Das Reh, um das es jetzt geht, wurde im Giglinger Wald östlich von Kienberg entdeckt. Mitten im Forst. Opfer des Straßenverkehrs? Angesichts der Fundstelle dürfte dies jedoch auszuschließen sein, meinen Jäger. „Mit dieser Verletzung wäre das Tier nicht weit gekommen, allenfalls ein paar Meter“, sagtManfred Weindl, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes. Weil Weindl auch Tierarzt ist, lag es nahe, ihm die zur Verfügung gestellten Fotos zu mailen. „Die Wunden sind absolut tödlich“, sagt der Schönauer, aber es seien eben nur Fotos, um eine konkrete Aussage treffen zu können, hätte man das Tier sehen müssen. „Lang gelebt haben kann es aber nicht mehr.“ Zumindest ein Trost.
Mit Waidgerechtigkeit habe dies aber nichts zu tun, sollte wirklich auf den Kopf geschossen worden sein. Offensichtlich sei dann auch nicht auf Nachsuche gegangen worden, so der BJV-Bezirksvorsitzende.
Alles Dinge, die ein Jäger machen müsse, zu denen er verpflichtet sei. „Das wäre natürlich eine Schweinerei“, sagt Weindl, der deutliche Worte nicht scheut. „Ein Jäger schießt nicht auf den Kopf. Wenn ein Tier schon erlegt werden muss, dann durch einen Blattschuss, um ihm unnötiges Leiden zu ersparen.“
Er selbst sei seit vielen Jahren Jäger, habe 35 bis 40 goldene Schießnadeln, „aber ich würde niemals auf den Kopf schießen. Da kann man die schlimmsten Dinge anrichten. Das Wild geht elendig ein, leidet noch tagelang. Da laufen so viele Schweinereien, das ist unglaublich.“ Egal ob der Jäger beim Ökologischen Jagdverband wäre oder beim BJV, er würde jeden anzeigen, „denn das ist keine saubere Jagd!“
„Das schaut doch so aus, als ob jemand reingetunkt werden soll“, reagiert Andreas Schachner, Vorstand der Kienberger Jagdgenossenschaft. Das Reh könne angefahren oder auch von einem Hund gepackt worden sein. So anonym, das finde er schon komisch. „Dann sollen die Leute doch kommen und sagen, wo sie das Reh entdeckt haben.“ Er habe einen Jäger in das angegebene Gebiet geschickt, aber der habe nichts gefunden. „Bei soviel Hektar Wald ist das natürlich auch schwierig!“ Die Kienberger Genossenschaft betreibt Eigenbewirtschaftung, hat die Reviere an BJV-Jäger, aber auch an Mitglieder des Ökologischen Jagdverbandes vergeben.
Auf diesen mit seinen etwa 300 Mitgliedern ist BJV-Bezirksvorsitzender Weindl nicht gut zu sprechen. So hatte er im „Fall Felix“ offen erklärt, dass eine „kleine Gruppe von Wildgegnern, zusammengeschlossen im Ökologischen Jagdverein“, die Verantwortung für das Geschehen trage. Forstamtsleiter und untergebene Förster hätten sich in einem privaten Verein zusammengetan, „um das Wild möglichst rasch aus der Welt zu bringen“ – gemäß dem Motto „Wald vor Wild“. Mit dem Wild werde wie „Ungeziefer“ umgegangen. „Beim BJV ist vielleicht auch das ein oder andere schwarze Schaf darunter“, so Weindl gegenüber der Redaktion, aber allein die Wortwahl beim ÖJV lasse doch Rückschlüsse ziehen. So würden Rehe als „kleine braune Rindenfresser“ bezeichnet, es heiße, „nur ein totes Reh ist ein gutes Reh“ und „das Reh ist die Mähmaschine des Waldes, auf die es blaue Bohnen hageln muss“. Der ÖJV-Vorsitzende habe ihn mit einer Unterlassungsklage bedrohen wollen, sagt Weindl, „aber die Frist habe ich absichtlich verstreichen lassen, denn was der ÖJV von sich gibt, ist im allgemeinen Sprachgebrauch verwurzelt, das habe ich auch deren Anwalt so gesagt!“ Mit Jagd, Ethik und Moral habe das alles überhaupt nichts zu tun. „Ich habe mit einer Dame vom Landtag gesprochen, die sich über den ÖJV informieren wollte“, so Weindl weiter. „Diese ist dann zu der Jahreshauptversammlung gegangen, wo über den BJV nur so hergezogen wurde. Wir seien bloße Trophäenjäger, hieß es da. Was absoluter Blödsinn ist, denn 70 Prozent der Tiere, die wir erlegen, haben gar kein Geweih. Auf der anderen Seite ist dort gesagt worden, die Jäger sollten die Tiere in den Kopf schießen, das wäre am wenigsten Bretverlust. Einfach unglaublich!“ Was Weindl bezeichnend findet: „Es gibt eine Pflichttrophäenschau, aber die vom ÖJV bringen uns keine Tiere. Warum wohl?!“
„Da bleiben einige Ungereimheiten. Soweit weg von der Straße – das könnte nach einem Schuss ausschauen“, sagt Michael Köhldorfner sen. aus Schnaitsee, 2. Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Traunstein, zu dem toten Tier im Giglinger Wald. Aber man könne es nicht behaupten. Schade sei, dass der Fund des Rehs nicht offiziell gemeldet wurde. „Wenn die Leute Ross und Reiter nennen würden, wäre es immer leichter.“ Auch Köhldorfner fühlt sich zunächst an den „Fall Felix“ erinnert. Und auch er hat seine Meinung über den ökologischen Jagdverband. „Die kennen keine Waidgerechtigkeit, schießen sogar die Muttertiere weg. Die haben ihre eigenen Jagdkurse, richten ihr Hauptaugenmerk auf andere Dinge, die haben eine ganz andere Marschrichtung, haben mehr Interesse an ihren Forstpflanzen.“ ÖJV-Jäger würden in Reviere gelassen, weil Jagdgenossenschaften mit dem Abschuss nicht zufrieden seien, erklärt Köhldorfner. Eine Jagdpacht laufe normalerweise nicht unter neun Jahren. „In Eigenbewirtschaftung kann die Genossenschaft jedoch sagen, wir stellen alle Jahre neue Jäger ein, wenn die anderen nicht spuren.“ Es gebe auch unter den Jägern Schießwütige, sagt der Schnaitseer. „Für die ist das natürlich ideal, die können auf die Jagd gehen, ohne sich um etwas zu kümmern.“ Beim ÖJV herrsche rücksichtsloses Vorgehen, so Köhldorfner. Bei 15 Schuss auf letztendlich drei tote Tiere bei einer Jagd, müsse man sich schon fragen, wo die restlichen Kugeln hin seien. Wenn nachgefragt werde, heiße es, die Tiere verenden sowieso. „Dabei ist es Verpflichtung für den Jäger nachzusuchen, unter Umständen auch Schweißhunde einzusetzen. Die schießen aber auch in den Darm rein und das Tier geht elend zugrunde.“ Dem ÖJV sei jedes Mittel recht, so Köhldorfner, das Reh zu dezimieren, „Rehrein machen“ heiße es bei denen. Gegenüber der Redaktion schilderte er einen Vorfall vor zwei, drei Jahren. „Da hat einer ein Muttertier von zwei Kitzen weggeschossen. Als der Nachbarschütze hin ist und gesagt hat, ,Warum hast Du das gemacht?’, hat es geheißen, „so hab ich gleich drei Stück erledigt’. „Brutaler geht’s nimmer“, meint der Schnaitseer. Die Kitze seien verhungert. Als einer hin sei und das Drama fotografieren wollte, seien die Tiere natürlich weggelaufen. „Das Ganze wurde zur Anzeige gebracht. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren aber eingestellt, weil eben keine Kitze da waren.“ Die Richter würden sich nicht auskennen und sähen solche Vorfälle als Bagatellsache an, bedauert der stellvertretende Vorsitzende des Kreisjagdverbandes. „Das wissen die anderen natürlich. Dabei ist das ein Strafbestand!“ Juristisch sei man verpflichtet, das Leiden der Tiere so gering wie möglich zu halten. „Das heißt, es kommt nur ein sicherer Blattschuss in Frage. Das Reh, wenn es schon getötet wird, soll nicht leiden. Wenn aber einer auf den Kopf schießt, da ist er gleich daneben. Der Kopf ist so klein, da verletze ich den Kiefer und das Reh geht armselig ein, verhungert.“
Wie der ÖJV denkt, das habe er in Schnaitsee bei einem Vortrag selbst erlebt, so Köhldorfner. Sogar der Amtstierarzt habe damals gemeint, normalerweise müsste man Anzeige erstatten wegen Anstiftung zur Straftat. Der Referent habe glatt gesagt, jedes Mittel sei recht, Rehe zu dezimieren. Wenn er eine Losung entdecke, setze er sich sofort hin und das erste Tier, das komme, schieße er ab. Schonzeiten würden ihn nicht interessieren, habe er auf Nachfrage Köhldorfners gesagt. Rehe seien schlichtweg Schädlinge.
Jagdfrevel oder „Unfall“?
Von Silke Leonhard
Kienberg. „Tierquälerei“, „nicht waidgerechte Jagd“. Das Unverständnis und Entsetzen der Finder ist nachvollziehbar – der zerschmetterte Kiefer des toten Rehs wirklich kein schöner Anblick. Ein Fall, der sofort an „Felix“ denken lässt. Wie mehrfach berichtet, wurde das von Hand aufgezogene Kitz Opfer einer Treibjagd am Hochberg bei Traunstein. Dem Tier, das sogar ein rotes Signalhalsband trug, wurde der Unterkiefer weggeschossen. Ein Jagdhund trieb es dann über die Reviergrenze auf den Hof des „Besitzers“. Ein Fangschuss erlöste „Felix“ schließlich. Der Fall ging durch die Medien, beschäftigte Jägerschaft und Tierschützer gleichermaßen – die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren jedoch ein.
Kienberg. „Tierquälerei“, „nicht waidgerechte Jagd“. Das Unverständnis und Entsetzen der Finder ist nachvollziehbar – der zerschmetterte Kiefer des toten Rehs wirklich kein schöner Anblick. Ein Fall, der sofort an „Felix“ denken lässt. Wie mehrfach berichtet, wurde das von Hand aufgezogene Kitz Opfer einer Treibjagd am Hochberg bei Traunstein. Dem Tier, das sogar ein rotes Signalhalsband trug, wurde der Unterkiefer weggeschossen. Ein Jagdhund trieb es dann über die Reviergrenze auf den Hof des „Besitzers“. Ein Fangschuss erlöste „Felix“ schließlich. Der Fall ging durch die Medien, beschäftigte Jägerschaft und Tierschützer gleichermaßen – die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren jedoch ein.
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Coco als Orakel
Beagle "Coco", das Fußball-Orakel Ihrer Lokalzeitung
Der Redaktions-Beagle hat vor dem DFB-Pokalfinale das falsche, vor dem Champions-League-Endspiel das richtige Leckerli angesteuert.
Zwei Endspiele des FC Bayern und die Europameisterschaft: In solchen Fußball-Großkampftagen hat auch Ihre Lokalzeitung ein tierisches Orakel an den Start gebracht. Redaktionshund „Coco“. Der Beagle unserer Lokalredakteurin Lucia Hargaßer hat den Ausgang des DFB-Pokalfinales zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund vorhergesagt, oder besser gesagt vorhergefressen. Das Ganze übrigens hochoffiziell unter Aufsicht des Trostberger Notars Georg Mehler und moderiert von Sportredakteur und Franz-Beckenbauer-Imitator Christian Settele. Dabei lag er daneben, denn er steuerte den FC-Bayern-Napf an, und Schweinsteiger & Co. haben ja bekanntlich gegen Dortmund 2:5 verloren.
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Richtig lag das "Cocorakel" dafür im Champions-League-Finale - natürlich sehr zum Leidwesen der Bayern-Fans. "Coco" entschied sich für den Knochen in der blauen Chelsea-Schuhschachtel. Damit hat er sich als Wahrsager für die Europameisterschaft empfohlen. Gut möglich also, dass seine hellseherischen Fähigkeiten wieder gefragt sind im Juni.
Hier geht's zu den im Trostberger Tagblatt und Traunreuter Anzeiger erschienenen Berichten über die beiden "Cocorakel-Befragungen: Dortmund - Bayern, Bayern - Chelsea.
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