Eigentlich stehen A Buena Vista nicht wirklich auf einer Bühne. Der Publikumsandrang ist riesig, die Zuhörer sitzen ganz nah an den Künstlern dran. Als spielte das Quartett im Wohnzimmer – so schaut’s eher aus; Musik mit Familienanschluss, der offene Kamin ist angeheizt, Kinder der Musiker wuseln durch den Raum. Vorab wurden kleine Rasseln im Raum verteilt, die ausgiebig genutzt werden. Im Hilgerhof klingt’s, als würden Myriaden von Grillen zirpen. Es ist Sommer.
Los geht’s mit dem Welthit des Buena Vista Social Clubs, „Chan Chan“ – und A Buena Vista haben ihr Publikum im Sack. Beim zweiten Stück wird mitgeklatscht, beim dritten mitgesungen. In der ersten Pause werden die vorderen Tische weggerückt, die entstehende Tanzfläche wird genutzt, erst vom Trompeter Mario „El Indio“ Hernandez und der Schwester des Percussionisten Christoph Burger, dann gibt’s kein Halten mehr. Zu kubanischen Rhythmen wiegen sich die Tänzer, als seien sie in Guantanamo, in Havanna, in Santiago aufgewachsen und nicht im Chiemgau.
Mit jeder Note, jedem Akkord bringen die Musiker Lebensfreude rüber, Leidenschaft und Herzlichkeit. Dass sich in der Hitze die Gitarren permanent verstimmen, stört niemanden mehr. Das verstärkt nur den Eindruck, dass hier genau die Musik gespielt wird, wie sie in den Straßen und Kneipen von Havanna zu hören ist. Aber dieser Eindruck wird den Musikern natürlich nicht gerecht. Burger beispielsweise war Meisterschüler von Changuito, Panga und Pepe Espinosa und trat unter anderem mit den Cuba Allstars auf. Hernandez ist derzeit der gefragteste Nachwuchsstar der kubanischen Latin Jazz Szene. Der Trompeter, Saxofonist und Percussionist spielte mit Irakere, Tony Perez und Wynton Marsalis. Mit seinem eigenen LatinQuintett veröffentlichte er mehrere CDs und spielte auf den größten internationalen Jazzfestivals. Sänger und Gitarrist Roberto Tey Acosta stammt aus Holguin, der Wiege des Son Cubano, und ist seit seiner Kindheit Musiker und Komponist.
Talent, Kompetenz, Glaubwürdigkeit, uneingeschränkte Identifikation mit der Musik und den Traditionen Kubas – hier kommt alles zusammen. Das spürt das Publikum, es lässt sich ein auf A Buena Vista, hundertprozentig. Dem kann sich keiner entziehen, keiner bleibt ruhig sitzen, alles ist in Bewegung. Die ehrenamtlichen Helfer im Hilgerhof bedienen ihre Gäste nicht nur, sie tänzeln die Getränke zu den Tischen, ganz entspannt, nichts geht zu Bruch, obwohl’s eng hergeht. Sehr eng.
So wie A Buena Vista ihre Lieder darbieten, wird aus jedem Ton deutlich: Die Künstler sind stolz auf ihre Kultur, ihre Musik. Die Freude, die sie daran haben, wollen sie teilen, sie schenken etwas aus ihrem Inneren. Mit „Dos Gardenias“, „De Camino a La Vereda“ und „Comandante Che Guevara“ bringen sie die Saiten in den Zuhörern zum Schwingen.
„Ich hab mir immer gewünscht, dass der Hilgerhof eine Begegnungsstätte wird“, erzählt Amalie Oberlechner, zuständig fürs Museum Hilgerhof. Versonnen schaut sie aufs tanzende Publikum. Ihrem Strahlen ist abzulesen, dass dieser Wunsch mit dem Auftritt von A Buena Vista seiner Erfüllung ein großes Stück näher gekommen ist. Vier Stunden haben die Zuschauer die Atmosphäre im Hilgerhof genossen. Sie kommen wieder.
Sommer in den Hilgerhof gebracht
Pittenhart (fal). Es ist 25 Grad warm. Mindestens. Lateinamerikanische Rhythmen, Salsa, Rumba, Son, Cha Cha Cha. Es ist heiß – und draußen schneit’s. Und schon? Havanna Club im Hilgerhof ist angesagt – nur ohne Zigarrenqualm. Auf der Bühne stehen vier Musiker – drei Kubaner und einer aus Pittenhart, der viele Jahre in Kuba gelebt hat. A Buena Vista heißt das Bandprojekt und der Anklang an den Buena Vista Social Club ist gerechtfertigt. Die Musiker haben mit der alten Riege kubanischer Künstler zusammengearbeitet, sie sind die neue Generation, die die Tradition hochhält.
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