die Anlage, die bisher dem Chemiekonzern Wacker gehörte, will Steindl nun dem Verein bis 2014 kostenlos zur Verfügung stellen. Mit der bisherigen Stadionmiete von rund 300 000 Euro pro Jahr hätte die Burghauser Fußball-GmbH ihren Etat nicht ausgleichen können. Damit wäre die Lizenz für den Profifußball auf der Kippe gestanden. Mit der jetzigen Lösung, so Steindl, sei der Profifußball in Burghausen zumindest finanziell wieder in ruhigem Fahrwasser.

Für Hans Steindl geht es mit der Stadionübernahme, bei der es sich um einen Erbbaupachtvertrag mit Wacker handelt, aber keineswegs nur um den Profifußball. Mit der Aktion sei vielmehr auch der Breitensportverein SV Wacker gerettet worden. Der Verein sei zu 100 Prozent Gesellschafter der Fußball GmbH. Wenn die GmbH insolvent geworden wäre, hätte dies erhebliche Auswirkungen auch für den Breitensportverein gehabt. Er hätte Schulden machen müssen und am Ende, so spekuliert Steindl, hätte dann vermutlich die Stadt den Verein retten müssen. Die jetzige Lösung, an der er selbst maßgeblich mitgewirkt habe, sei dagegen ein idealer Lösungsansatz, ist der Bürgermeister überzeugt.

Für die 1,5 Millionen Euro, die jetzt von der Stadt auf dem Umweg über die städtische Wirtschaftsbeteiligungsgesellschaft für die Erbpacht bis 2042 an die Wacker Chemie fließen, werde die Stadt Besitzer aller Einrichtungen rund um das Stadion, von der Flutlichtanlage über die Tribünen bis hin zu den VIP-Räumen, aber auch die teure Rasenheizungsanlage, die nie funktioniert hat und erneuert werden muss.

Das Stadion, das laut Steindl einen Wert von rund 5,5 Millionen Euro darstellt, sei schon bisher zu rund 70 Prozent von der Stadt finanziert gewesen. Jetzt kaufe man quasi die restlichen 30 Prozent. Grundstückseigentümer bleibe die Wacker-Chemie, die aber für die Zeit nach 2042 eine Fortsetzung des Pachtvertrages in Aussicht gestellt habe.

Direkt in den Profifußball fließt nach Steindls Aussage kein einziger Cent. Die Fußball- GmbH müsse sich aus ihren Einnahmen selbst finanzieren. Dies sei durch drastische Sparmaßnahmen – zu denen deutlich geringere Gehälter für Trainer und Spieler gehörten – möglich geworden.

Mit dem Abschluss des Stadion-Deals sieht Steindl seinen Auftrag als Präsident der Fussball-GmbH als erfüllt an. Im Mai oder Juni, so Steindl, werde er sein Amt zur Verfügung stellen. Mit dieser Ankündigung räumt der Burghauser Bürgermeister Gerüchte aus, die Stadt habe den Stadion-Deal nur gemacht, um ihn im Amt des Präsidenten zu stärken. „Für diesen Posten habe ich auf Dauer weder die Zeit noch die Nerven“, macht der Burghauser Bürgermeister deutlich.

Einhellig ist die Entscheidung für den Stadionkauf im Burghauser Stadtrat nicht gefallen. Einer der dagegen gestimmt hat ist CSU-Fraktionssprecher Paul Kokott. Auch wenn es anders dargestellt werde, sei der Stadionkauf letztlich eine Maßnahme zur Stützung des Profifußball in Burghausen. Und das sei für die Stadt keine Pflichtaufgabe. „Wir haben gerade die Bürger mehr belastet, indem wir die Gebühren für Wasser, Kanal, den Öffentlichen Personennahverkehr und die Eintrittspreise in die städtischen Bäder um zum Teil bis zu 110 Prozent erhöht haben, da passt es nicht ins Bild, dass wir 1,5 Millionen Euro für ein Fußballstadion ausgeben.“

Dass Wacker das Fußballstadion vorübergehend übernommen hatte, war nach Auskunft von Wacker-Pressesprecher Christof Bachmair eine Unterstützungsaktion des Konzerns für den Fußball in Burghausen. Die Übernahme des Stadions durch Wacker sei keine Geldanlage gewesen, sondern ein vorübergehender Support für den Verein. „Unsere Kernkompetenzen liegen nicht in der Vermietung von Immobilien, sondern in der Herstellung von Chemie- und Halbleiterprodukten“, machte der Wacker-Sprecher deutlich. Deshalb sei man bereit, das Stadion an die Stadt abzutreten. Der Vertrag liege fertig bei der Stadt Burghausen, sei aber noch nicht unterschrieben. „Jetzt ist die Stadt am Zug“, sagte Bachmair.
Artikel vom 13.03.10
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