Geiselnahme auf der Spur

Traunstein / Chieming (kd). Der Prozess um die Entführung eines 57-jährigen Amerikaners am 16. Juni 2009 aus seiner Wohnung in Speyer und seine viertägige Geiselnahme durch vier Rentner und einen weiteren Täter in einem Landhaus in Hart bei Chieming (wir berichteten) ist gestern vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein in die dritte Runde gegangen. Vormittags hörte die Kammer mit Vorsitzendem Richter Karl Niedermeier einige Zeugen, darunter einen früheren Mitarbeiter des entführten Amerikaners, der in den USA zeitweise Chef eines Steuerberaterbüros war und dabei zwei deutsche Ehepaar aus Schliersee und Chieming um Millionen-Dollar-Beträge aus Anlagen, dazu einen früheren Angestellten um Provisionen in der Größenordnung von 600 000 Dollar, geschädigt haben soll. Einer von damals rund 40 Mitarbeitern berichtete gestern im Zeugenstand, das Geld sei in der Firma des 57-Jährigen zuletzt sehr knapp gewesen.
Den gestrigen Nachmittag bestimmte die Aussage des Traunsteiner Kripobeamten, der schon Ermittler in vielen großen Verfahren war, etwa im Mammutprozess gegen den „Räuber mit der sanften Hand“ (wir berichteten). Auch im Entführungsfall ging der erfahrene Kriminaler jeder Spur nach. Am Anfang standen eine Vermisstenmeldung in Speyer mit einer Vermutung Richtung Chiemsee und wenige Tage später die Information einer Schweizer Bank über einen verschlüsselten Hilferuf nach der Polizei. „Sell 100 Call Pol.ICE – bitte heute!“ hatte der 57-jährige Amerikaner in einer E-Mail an eine seiner Banken platzieren können. Der Prozess geht am 16., 22. und 23. März jeweils um 9 Uhr weiter.
Artikel vom 10.03.10
Weiterempfehlen Drucken