Keine Ausnahme für Radler

Trostberg (luh). Erneut war die beidseitige Befahrbarkeit der Trostberger Hauptstraße und des Vormarktes für Radfahrer Thema im Stadtrat. In der Verkehrsschau mit Behördenvertretern war die Möglichkeit, mit dem Rad entgegen der Einbahnstraße zu fahren, als zu gefährlich eingestuft geworden. Bürgermeister Karl Schleid wollte dieses Thema, das von der Fraktion der Grünen immer wieder aufs Tapet gebracht wird, abschließen. Bernd Paetzelt und seine Fraktionskollegen stimmten deshalb gegen das Protokoll.
Radfahren entgegen der Einbahnstraße: Viele tun es, die Polizei stuft es in der Hauptstraße aber als zu gefährlich ein. Foto: luh
Eigentlich hätte der Stadtrat nur das Protokoll der Verkehrsschau zur Kenntnis nehmen sollen. Im Beschlussvorschlag stand allerdings auch der Satz: „Mit den vorgesehenen Maßnahmen und Entscheidungen besteht Einverständnis.“ Dem wollte die Fraktion der Grünen nicht pauschal zustimmen. Denn im Protokoll war unter dem Punkt „Radverkehr entgegen der Einbahnstraße – Hauptstraße bis Vormarkt“ niedergeschrieben worden: „Der Vorschlag wurde wegen fehlender sicherheitsrechtlicher Aspekte abgelehnt. Sofern sich keine baulichen Änderungen ergeben, sind keine weiteren Anträge hierzu einzubringen.“

Die Grünen befürchten, dass damit der Status quo zementiert sei. Paetzelt: „Ich finde, wir sollten so etwas nicht am Grünen Tisch entscheiden, sondern vor Ort schauen, was wünschenswert ist und was getan werden kann.“ Bis zu der ohnehin geplanten Rad-Verkehrsschau im Frühjahr solle der Punkt noch offen bleiben, so Paetzelt. Bürgermeister Karl Schleid versicherte, dass das Protokoll nur den Ist-Zustand beschreibe und deswegen die Rad-Verkehrsschau nicht entfalle. Er stellte aber heraus, dass sich die ablehnende Haltung von Landratsamt und Polizei nur dann wandle, wenn die Situation in Hauptstraße und am Vormarkt baulich verändert werde.

Paetzelt entgegnete: „Die Gegebenheiten sind aber andere.“ Tagtäglich würden Bürger mit dem Rad entgegen der EinbahnRichtung fahren. „Ich radle auch vom Stadtmuseum zum ,Pfau‘.“ Andere Städte würden sich mehr bemühen, die Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt zu behandeln. „Es gäbe zum Beispiel die Möglichkeit, Radfahrer und Fußgänger auf dem Gehsteig zu mischen“, schlug der Grünen-Sprecher vor.

Dr. Birgit Seeholzer (CSU) stellte klar: „Wir haben in Trostberg hervorragende Radlwege; wir fangen nicht bei Null an.“ Sie betonte, dass der Stadtrat Verantwortung für die Radfahrer habe. Und: „Wir wollen auch eine Fußgänger-freundliche Stadt sein.“ Für Robert Liedl (SPD) steht fest: „Den Gehsteig zu befahren, das ist etwas, was nie kommen wird.“ Man könne nicht Radfahrer so weit bevorzugen, dass am Ende Fußgänger behindert werden. „Da fehlt es an Augenmaß“, so Liedl. Und sein Fraktionskollege Ernst Schilder befürchtete, dass eine beidseitige Befahrbarkeit Spannungen zwischen Rad- und Autofahrern beziehungsweise Fußgängern erzeugen würde.

Das Plenum segnete schließlich das Protokoll gegen die Stimmen der Grünen ab. Der Bürgermeister sagte auf Nachfrage Ihrer Lokalzeitung, dass der Punkt bei der Rad-Verkehrsschau zwar erneut behandelt werden könne. Aber er prognostiziert: „Das Ergebnis wird in diesem speziellen Fall nicht anders ausschauen.“
Artikel vom 27.01.12
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