Seit 35 Jahren: Dampfdreschen im Museum

Kirchanschöring (al) Franz Huber, dem Besitzer des Bauernmuseums in Hof bei Kirchanschöring, kann man gratulieren. Das Dampfdreschen, das er seit 35 Jahren jeweils im August veranstaltet, war auch dieses Mal wieder ein großer Erfolg. Das Dreschen hat in den Jahren nichts von seinem Charme verloren und ist jetzt womöglich noch beliebter als zu Anfang. Heuer hatte Huber zudem großes Glück mit dem Wetter, denn der Dreschtag war eingerahmt von Tagen mit schwerem Regen.
Das Bandweben an dem kleinen Handwebstuhl erregte das Interesse dieser drei Damen. Rechts: „Was für ein Glück mit dem Wetter wir haben“, scheint diese Frau hoch auf der Dreschmaschine zu sagen, während sie auf die nächste Garbe Getreide wartet. Fotos: al
Neben den wie immer interessanten Vorführungen und Ausstellungen im Museum war das vielleicht auch einer der Gründe, warum die Besucher schon lange vor dem offiziellen Beginn des Dreschens um 13 Uhr in großen Scharen auf das Gelände kamen.

Mehrere der an der Veranstaltung Beteiligte, wie der Nagelschmied, der Brunnenrohrbohrer, der Korbflechter und der Strohmattenmacher, waren schon fest am Werk, als Huber, pünktlich um 13 Uhr etwas Dampf aus dem vorgeheizten Kessel des Dreschers aus dem Jahr 1910 abließ. Schrill pfeifend signalisierte der den Beginn des Dreschens.

Während viele der Älteren unter den Zuschauern sich sicher noch an die Zeit erinnern, als die Dreschmaschinen von Hof zu Hof zogen und die Nachbarn einander bei der staubigen Arbeit des Dreschens halfen, ist dies für die Jüngeren eine Erfahrung, die sie nur noch aus Erzählungen kennen würden, wenn es dieses Dampfdreschen nicht gäbe. Das Dreschen war damals fast eine kommunale Angelegenheit und fast immer mit viel Fröhlichkeit, Kameraderie und guter Bewirtung für die Helfer verbunden.

In dieser Hinsicht steht das Dampfdreschen in Hof denen von Anno Dazumal in Nichts nach. Denn auch hier wird ein Fest daraus gemacht und im Gegensatz zu damals ist es nicht Arbeit, sondern pure Unterhaltung. Die Musik spielt, es gibt gutes Essen und die Fröhlichkeit und Kameraderie stellen sich wie von selbst ein an diesem Nachmittag.

Viel Spaß gibt es für die Kinder, die bei vielerlei der alten Handwerksarbeiten an diesem Tag selbst mitmachen können. Da darf einer die eiserne Stange, aus der Nägel geschmiedet werden, in das Feuer halten und jemand darf die Kurbel drehen, mit der ein Strick gewunden wird.

Andere hobeln fleißig eine hölzerne Stange aus, um daraus Dachrinnen zu formen und weitere drehen einen langen Bohrer, um ein hölzernes Brunnenrohr zu fertigen. Nur noch wenige wissen, dass die Schilf- oder Strohmatten, die hier gemacht werden, früher an die Zimmerdecken genagelt wurden, um dem Putz Halt zu geben, weil der nicht am blanken Holz angebracht werden konnte.

Neben dem Dampfdreschen werden auch noch andere, noch ältere Methoden des Teilens der Getreidekörner vom Stroh und Spreu vorgeführt. Eine der alten Dreschmaschinen wird von einem im Kreis gehenden Pferd angetrieben und ein Fuhrwerkswagen dient als kleine Tenne, auf der im Kreis stehende Burschen mit Dreschflegeln die Körner aus den Ähren dreschen. Das ist sogar eine recht melodische Angelegenheit, denn der Takt, von den Dreschflegeln vorgegeben, kann sogar als Takt für die Musik genommen werden, wie ein Metronom.

Natürlich standen auch die weiteren Ausstellungen des Museums für die Besucher offen, die der alten Traktoren, Maschinen und der Werkzeuge die heute manchmal so idyllisch oder urig aussehen, aber zu Großvaters Zeiten durchaus ihren Platz im alltäglichen Leben hatten. Kann gut sein, dass so viele Besucher, auch von außerhalb der Gemeindegrenzen Kirchanschörings zum Dampfdreschen kommen, weil es nur noch wenige wie die Huber-Familie gibt, die die alten Bräuche und Arbeitsweisen so lebendig und praxisnah präsentieren und damit auch einen Kontrapunkt setzen zur Hast und zum Stress in der heutigen Zeit.
Artikel vom 31.08.10
Weiterempfehlen Drucken