Seit zwei Jahren trainieren die beiden Betreuerinnen in Bukarest ihre Schützlinge, die zwischen 16 und 20 Jahre alt sind. Zwei werden ab heute im Ski alpin und zwei beim Schneeschuhlaufen (Snowshoeing) an den Start gehen. Das erste große Abenteuer – den eineinviertelstündigen Flug von Bukarest nach München – haben die Athleten souverän bestanden. Wobei laut Katharina der schwierigste Part der Abschied der Familienangehörigen von den geistig behinderten Sportlern war. Für einen war der Flug besonders aufregend – es war sein erster. Verschüchtert oder verängstigt wirkte er nach der Landung aber genauso wenig wie seine Teamkollegen. Mit kindlicher Freude und Herzlichkeit gingen die jungen Sportler auf ihr Empfangskomitee zu.
An den Bayerischen Special Olympics in Reit im Winkl beteiligen sich Sportler aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Rumänien und Österreich (wir berichteten). Laut Bernauer, bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Traunstein zuständig für Events und Projekte, sind diese Spiele ein Testlauf für internationale Wettkämpfe. Seine Vision: Reit im Winkl, Ruhpolding und Inzell richten 2017 die Weltspiele aus. Bernauer und sein Team wollen den möglichst reibungslosen Ablauf der Special Olympics sicherstellen, um die Leistungsfähigkeit der Region zu demonstrieren. Bis zu 12 000 Athleten, Betreuer und Begleiter kämen bei Weltspielen in den Landkreis Traunstein. Das stellt einerseits einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor dar, andererseits sind solche Veranstaltungen hervorragende Gelegenheiten, die Integration behinderter Mitmenschen zu fördern.
„Der Landkreis steht hinter diesem Leitmotiv der Spiele“, so Bernauer. Er ist überzeugt: Die Sportler können positive Erfahrungen, die sie durch ihren Sport sammeln, in ihr tägliches Leben daheim, in der Schule, am Arbeitsplatz und in das gesellschaftliche Umfeld übertragen. Damit verbessern sie die Chance zur gesellschaftlichen Integration. Außerdem hebe das „Healthy Athletes“-Programm (siehe Kasten) das Niveau der medizinischen Grundversorgung der geistig Behinderten auf ein deutlich höheres Level. Und: „Teilnehmende Familien werden selbstbewusster, weil sie sehen, dass die Leistungen ihrer Kinder geschätzt werden.“ Und die Sportler selbst bekämen einen Anstoß zu ihrer Weiterentwicklung im geistigen, psychischen und sozialen Bereich. Auch diefreiwilligen Helfer, die so genannten Volonteers, spüren die oft überschwängliche Freude und die Freundschaft, die die Sportler zu ihnen aufbauen. Damit falle es diesen Helfern leichter, Beziehungen zu Menschen mit geistiger Behinderung aufzubauen.
Wesentliche Triebfeder im Bemühen, dieses Ziel zu erreichen, ist der Behindertenbeauftragte des Landkreises Traunstein, Siegi Götze. Er hat in den vergangenen Wochen und Monaten in Schulklassen für diesen Geist geworben und so zahlreiche Helfer für die Spiele in Reit im Winkl gewonnen. Außerdem werden Schüler für die adäquate Wettkampf-Kulisse sorgen.
So penibel das Organisationskomitee die Spiele vorbereitet hat – der Teufel steckt auch hier im Detail: 25 Stunden vor der Eröffnungsfeier hatte Bernauer plötzlich keine Showeinlage mehr. Unmittelbar vor dem Empfang für die rumänische Delegation klingelte sein Handy. „Jetzt hat mir grad der Keller Steff abgesagt. Der liegt mit Lungenentzündung im Bett.“ La BrassBanda ausgebucht, Claudia Koreck schwanger – und eine Chiemgauer Musikeinlage sollte es schon sein. Doch Bernauer hat ja kompetente Mitstreiter: Siegi Götze, ausgewiesener Experte in Sachen Volksmusik, kümmerte sich um Ersatz.
Handkuss für Miss Chiemgau
Reit im Winkl/München (fal). Einen herzlichen Empfang haben am Dienstagnachmittag OK-Mitglied Anton Bernauer und Miss Chiemgau Susanne Hausschmid der kleinen rumänischen Special-Olympics-Delegation im Münchner Franz-Josef-StraußFlughafen bereitet. Mit „Bine ati venit“ (Herzlich willkommen) begrüßten die beiden die vier jungen Sportler und die Betreuerinnen Katharina und Roxanna. Besonders Susanne Hausschmid hatte es den Athleten angetan: Einer bedachte sie – bei aller Schüchternheit – mit einem formvollendeten Handkuss.
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