Schließung der „Ladybar“ ein großer Verlust

Stein a. d. Traun (mix). Seit neun Jahren versuchten die Organisatoren der Steiner Literatur- und Medienwoche, die Biermösl-Blosn für einen Auftritt zu gewinnen. Dieses Jahr hat es endlich geklappt, und die drei Well-Brüder sorgten dafür, dass die Besucher in der voll besetzten Aula restlos begeistert waren.
Die „Biermösl-Blosn“ bescherte den Besuchern in der Aula der Schule Schloss Stein einen lustigen und abwechslungsreichen Abend – und spannte die Promis in der ersten Reihe, wie Schulleiter Sebastian Ziegler, gleich in bedeutender Rolle in das musikalische Geschehen ein, was diese dann auch elegant erledigten. Der Alphorn-Sound konnte sich so optimal entfalten. Fotos: mix
Christoph (Stofferl), Michael und Hans Well von der 17-köpfigen Wellfamilie aus Günzlkofen bei Fürstenfeldbruck sind als „Biermösl-Blosn“ inzwischen seit 30 Jahren auf der Bühne und stellten am Freitag in Stein erfreut fest: „Unser Publikum wird wie wir auch immer älter. Da ist es schön, wenn wir mal in einer Schule spielen können, das drückt den Altersdurchschnitt der Zuhörer doch ganz erheblich.“

Ob die Schüler der Schule Schloss Stein, die ja nicht nur aus der Region kommen, sondern aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland, die Texte in bayerischem Dialekt alle verstehen, bekümmerte die drei nicht sonderlich. Sie meinten nur gleich zu Beginn: „Wer scho des erste Liad ned versteht, für den is der weitere Verlauf des Abends eigentlich sinnlos.“

Eine Besonderheit im Programm der „Biermösl-Blosn“, das ständig durch das Einstreuen von aktuellen Neuigkeiten und Begebenheiten aufgepeppt wurde, ist es, dass auch immer Anspielungen auf die Verhältnisse vor Ort darin vorkommen. So wussten die Well-Brüder beispielsweise, dass in Traunreut „ein leerer Zug nach nirgendwo“ abfährt und dass die Schließung der „Ladybar“ in Stein für die Schule ein großer Verlust ist, da dort „so mancher Schüler wichtige Erfahrungen fürs Leben sammeln konnte“.

Überhaupt befürchten die Drei, dass sich nach dem Kauf der Schweizer CD durch den deutschen Finanzminister vielleicht einige Eltern das Internat in Stein gar nicht mehr leisten können. Eine Hoffnung bleibt dem Schulleiter allerdings noch: Der Sohn von Horst Seehofer hat dort ja vor wenigen Jahren sein Abitur gemacht, „und wos ma so hert, kimmt da ja no wos noch“.

Die „Biermösl-Blosn“ ist seit 30 Jahren bekannt für freche, kritische, satirisch-politische Texte und hielt auch in Stein damit nicht hinter dem Berg. So nahmen sie auch die Gesundheitsreform kritisch unter die Lupe und malten ein Horrorszenario, wenn sich künftig bei einem Unfall die Rettungskräfte um den Verunfallten streiten und nicht einigen können, so dass dieser sich schließlich mit letzter Kraft und selber mit einem Taxi in die Klinik retten muss. Dort verliert er zunehmend Blut, während er in einer langwierigen Aktion erst einmal tausend bürokratische Fragen beantworten muss. Wenn er schließlich grade noch hauchen kann, dass er Privatpatient ist, eilt sofort der Chefarzt höchstpersönlich herbei, der allerdings fachlich nicht unbedingt der Beste und es somit endgültig um den Patienten geschehen ist.

Eine neue Kärnten-Hymne gaben die drei Musiker zum Besten, in der die österreichischen Nachbarn ihren großen Dank ausdrücken gegenüber den hilfsbereiten, aber auch blauäugigen Bayern und vor allem der bayerischen Landesbank. In den Klingelbeutel, den Michael Well daraufhin zugunsten der Landesbank durch die Reihen gehen ließ, wurde jedoch nichts eingeworfen.

Immer wieder gerne greifen die Brüder auch das Thema ihrer alten Feindschaft mit einer berühmten Brauerei auf. Auf eine Beschwerde dieser Brauerei hin hätten sie in aller Freundschaft drei neue Textversionen ihres Liedes vom Kopfwehbier präsentiert, doch leider habe keine davon Gefallen gefunden. Das Ganze gipfelte darin, dass sogar die Schnecken sich angeblich über das Gebräu in der Bierfalle beschwerten und laut Stofferl Well meinten: „Wenn mir scho verrecken solln, dann doch bitte wenigstens mit am Augustiner Bräu!“

Eine ganze Reihe wichtiger und richtiger Bauernregeln, die Beschreibung einer typischen Bürgerversammlung, in der der Bevölkerung schließlich mit Freibier und Leberkas der Sendemast im Ort schmackhaft gemacht wird, und die von den Wellbrüdern komponierte Filmmusik zum Hollywoodfilm über den Braunbären Bruno waren weitere Höhepunkte in dem rasanten Programm.

Neben ihren Texten mit feinsinnigem Humor und Witz begeisterten die drei vor allem auch mit ihrer unglaublichen Musikalität. Eine schier unüberschaubare Anzahl an verschiedenen Instrumenten war auf der ganzen Bühne verteilt und alle drei beherrschten jedes einzelne davon meisterlich.

Die legeren und sympathischen Brüder Well sagten in einem Gespräch mit Ihrer Lokalzeitung, dass ihnen die Idee der Steiner Literatur- und Medienwoche sehr gut gefalle. Schließlich sei es wichtig, die jungen Menschen an Literatur und auch ans Kabarett heran zu führen und ihnen einmal die Möglichkeit zu geben, echte Autoren oder eben auch Kabarettisten live zu erleben.
Artikel vom 08.02.10
Weiterempfehlen Drucken