Fünf Kilometer in die Tiefe

Kirchweidach / Tacherting (wt). Die erste Bohrung auf dem Geothermie-Standort Kirchweidach ist erfolgreich abgeschlossen: 4900 Meter haben die Experten der Bohrfirma Anger’s Söhne aus dem hessischen Lichtenau den Bohrmeißel in den Untergrund getrieben. Dass sie ihr Weg dabei nicht nur stetig nach unten, sondern auch auf Umwegen zum Ziel führte, zeigt die Länge des Bohrlochs: Knapp fünf Kilometer weit musste man bohren, um schließlich in etwa 3800 Metern Tiefe auf ein ergiebiges und für die Nutzung zur geothermischen Energiegewinnung sehr gut geeignetes Heißwasser-Vorkommen zu stoßen. Das Aushubmaterial der zweiten Bohrung wird derzeit in der AKR-Kiesgrube bei Tacherting gelagert.
Der hydraulische Bohrturm musste für die zweite Bohrung in Kirchweidach versetzt werden.
„Der Kirchweidacher Untergrund hat es uns in den letzten Wochen nicht immer leicht gemacht“, sagte Geoenergie-Bayern-Geschäftsführer Bernhard Gubo. „Aber jetzt ist es geschafft.“ Erste Pumpversuchstests hätten vier unterschiedliche Förderraten ergeben. Die Messungen hätten ließen darauf schließen, dass das Malmwasser unterhalb von Kirchweidach in 3800 Metern Tiefe den Analysen nach fast Trinkwasserqualität hat. Gubo: „Dies wird den späteren Kraftwerksbetrieb erheblich erleichtern.“

Entscheidend für den nun erzielten Erfolg waren nach Angaben der Ingenieure der Geoenergie Bayern die überdurchschnittliche Bohrlochstabilität und -sicherheit. Dadurch sei es möglich gewesen, auch die nötigen 1200 Meter horizontale Bohrstrecke im Malm ohne größere Probleme zurückzulegen. Die von den Geologen prognostizierten Störungs- und Verkarstungszonen konnten angebohrt und erschlossen werden. Es gab sogar mehrmals Bereiche, in denen der Bohrmeißel einige kurze Momente ohne Gegendruck durch kleinere verkarstete Höhlen gefallen sein muss.

Der nächste Schritt zur Erschließung der Heißwasservorkommen wurde indes bereits in die Wege geleitet. Am 9. Mai, so Bernhard Gubo, wurde damit begonnen, das Bohrgerät vom ersten Bohrkeller auf einen zweiten zu schieben. Sieben Meter vom ersten Bohrloch entfernt wird nun parallel das zweite Bohrloch in die Tiefe gebracht. „Wir rechnen mit drei bis vier Monaten, bis unsere zweite Bohrung abgeschlossen sein wird.“ Voraussetzung dafür sei, dass auch diese Arbeiten unfallfrei verlaufen. Bernhard Gubo: „Mit etwas Fortune und wenn Komplikationen ausbleiben, wird auch aus unserem zweiten Bohrloch heißes Wasser in ausreichender Menge und in geeigneter Qualität sprudeln.“

Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass das Geothermiekraftwerk wie geplant um die Jahreswende 2012/13 in Betrieb genommen werden kann. Die Planungen für die zweite Bohrung liefen in den letzten Monaten auf Hochtouren. Laut Gubo würden die gewonnenen Erkenntnisse aus der ersten Bohrung direkt für das zweite Bohrloch genutzt.

Parallel zu diesem Vorhaben sollen nun die Bürger zu den Themen Fernwärmelieferung und Kraftwerksplanung umfangreich informiert und zum Dialog über „ihre“ künftige umweltfreundliche Energieversorgung eingeladen werden. Positive Effekte erhofft man sich bei der Geoenergie Bayern zudem von der bevorstehenden geplanten Novellierung der EEG Einspeisevergütung für Geothermieprojekte, „die sich auch wirtschaftlich positiv auf das Projekt auswirken wird und für weitere Projekte zwingend erforderlich ist“, so Geschäftsführer Gubo.

Um die Lagerung des Bohrmaterials hatte es bei der ersten Bohrung Unstimmigkeiten gegeben, da das aus der Tiefe geholte Material vorübergehend in einer Kiesgrube zwar ordentlich gelagert war, die Kiesgrube aber nicht die notwendige Zulassung hatte. Jetzt wird das Aushubmaterial aus dem Bereich der ersten 800 Meter der zweiten Bohrung in der AKR-Kiesgrube bei Tacherting gelagert.

Diese Kiesgrube habe die Zulassung für diese mit Betonit versetzten Stoffe, bestätigte gestern Günter Hopf, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Traunstein.
Artikel vom 18.05.11
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