Landtagsabgeordneter Klaus Steiner aus Übersee, der selbst seit Jahren eine kleine Brennerei betreibt, bezeichnete den heimischen Obstbrand als ein hochwertiges Genussmittel, das um seine Anerkennung kämpft. Die Tatsache, dass in Italien Traubentrester zu Grappa veredelt werde, veranlasste Steiner zu der anerkennenden Bemerkung: „Was die Italiener aus Ferkelfutter herausholen...“.
Man brauche nicht nur eine Lobby im Landtag, sondern müsse auch selbst Zeichen setzen. Ein solches sei die Bayerische Obstbrandprämierung gemeinsam mit den Brennerverbänden vom Bodensee und ausFranken, sagte Steiner. Auf diese Prämierung gingen Verbandsgeschäftsführer Josef Stein und Vorsitzender Christian Eder näher ein. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium fördert den Wettbewerb zur Qualitätssicherung mit 6000 Euro. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hatte Ende letzten Jahres nach einem Gespräch mit den Spitzen der drei bayerischen Brennerverbände die Förderung zugesagt. Das Geld ist als Zuschuss für Maßnahmen zur Qualitätssicherung gedacht. Dazu zählt die bayerische Obstbrandprämierung. Die analytischen Untersuchungen in Weihenstephan seien europaweit einmalig, betonte Andreas Franzl, der im Organisationsteam der Prämierung vor allem für Fragen der Sensorik zuständig ist.
Die Präsentation von Bayerns besten Bränden findet im Rahmen eines Ehrenabends am 14. Mai im Pavillon des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums im Rahmen der Landesgartenschau in Rosenheim statt. Anschließend besteht für zehn Tage an gleicher Stelle für die Besucher der Schau die Gelegenheit, alle prämierten Brände unter fachkundiger Anleitung zu verkosten. Bei der letzten Prämierung vor zwei Jahren haben mehr als ein halbes Dutzend Brenner aus dem Landkreis Traunstein Goldmedaillen gewonnen.
Mehrere Redner machten im Rahmen der Versammlung darauf aufmerksam, dass das traditionelle bäuerliche Obstbrennen einige positive Nebeneffekte habe. Die Brenner müssten Obstgärten pflegen, die ihnen den Rohstoff für ihre Produkte liefere. Bei sehr vielen Betrieben im Voralpenland sind das Streuobstwiesen, die mit ihren Hochstammbäumen als landschaftsprägende Elemente einen hohen Stellenwert haben. Das Obst von diesen Hochstammbäumen – die oft hundert Jahre und älter sind – ist der Rohstoff für viele typische Brände aus der Region. „Das Brennen ist Anreiz, den Obstgarten in Schuss zu halten“, sagte Vorsitzender Eder. Viele Streuobstwiesen wären längst gerodet, wenn man die Früchte nicht in der eigenen Brennerei verwerten könnte. Wenn die Europäische Union, wie befürchtet, im Jahr 2017 das Deutsche Branntweinmonopol verbieten sollte und es damit dem Staat untersagt wäre, Alkohol von Brennern zu übernehmen, dann würde sich für viele Bauern die Pflege der Streuobstwiesen nicht mehr lohnen.
Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Brenner, Siegfried Hornung, ergänzte, dass das bäuerliche Brennen ein „Bombengeschäft für Finanzminister Wolfgang Schäuble“ sei. Die Brenner würden jährlich rund 25 Millionen Euro Steuern zählen, bekämen aber nur 15 Millionen für abgelieferte Brände vom Staat zurück.
Genussmittel kämpft um mehr Akzeptanz
Traunstein (ko). Im Landkreis Traunstein gibt es etwa 50 Obstbrennereien; im Landkreis Rosenheim rund 370 und bayernweit etwa 4500. Mit einer Qualitäts- und Informationsoffensive wollen die Betriebe das Genussmittel Obstbrand stärker ins Interesse der Öffentlichkeit rücken. Das wurde bei der Jahreshauptversammlung des Verbandes der Südostbayerischen Obst- und Kleinbrenner in Irschenberg deutlich.
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