„Kein unabänderliches Schicksal“

Trostberg (fam). „Das Leben im ländlichen Raum ist was ganz Tolles.“ Davon hat sich Agnes Krumwiede, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, beim Dreikönigstreffen des Trostberger Grünen-Ortsverbands am Montag im Postsaal-Gewölbe überzeugt gezeigt. Ihr Vortrag war mit „Entwicklung des ländlichen Raumes im Rahmen des demographischen Wandels“ betitelt – ein Thema, mit dem sich die Orts-Grünen laut deren Sprecher Wolfgang Schnell nicht zuletzt aufgrund von Berichten der Lokalzeitung über Trostbergs Stadtentwicklung – Abwandern und Schließen von Geschäften in der Innenstadt – und über die Veränderung der Altersstruktur in Städten und Gemeinden auseinandersetzen wollen.
Sichtlich angetan vom Vortrag Agnes Krumwiedes (Mitte) zeigten sich die Sprecher der Trostberger Grünen, Wolfgang Schnell und Marianne Penn. Foto: fam
Trostberg (fam). „Das Leben im ländlichen Raum ist was ganz Tolles.“ Davon hat sich Agnes Krumwiede, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, beim Dreikönigstreffen des Trostberger Grünen-Ortsverbands am Montag im Postsaal-Gewölbe überzeugt gezeigt. Ihr Vortrag war mit „Entwicklung des ländlichen Raumes im Rahmen des demographischen Wandels“ betitelt – ein Thema, mit dem sich die Orts-Grünen laut deren Sprecher Wolfgang Schnell nicht zuletzt aufgrund von Berichten der Lokalzeitung über Trostbergs Stadtentwicklung – Abwandern und Schließen von Geschäften in der Innenstadt – und über die Veränderung der Altersstruktur in Städten und Gemeinden auseinandersetzen wollen.

Krumwiede – seit Oktober 2009 kulturpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Obfrau im Ausschuss für Kultur und Medien sowie Parlamentarische Geschäftsführerin – zog in puncto Abwandern von Geschäften Parallelen zu Ingolstadt, das in ihrem Wahlkreis liegt: Kleine Geschäfte in der Innenstadt könnten sich wegen der Zentralisierung auf Discounter an Stadträndern nicht mehr halten. „Das ist ein großes, großes Problem und eine absolute Fehlplanung der Stadt.“

Wohnortnahe Angebote machten eine Kommune interessant, so Krumwiede weiter – auch für Jugendliche seien dezentrale Einrichtungen wichtig, für deren Besuch sie nicht auf ein Auto angewiesen sind. Das Leben im ländlichen Raum biete Vorteile: Nähe zur Natur, günstigen Wohnraum, familiäre Bindungen und soziale Netzwerke. Das Land biete Raum für Hobbys und wirtschaftliche Interessen. Die Attraktivität der Orte sei wichtig. Krumwiede nannte hier als Beispiele Grünflächen, einen Marktplatz und ein stimmiges Altstadtkonzept – „Lebensqualität als Glücksindikator“. Doch aufgrund der Zentralisierung drohe die Gefahr, dass junge Menschen den ländlichen Raum verlassen. „Die Jungen gehen fort, und die Älteren sind in ihrer Mobilität eingeschränkt.“ Das könne zur Vereinsamung der älteren Menschen führen.

Aber, so Krumwiede: „Dieses Szenario ist kein unabänderbares Schicksal.“ Eine Chance liege in Veränderung, und der Green New Deal sei der geeignete Wegbegleiter. Als kulturpolitische Sprecherin nahm sie besonders die Freizeit-Infrastruktur und die Kultur, vor allem eigene Kulturproduktionen vor Ort, ins Visier. Kulturangebot sei auch ein Wirtschaftsfaktor. Wo es ein vielfältiges Kulturangebot gibt, siedelten sich Firmen und Betriebe an, entstünden Anziehungspunkte für Tourismus und Gastronomie. Für Trostberg betrachtete Krumwiede besonders die Jugendkultur als relevant. „Im Schulalltag gibt es dafür nicht genügend Zeit.“ Künstlerische Betätigung brauche Freiraum und Räumlichkeiten. Und: „Kultur ist auch eine Prävention gegen Rechtsextremismus.“ Als „Grüne Finanzierungsmodelle“ für die Kulturszene schlug sie Kulturkredite über ein KfWProgramm – zinsvergünstigte Kommunalkredite – vor.

Um negative Auswirkungen des demographischen Wandels zu vermeiden, forderte Krumwiede ein neues und verstärktes soziales Miteinander. Mit Blick auf die niedrige Geburtenrate erklärte sie, dass sich Eltern immer mehr dazu entschlössen, zu einem späteren Zeitpunkt Kinder zu bekommen. Einen Grundsah sie im Fehlen von Kinderbetreuungsplätzen in Bildungseinrichtungen wie Universitäten sowie in Firmen und Betrieben. „Frauen wollen Karriere und Familie“, war sich Krumwiede sicher. Daher seien derartige Kinderbetreuungseinrichtungen wichtig. „Das ist einfach die Zukunft.“ Auch forderte sie mehr qualifizierte Tageseltern, Leihomas und -opas. „Das ist etwas, das mal viel mehr nutzen muss.“

Zu einem Klima des Miteinanders gehören nach Krumwiedes Meinung zudem Weiterbildungsmaßnahmen und Erwerbsmöglichkeiten im Rentenalter. Auch Mehrgenerationenhäuser, der Zugang zum Internet für alle durch Breitbandausbau und die Stärkung der Medienkompetenz älterer Menschen seien wichtig.


Artikel vom 11.01.12
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