Mutter und Sohn ermordet

Von Paul Winterer
Rosenheim. Die Einführung des neuen Präsidenten beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim war gestern überschattet von einer grausamen Tat. Die geschah nur unweit der Feierstunde im Kur- und Kongresszentrum nahe des Brückenbergs. Im Keller eines Mehrfamilienhauses wurden die Leichen eines gerade einmal drei Jahre alten Buben und seiner Mutter gefunden – beide gewaltsam getötet. Eine Sonderkommission jagt den Mörder.
In diesem Haus in der Hochgernstraße direkt am Brückenberg in Rosenheim geschah die grausame Tat. Foto: dpa
Der Täter muss mit großer Brutalität, ja mit menschenverachtender Rohheit vorgegangen sein: Selbst hartgesottene Polizeibeamte waren erschüttert, als sie im Keller des Rosenheimer Wohnhauses in der Hochgernstraße die Leichen eines Kindes und seiner Mutter fanden: Der dreijährige Bub war erhängt worden, die Mutter lag erschlagen daneben. Ein Doppelmord erschüttert die Menschen in der rund 60 000 Einwohner zählenden Stadt. Gesucht wird der getrenntlebende Mann der 37-Jährigen. Von dem ebenfalls in Rosenheim wohnenden 48-Jährigen fehlte gestern jede Spur.

Seit gestern fahndet eine Sonderkommission der Kripo nach dem Mann. Die Polizei richtete eine Sonderkommission „Hochgern“ mit 25 Mitarbeitern ein – benannt nach der Straße, in der das Verbrechen geschah. Es sei von einem zweifachen Tötungsdelikt auszugehen. Die beiden Leichen waren am späten Montagnachmittag entdeckt worden. Ein Anrufer hatte die Polizei über „verdächtige Vorkommnisse“ im Keller des Hauses informiert. Die beiden Opfer wurden inzwischen in der Münchner Rechtsmedizin obduziert. „Ein Ergebnis liegt uns aber noch nicht vor“, sagte ein Sprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim gestern, „Details daraus werden nicht veröffentlicht.“

Wie es hieß, war die 37-Jährige in zweiter Ehe verheiratet. Der Dreijährige soll aus dieser Verbindung stammen. Aus ihrer ersten Ehe hat die Frau eine 16-jährige Tochter und einen halbwüchsigen Sohn, wie weiter bekanntwurde. Bei dem gesuchten Mann handelt es sich nach nicht von den Ermittlern bestätigten Informationen um einen in Rumänien geborenen Deutschen.

Zunächst war befürchtet worden, der Täter könne auch den beiden anderen Kindern der getöteten Frau etwas angetan haben. Doch stellte sich rasch heraus, dass das Mädchen und der Bub wohlbehalten bei Familienangehörigen sind. Sie sollen sich bei Verwandten in Rumänien aufhalten. Über das Motiv der Tat wurde gestern zwar viel spekuliert. So war von familiären Problemen die Rede. Bei der Polizei hieß es aber lediglich: „Erst brauchen wir einen Tatverdächtigen, dann können wir über ein Motiv sprechen.“

Das Verbrechen geschah in einem unscheinbaren vierstöckigen Haus. In dem schmucklosen Gebäude mit betonierten Balkonen wohnen offensichtlich mehrere ausländische Familien. Darunter liegen eine Apotheke und mehrere Geschäfte, gegenüber eine Spielothek und ein Drogeriemarkt. Die Namensschilder an der Klingelanlage waren am Tag nach dem grausigen Verbrechen mit Zeitungspapier verdeckt. Der zweifache Mord überschattete die Verabschiedung des Rosenheimer Polizeipräsidenten Franz Mayer und die Amtseinführung seines Nachfolgers Robert Heimberger durch Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Beamte zeigten sich verärgert darüber, dass durchsickerte, auf welch grausame Weise der Dreijährige umgebracht wurde. „Das ist Täterwissen“, sagte ein sichtlich genervter Polizist.
Artikel vom 01.09.10
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