Malen in Bad Reichenhall statt Sonnen auf Mallorca

Von Kathrin Thoma-Bregar
Bad Reichenhall. Man kennt sie aus dem Fernsehen. Schwarze Robe, die Augen blicken streng über die Brille, die auf der Nasenspitze sitzt. Seit über zehn Jahren verhandelt „Richterin Barbara Salesch“ täglich auf Sat1 knallharte Strafrecht-Delikte: Diebstahl, unterlassene Hilfeleistung, Betrug und Nötigung. Privat schafft sich Salesch, die auch im „echten“ Leben Juristin ist, Ausgleich mit Malerei. Seit zwei Wochen bildet sie sich schon an der Kunstakademie Bad Reichenhall weiter.
Malen ist für Barbara Salesch mehr als ein Hobby. In der Kunstakademie Bad Reichenhall beschäftigt sie sich bei Dozent Jo Bukowski mit großformatiger Malerei. Foto: ktb
Beim Großformatigen Malen kann sich die quirlige 60-Jährige richtig austoben und künstlerisch weiterkommen. Lässig und in weiß bekleckerter Latzhose hat sie uns den Unterschied zwischen Realität und Fernsehen erklärt und was sie in ihrem „dritten Leben“ machen will.

Man kennt Sie als FernsehRichterin. Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Salesch: „Ich habe schon vor 20 Jahren angefangen, allerdings mit Bildhauerei. Wegen des Fernsehens habe ich dann eine Pause gemacht und bin erst letztes Jahr wieder eingestiegen, an der privaten Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter. Über meinen dortigen Dozenten bin ich nach Reichenhall gekommen und ganz begeistert. Sechs weitere Kurse habe ich schon gebucht. Mein nächstes Jahr wird also sehr Reichenhall-lastig sein.“

Sie sind schon die dritte Woche an der Kunstakademie, was haben Sie in der Zeit gelernt?

Salesch: „Wie man mit Großformaten umgeht. Bei Jo Bukowski malen wir auf dem Format drei mal zwei Meter. Das ist etwas ganz anderes als sich an 40 bis 50 Zentimeter ranzusetzen. Es muss übers ganze Bild gearbeitet werden, notfalls mit der Leiter.“

Was macht die Faszination des Malens aus?

Salesch: „Ich liebe Farben und Formen. Deswegen bin ich jetzt auch noch mit der Malerei eingestiegen. Es ist wunderbar, sich damit zu beschäftigen und das was man hinterher auf dem Bild sieht, hat viel mit einem selbst zu tun.“

Man kann Sie jeden Tag auf dem Bildschirm sehen, bleibt da überhaupt noch Zeit zum Malen?

Salesch: „Ich muss es mir jetzt gut einteilen. Aber wir drehen ja immer im Block, und in der freien Zeit dazwischen schwinge ich jetzt eben den Pinsel.“

Bevor Sie beim Fernsehen angefangen haben, waren sie Richterin am Landgericht Hamburg. Wo ist der Unterschied zwischen richtigen Verhandlungen und Fernsehaufzeichnungen?

Salesch: „Das sind zwei völlig verschiedene Berufe. Ich bringe natürlich meine ganze Erfahrung aus Hamburg mit, aber jetzt geht es um geschriebene Fälle. Ich versuche zwar, alles so real wie möglich zu machen, aber es muss natürlich Unterhaltung sein. Ich mache keine Fortbildung für Juristen, aber ich sage immer: Dümmer wird man nicht, wenn man meine Sendung guckt.“

Steht das Urteil vorher fest?

Salesch: „Nein, ich entscheide immer so, wie ich es in einem vergleichbaren echten Fall auch getan hätte.“

Ist Fernsehmachen auch Kunst?

Salesch: „Ja, es erfordert Kreativität, eine Verhandlung über die gesetzliche Lage hinaus unterhaltsam darzustellen. In meinem wirklichen Leben in Hamburg hatte ich zwar auch Presse hinten im Saal sitzen – ich habe ja 20 Jahre Strafrecht gemacht. Aber es diente nicht der Unterhaltung eines Publikums. Allerdings ist Malen eine individuelle Kunst, während das Fernsehmachen eher Teamarbeit ist.“

Was malen Sie?

Salesch: „Ja, wenn ich das selbst nur mal wüsste. Ich male abstrakt, aber immer irgendwelche Formen. Sie sind sehr kreatürlich und stellen meist Frauen dar. Wobei man sehr genau hinschauen muss, um in dem Kraftpaket eine Frau zu sehen.“

Haben sie die Bildhauerei komplett ad acta gelegt?

Salesch: „Ja, die habe ich im Moment mal auf die Seite gestellt. Dafür habe ich aktuell wirklich keine Zeit, die Vorbereitung für Bronze- oder Schweißarbeiten dauern zu lange. Ich habe schon früher immer die Maler bewundert, denn während wir noch auf dem Schrottplatz waren und Sachen abgesägt haben, haben die schon ausgestellt.“

Ihren Urlaub und die freie Zeit opfern sie vollständig der Kunst.

Salesch: „Ich muss nicht auf Mallorca am Strand liegen, Malen ist für mich der perfekte Ausgleich. Wenn ich den ganzen Tag hier in diesem herrlichen Atelier war, falle ich abends in meiner Ferienwohnung nur noch ins Bett, das reicht mir völlig. Und, wenn ich in Rente bin, will ich noch mehr malen und auch wieder Bildhauern. Ich habe immer gesagt, in meinem dritten Leben werde ich Künstlerin.“
Artikel vom 03.09.10
Weiterempfehlen Drucken