Kein Spielcasino im leeren Stadtmarkt

Trostberg (luh). Mustafa Özdemir, der bereits das „Big Cash Casino“ am Vormarkt 31 in Trostberg betreibt, hat eine Nutzungsänderung für den ehemaligen Edeka-Stadtmarkt Bichlmeier an der Bahnhofstraße, der seit einem halben Jahr leer steht, beantragt. Die Stadträte im Bauausschuss haben die Nutzung als Spielcasino, Internet-Café, Eiscafé-Bar, Sport-TV-Lokal und Sonnenstudio abgelehnt.
Drei Jahre lang hatte Manfred Bichlmeier, der auch den EdekaMarkt in Mögling führt, den Stadtmarkt an der Ecke Bahnhofstraße/Gabelsbergerstraße unterhalten. Aber der Markt habe sich nicht gerechnet, wie er sagte: Zu gering sei der Wert eines durchschnittlichen Einkaufs gewesen, zu hoch die Verluste durch Ladendiebstahl. Im September vergangenen Jahres schloss der Lebensmittelmarkt seine Pforten.

Ende Dezember reichte Mustafa Özdemir einen Eingabeplan bei der Stadt ein, mit dem Ziel, 200 Quadratmeter der Ladenfläche als Spielcasino mit SportCafé zu nutzen, 112 Quadratmeter als Eiscafé-Bar, 48 Quadratmeter als Sport-TV-Lokal, 48 Quadratmeter als Sonnenstudio und 30 Quadratmeter als Internet-Café. Ein halbes Jahr davor hatte er die Erweiterung seiner bestehenden Spielhalle am Vormarkt 31 beantragt und vom Bauausschuss grünes Licht bekommen. Der Betreiber hätte lediglich die nötigen Stellplätze sichern und nachweisen müssen, dass von dem erweiterten Betrieb keine Belästigungen für das Wohnumfeld ausgehen. Bisher ist hier allerdings nichts passiert.

Bürgermeister Karl Schleid sagte in der jüngsten Bauausschusssitzung, dass die einzeln aufgelisteten Nutzungsabsichten für den Stadtmarkt nichts anderes seien, „als ein etwas verquer erklärtes Sielcasino über ganzen Raum“. Und: „Ich denke nicht, dass wir an dieser Stelle ein Casino brauchen.“ Er zeigte sich enttäuscht: „Wir hätten andere Nutzungsvorschläge gehabt; darüber haben wir auch mit dem Gebäudeeigentümer gesprochen.“ Dieser habe erklärt, aus dem ehemaligen Stadtmarkt werde ein Sonnenstudio. „Wenn ich mir die Quadratmeterzahlen im Antrag anschaue, ist das aber nicht mit Sonne überflutet“, bemerkte Schleid.

Das Baugrundstück liegt innerhalb des Bebauungsplanes „Schule im Alzbogen“, als bauliche Nutzung ist ein Mischgebiet festgesetzt. Die einzelnen Nutzungseinheiten mit gemeinsamen Toiletten, Personalräumen und Fluchtwegen seien baurechtlich nicht trennbar und somit als einheitliche Vergnügungsstätte zu werten, so Schleid. Eine Vergnügungsstätte dieser Größenordnung sei jedoch in einem Mischgebiet unzulässig. Auch die laut Satzung nötigen Stellplätze seien nicht nachgewiesen, ebenso wenig die Verträglichkeit der geplanten Nutzungen mit den angrenzenden Wohnungen. „Das Vorhaben ist also von der Bauform her nicht zulässig. Ich bin nicht unglücklich darüber“, so der Bürgermeister.

Auch Johannes Reinhold. (Grüne) sagte: „Ich bin froh, dass wir baurechtliche Mittel haben, das abzulehnen. Wir sollten die Ausweitung von Spielcasinos nicht weitergehen lassen.“ Für ihn sei es wünschenswert, wenn eine so große Fläche in der Innenstadt mehr Leute nutzen würden als nur die Casinobesucher.

Anton Zeitlmayr (SPD) stellte fest, dass der Spielcasino-Betreiber bereits einen Antrag auf Erweiterung seines bestehenden Ladens gestellt hatte. „Es ist mir schleierhaft, wieso er an anderer Stelle im Stadtgebiet wieder genau das Gleiche aufziehen will. Ich habe den Verdacht, dass man einfach Bauanträge stellt, nur um zu schauen, ob etwas geht.“ Zeitlmayr sagte außerdem, er könne sich nicht vorstellen, dass das Klientel so groß sei, dass sich zwei Spielcasinos rentieren. Luise Bernauer (CSU) meinte: „Leider schon.“

Der Bauausschuss stimmte schließlich unisono gegen die Nutzungsänderung.
Artikel vom 21.02.12
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