Mit Drehstart kam das Chaos auf die Burg

Burghausen (rp). Pünktlich mit dem Start der Dreharbeiten für den 3-D-Film „Die drei Musketiere“ ist das Chaos auf der Burghauser Burg eingezogen. Kleinbusse mit den Komparsen und Luxuslimousinen mit den Stars drängen sich auf der engen Zufahrtsstraße, dazwischen Transporter die immer noch Technik an das Set auf dem Waffenplatz bringen. Helfer führen die Pferde für die Musketiere und andere Filmhelden vom Curaplatz am Anfang der Burg zum Waffenplatz ganz hinten. Auch ein Ochsenpaar und ein Esel müssen den fast einen Kilometer langen Weg zu Fuß zurücklegen. Dazwischen wimmelt es von Menschen, deren einzige Beschäftigung offenbar im Telefonieren oder Funken besteht. Weil es kaum noch ein Durchkommen gibt, wird die Burg schon um 8 Uhr morgens nicht wie angekündigt ab dem Georgstor, sondern schon am Eingang gesperrt.
Wer viel Glück hatte, erhaschte gestern einen Blick auf den zu d’Artagnan umgestylten Logan Lerman (links). Fotos: rp
Für Schauspieler und Komparsen beginnt der Arbeitstag nicht auf der Burg, sondern in der Messehalle in der Berchtesgadener Straße. Bis an die Ränder füllen Kleiderständer die Halle. Hier müssen bis zu 200 Menschen binnen kürzester Zeit eingekleidet werden. Wer sein Kostüm hat, darf weiter in den Powder-Truck, da wird nicht nur gepudert, sondern auch gestylt. Dann bringen Kleinbusse die Darsteller zum Set auf die Burg.

Neben der Messehalle stehen fein säuberlich aufgereiht mindestens ein Dutzend Luxuswohnwagen. Hier warten die Stars auf ihren Einsatz. Rundherum herrscht geschäftigesTreiben, auch hier wird gefunkt und telefoniert. Fast ein Wunder, dass das Handynetz in Burghausen nicht zusammenbricht. Zwischen den Wohnwagen diskutiert Hollywood-Star Mads Mikkelsen mit einem Mann vom Stab. Mikkelsen spielt den Bösewicht Rochefort, trägt jetzt aber noch Zivil. Als er zurück in sein „Mobilehome“ – den Wohnwagen – will, erwischt er zunächst prompt das falsche Fahrzeug.

Auch Hauptdarsteller Logan Lerman befindet sich am Vormittag bei den Wohnmobilen. Er muss sich offenbar seinen Kaffee selbst aus der Messehalle holen. Das Leinenhemd, das er als d’Artagnan tragen wird, hat er bereits angezogen, darunter sind aber eine lange Sporthose und Turnschuhe zu sehen. Lerman und Mikkelsen haben noch Zeit, erst später werden die Schauspieler mit den von Audi gestellten silbernen A8-Limousinen zum Einsatzort befördert.

Nur Regisseur Paul Anderson will sich offenbar nicht im Einheitsgrau chauffieren lassen. Für ihn steht eine schwarze S-Klasse von Mercedes bereit. Dass den Burghausern hier noch Einblicke gewährt werden, merkt ein Mann aus dem Filmtross offenbar erst jetzt. „Go away“, faucht er die Neugierigen am Zaun an, der wenig später mit Planen blickdicht gemacht wird.

Am späten Vormittag wird die vollständige Burgsperre vorübergehend aufgehoben, der starke Pendelverkehr hat nachgelassen. Die Limousinen der Stars stehen aufgereiht vor der Theaterkakademie. Die letzten 150 Meter zum Set haben selbst die Promis zu Fuß zurücklegen müssen. Gedreht werden sollte gestern zunächst bis 16 Uhr, später war noch von einem möglichen Nachtdreh die Rede. Genaues war nicht zu erfahren, auch nicht darüber, wer von den Hauptdarstellern in Burghausen zu sehen sein wird. Milla Jovovich war am Montagmorgen nicht in Burghausen, angeblich wird sie aber nachkommen. Aber wer weiß das schon genau bei dem Chaos, das die Filmleute verbreiten?
Artikel vom 07.09.10
Weiterempfehlen Drucken