ÖBK: „Lösung mit Mehrwert“

Berchtesgadener Land. Die Österreichisch-Bayerische Kraftwerks-AG (ÖBK) will bei Surheim im Freilassinger Becken der Salzach einen neuartigen Kraftwerkstyp bauen. Das Kraftwerk soll ausreichen, um 26 000 Haushalte mit Strom zu versorgen.
So könnte das neuartige Kraftwerk im Freilassinger Becken der Salzach, kombiniert mit einer Brücke für Radfahrer und Fußgänger, einmal aussehen.
Weil die Salzachsanierung im Freilassinger Becken kein Kraftwerk vorsieht und die Sanierung überdies ins Stocken geraten ist, geht die ÖBK nun mit einem „Lösungsvorschlag mit Mehrwert“ an die Öffentlichkeit. Ihr Vorschlag kombiniert Lösungen zur Erreichung der Sanierungsziele mit der umweltfreundlichen Erzeugung von Strom aus Wasserkraft.

Wesentliche Ziele der erforderlichen Salzachsanierung sind die Stabilisierung der bereits stark eingetieften Flusssohle, der Schutz des Augebietes vor Austrocknung sowie die Verbesserung der ökologischen Gesamtbilanz. „Wir haben die Rahmenbedingungen genau analysiert. Oberste Priorität hatte dabei die unbestritten notwendige Salzachsanierung. Zusätzlich zur Stabilisierung der Salzach wird erneuerbare Energie aus Wasserkraft der Salzach für die Region erzeugt“, beschreibt Herfried Harreiter, technischer Vorstand der ÖBK, den Vorschlag.

Johann Strobel, kaufmännischer ÖBK-Vorstand ergänzt: „Mit der Realisierung können die Ziele der Salzachsanierung vollständig erreicht werden – mit privatwirtschaftlichen Mitteln. Dass etwas getan werden muss, ist bekannt. Einen Eingriff wird es in jedem Falle geben müssen. Unser Vorschlag ist eine Salzachsanierung mit Mehrwert für die Natur, die Energiewende und die Region.“

Allerdings kann die ÖBK ihre Ziele nur verwirklichen, wenn die österreichische und die bayerische Politik dabei an einem Strang ziehen. Die planungsrechtlichen Hürden sind hoch. In Österreich wäre eine Umweltverträglichkeitsprüfung, in Bayern ein Planfeststellungsverfahren erforderlich. Auf beiden Seiten der Salzach sind entsprechende Verfahren bis dato nicht eingeleitet. Allerdings gibt es gerade auf bayerischer Seite immer wieder starke Signale von Seiten der Kommunalpolitik, dass im Freilassinger Becken ein Wasserkraftwerk gebaut werden sollte.Der deutsche Bund Naturschutz und der österreichische Naturschutzbund sprechen sich entschieden gegen das geplante Kraftwerk aus. „Das ist auch nur ein grün angestrichenes Kraftwerk“, sagt Dr. Hannes Augustin, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Salzburg.

„Die Salzach ist der einzige Fluss in der Region, der auf 60 Kilometern Länge zumindest in Querrichtung unverbaut ist — die untere Salzach muss in diesem Zustand erhalten bleiben“, sagt Augustin. Aus seiner Sicht könnten mit einem Kraftwerksbau weder die Sanierungsziele erreicht werden, noch bestehe die Möglichkeit die bisher angedachten Sanierungsmaßnahmen durchzuführen.Ihr Lösungsvorschlag zeichne sich dadurch aus, dass die Salzachsanierung mit der Erzeugung von Strom aus Wasserkraft kombiniert würde, wirbt die ÖBK. Ein für das Freilassinger Becken maßgeschneidertes Konzept würde sicher stellen, dass diese Energieerzeugung ohne die Errichtung herkömmlicher Bauten auskommt. Kompakte und bewegliche über- und unterströmte Erzeugungsmodule im Fluss, in denen sich sowohl Turbine als auch Generator befinden, würden ausreichen. Dadurch würde sich die Energiegewinnung auch optisch den Sanierungszielen unterordnen.

Vorrangige Sanierungsziele sind die Lösung des Geschiebetransports und ein aktives Geschiebemanagement. Die beweglichen Erzeugungsmodule böten laut ÖBK dem Geschiebe ebenso wie bodennahen Lebewesen ausreichend Bewegungsmöglichkeit, vor allem flussabwärts. So könnte der weiteren Eintiefung der Salzach zusätzlich auch unterhalb des vorgeschlagenen Standorts entgegengewirkt werden. Maßnahmen zur Passierbarkeit würden sicher stellen, dass Fische, zum Beispiel der Huchen, nicht in ihrer Wanderung behindert werden. Zudem würde die Anbindung der Salzach an Auen und Nebengewässer positiv auf die Grundwasserverhältnisse und die Verbesserung des Auenökosystems wirken. Neben ökologischen Aspekten seien die Bedürfnisse der Region in den Lösungsvorschlag eingearbeitet worden. Eine kombinierte Rad- und Fußgängerbrücke solle das österreichische und bayerische Ufer verbinden und den Erholungswert des Gebietes steigern. Die vorgesehenen Erzeugungsmodule würden pro Jahr bis zu 90 Millionen Kilowattstunden Strom – ausreichend für rund 26 000 Haushalte – erzeugen, der in die regionalen Stromnetze in Bayern und Salzburg eingespeist werden soll. „Sollte der Vorschlag der ÖBK angenommen werden ist angedacht, Partner aus der Region an dem Projekt zu beteiligen“, schreibt die ÖBK abschließend.
Artikel vom 28.01.12
Weiterempfehlen Drucken