Roswitha Moderegger war zwölf Jahre alt, als ihre Großmutter begann, Merkwürdiges zu tun. „Sie spielte immer mit einer Puppe und konnte sich nicht mehr richtig anziehen.“ Diese Zeit habe sie sehr geprägt. „Und ich habe mich dafür geschämt.“ Ein beschreibendes Krankheitsbild habe es dafür damals noch nicht gegeben. Moderegger aber ließ das Thema nicht mehr los, sie ging in die Selbsthilfe, heute ist sie in der Aufklärung über die Krankheit stark engagiert, hält Vorträge, schult Mitarbeiter.
Auch beruflich war ihr Weg klar: Von der Kinderpflege ist sie in die Altenpflege gewechselt, heute arbeitet sie in der „Insula“ im beschützten Bereich. 21 Schwerstdemente sind dort untergebracht. „Läufer“ nennt sie Moderegger. Stünden die Türen offen, würden die Patienten immerzu weglaufen.
1,2 Millionen Demenzkranke gibt es in Deutschland. Laut aktuellem Demenz-Report sind es über 2000 Betroffene im Berchtesgadener Land, etwa 3500 imLandkreis Traunstein. Die Entwicklung kennt nur eine Richtung: nach oben. Roswitha Moderegger sagt, dass es bis zum Jahr 2030 etwa zwei Millionen Demente sein sollen – zwei Millionen Menschen, bei denen sukzessive die Hirnfunktionen nachlassen, bei denen der Alltag langsam verschwimmt, die Vergangenheit verschwindet.
Wenn sich die Prognosen wirklich bewahrheiten, müsse man sich überlegen, so Moderegger, wie man gesellschaftlich weiterverfahre. Denn Demente brauchen Hilfe, im Verlauf der Krankheit wachse der Bedarf deutlich. „Für Angehörige kann das ein anstrengender Prozess sein. Der Mensch, den man vorher noch kannte, verändert sich.“ Ein erstes Symptom, das der Betroffene selbst spürt, sei die Orientierungslosigkeit. „Die eigene Toilette im Haus nicht mehr zu finden, ist ein Anzeichen“, weiß Moderegger. Das Problem: „Viele Menschen wollen sich erste Krankheitszeichen nicht eingestehen, der Prozess ist schleichend. Viele reagieren mit aggressivem Verhalten. Denn sie merken, dass sie ihr Gedächtnis im Stich lässt. Dabei wäre es so wichtig, frühzeitig die Beratung aufzusuchen, die Diagnose abzuklären.“
Fakt ist: Die Gesellschaft wird zunehmend älter. Die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, wächst. Die Krankheit beginnt etwa 15 bis 20 Jahre, bevor die ersten Symptome auftauchen. Ist Demenz diagnostiziert, meist zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr, ist die Krankheit bereits unheilbar. Abgestorbene Nervenzellen bleiben unwiederbringlich verloren, das Gehirn schrumpft. Wirksame Medikamente gibt es keine. „Man kann nur die Symptome behandeln“, weiß Roswitha Moderegger. Angehörige kämen mit der Situation häufig nur schlecht zurecht: „Am Anfang ist noch das meiste weitestgehend normal, später wird der Patient immer vergesslicher, möchte immerzu das Gleiche.“ Die Folge: Einem Außenstehenden platzt der Kragen. „Wichtig ist, das Verhalten interpretieren zu können“, sagt Moderegger. Denn kein Wort aus dem Mund eines Demenzkranken sei unnütz. Jede unnötige Aufregung, jede plötzliche Stresssituation aber sei schlecht für die Krankheitsentwicklung. „Eine liebevolle Begleitung ist bei Demenzpatienten unglaublich wichtig.“
Geschichten, die die Hilflosigkeit der Betroffenen verdeutlichen, kennt Roswitha Moderegger aus den vielen Jahren ihrer Beratungstätigkeit viele. So betreute sie eine ältere, demente Dame, die noch mit ihrem Mann zusammen wohnte. Die Frau versuchte sich noch im Haushalt. Immer, wenn Moderegger um einen Kaffee bat, setzte ihr die Dame einen Tee auf. „Sie hatte es schlichtweg vergessen.“ Nach mehrmaligen Besuchen fand sich die Kaffeemaschinenicht mehr an ihrem angestammten Platz. Die Demenzkranke hatte sie im Badschrank versteckt. „Sie hatte eine Verbindung zu mir hergestellt und wollte so die Situation, das Kaffeekochen, umgehen.“
Roswitha Moderegger sagt, dass vor allem die Personenorientierung am längsten erhalten bleibt. Ein Patient wisse also selbst dann, wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist, wer er ist, wie er heißt. Anders sei es mit dem Partner. Da könne die Ehefrau plötzlich zur Unbekannten werden. Zehn bis zwölf Jahre dauere der Verlauf von Demenz. „Der Mensch verliert seine Fähigkeiten, verkennt Situationen, hat Wahrnehmungsstörungen. Ein Ziffernblatt mit Zahlen zu versehen, ist dann nicht mehr möglich. Die Zahlen werden überall verteilt – nur nicht an der richtigen Stelle. Sommer oder Winter? Auch auf diese Frage wissen Patienten keine oder nur noch mit Mühe Antwort.“ Das habe auch die ZDF-Dokumentation über den an Alzheimer erkrankten ehemaligen Fußball-Manager Rudi Assauer gezeigt. „Eine Zahnbürste kann dann schon mal zum Kamm werden“, so Moderegger. „Bei schweren Verläufen verlieren Gegenstände ihre komplette Bedeutung: Man muss es dem Patienten vormachen, dann begreift er wieder, dass man den Löffel zum Mund führen muss.“ Handlungsabläufe anzuleiten sei das A und O.
Zur häufigsten Todesursache bei Demenzerkrankten habe eine amerikanische Studie herausgefunden, dass die Menschen verhungern. Schluckstörungen plagen sie, sie verweigern das Essen. Häufig sei es dann eine Lungenentzündung oder eine gewöhnliche Grippe, die zum Tode führe. Die Demenz zu erkennen – das sei Herausforderung genug. „Medizinisch muss da viel mehr passieren“, weiß Moderegger. Vor allem müsse man es sich eingestehen, wenn es nicht mehr so geht, wie man das gerne hätte. Moderegger hat da eine Geschichte parat: „Mann und Frau, der Mann hatte Demenz, Autofahren war noch möglich. Allerdings fuhr die Frau immer mit, zur Sicherheit. Irgendwann war der Punkt erreicht, es ging nicht mehr. Der Frau fiel auf, dass eigentlich nur noch sie die Anweisungen gab, Blinker rechts, wir müssen nach links, Vorsicht, es kommt einer entgegen. Dann war klar, dass die Krankheit des Ehemanns zu weit fortgeschritten war, um selbstständig Auto zu fahren.“
Weitere Infos bei Roswitha Moderegger, Tel. 08652/978042.
Kampf dem Vergessen
Von Kilian Pfeiffer
Schönau am Königssee/Südostbayern. Das Vergessen kommt schleichend. Die Orientierung lässt nach. Und irgendwann erkennt der Betroffene den eigenen Partner nicht mehr. Roswitha Moderegger, Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Berchtesgadener Land und Traunstein, sagt: „Dass Rudi Assauer sich zu seiner Krankheit öffentlich bekannt hat, war gut.“ Das Outen sei keine einfache Sache – und trotzdem notwendig. Seit die Öffentlichkeit wieder einen prominenten Alzheimer-Fall hat, stehen bei Moderegger die Telefone nicht mehr still. „Es ist wichtig, aufzuklären und die Krankheit bekannt zu machen. Denn noch immer weiß kaum jemand darüber Bescheid.“
Schönau am Königssee/Südostbayern. Das Vergessen kommt schleichend. Die Orientierung lässt nach. Und irgendwann erkennt der Betroffene den eigenen Partner nicht mehr. Roswitha Moderegger, Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Berchtesgadener Land und Traunstein, sagt: „Dass Rudi Assauer sich zu seiner Krankheit öffentlich bekannt hat, war gut.“ Das Outen sei keine einfache Sache – und trotzdem notwendig. Seit die Öffentlichkeit wieder einen prominenten Alzheimer-Fall hat, stehen bei Moderegger die Telefone nicht mehr still. „Es ist wichtig, aufzuklären und die Krankheit bekannt zu machen. Denn noch immer weiß kaum jemand darüber Bescheid.“
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Coco als Orakel
Beagle "Coco", das Fußball-Orakel Ihrer Lokalzeitung
Der Redaktions-Beagle hat vor dem DFB-Pokalfinale das falsche, vor dem Champions-League-Endspiel das richtige Leckerli angesteuert.
Zwei Endspiele des FC Bayern und die Europameisterschaft: In solchen Fußball-Großkampftagen hat auch Ihre Lokalzeitung ein tierisches Orakel an den Start gebracht. Redaktionshund „Coco“. Der Beagle unserer Lokalredakteurin Lucia Hargaßer hat den Ausgang des DFB-Pokalfinales zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund vorhergesagt, oder besser gesagt vorhergefressen. Das Ganze übrigens hochoffiziell unter Aufsicht des Trostberger Notars Georg Mehler und moderiert von Sportredakteur und Franz-Beckenbauer-Imitator Christian Settele. Dabei lag er daneben, denn er steuerte den FC-Bayern-Napf an, und Schweinsteiger & Co. haben ja bekanntlich gegen Dortmund 2:5 verloren.
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Richtig lag das "Cocorakel" dafür im Champions-League-Finale - natürlich sehr zum Leidwesen der Bayern-Fans. "Coco" entschied sich für den Knochen in der blauen Chelsea-Schuhschachtel. Damit hat er sich als Wahrsager für die Europameisterschaft empfohlen. Gut möglich also, dass seine hellseherischen Fähigkeiten wieder gefragt sind im Juni.
Hier geht's zu den im Trostberger Tagblatt und Traunreuter Anzeiger erschienenen Berichten über die beiden "Cocorakel-Befragungen: Dortmund - Bayern, Bayern - Chelsea.
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