Grandios minimalistisch

Stein/Traun (mix). Das Theater Stückwerk spielte im Rahmen der Steiner Literatur- und Medienwoche das Theaterstück „Friss oder stirb“. Das Stück mit dem dramatischen Titel handelt von Hunger, Essstörungen, Kinderarbeit auf Plantagen und vielem mehr.
Tine Hagemann und Dominik Burki vom Theater Stückwerk spielten in Stein das Stück „Friss oder stirb“. Foto: mix
Nur zwei Schauspieler stehen bei dem Stück „Friss oder stirb“ auf der Bühne, Tine Hagemann und Dominik Burki vom Theater Stückwerk, das 2010 gegründet wurde. Stückwerk macht Wandertheater, Theater, das zum Publikum kommt, Theater, das etwas erzählen will und immer ein aktuelles politisches Thema zur Grundlage hat.

In dem in Stein gezeigten Stück „Friss oder stirb“ geht es um so große Themen wie Welthunger, Gentechnik, Essstörungen, mit Pestiziden verseuchte Lebensmittel, minderwertige Waren im Supermarkt, Kinderarbeit auf Kakaoplantagen und andere. Die beiden Schauspieler schlüpfen dabei auf der kleinen Bühne, die sie mit einfachsten Mitteln immer wieder rasch verändern, in verschiedene Rollen. An einer Brille, einer Krawatte oder einer umgedrehten Jacke erkennt der Zuschauer sofort, welche Rolle der Darsteller in jeder einzelnen Szene gerade spielt, denn in dem Stück sind mehrere Handlungsstränge miteinander verknüpft.

Es geht unter anderem um zwei Filmemacher, die einen Film zum Thema Welthunger drehen und dabei auch Probleme in der Lebensmittelproduktion und der Verteilung aufgreifen. Es taucht ein Privatdetektiv auf, der im Auftrag eines großen Unternehmens die Filmemacherin dafür bezahlen soll, dass der Streifen nicht veröffentlicht wird, in dem Missstände bei der Produktion aufgezeigt werden.

Es geht um schlaue Politikerreden und Phrasen von Unternehmern, die nur auf Profit aus sind – egal um welchen Preis. Es geht aber auch um Jonas, der aufgrund einer Essstörung in einer psychiatrischen Klinik ist, und um Sophie, die nach einem Ladendiebstahl in dieser Klinik Sozialstunden ableisten soll. Da Sophie glaubt, dass Jonas nicht mehr lange zu leben hat, weil er nichts isst, überredet sie ihn, mit ihr abzuhauen und nach Portugal ans Meer zu fahren. Es geht auch um einen französischen Bauern, der dafür plädiert, die Waren der örtlichen Produzenten zu kaufen und zu konsumieren, bei denen man wenigstens weiß, was drin ist.

In vielen kurzen Szenen zeigt das Theaterstück die unterschiedlichsten Problematiken auf. Lösungen weiß das Team des Theaters Stückwerk für das ganz große Dilemma auch nicht, gibt aber kleine Denkanstöße und vermittelt die Botschaft: „Man muss in seinem eigenen Umfeld erst einmal ganz klein anfangen und verändern, was man selber verändern kann.“ Zu möglichen Veränderungen gehöre es eben auch, regional einzukaufen, auf fair gehandelte Waren zu achten, bewusst einzukaufen und möglichst wenig Lebensmittel wegzuwerfen.
Artikel vom 08.02.12
Weiterempfehlen Drucken