Worum es bei dem Streit gegangen war, ist unklar, aber die verbale Auseinandersetzung zwischen der Frau und ihrem alkoholisierten Mann eskalierte schnell. Als dieser mit dem Messer auf die 59-Jährige losging, flüchtete die Frau barfuß in Todesangst aus der Wohnung und rief die Polizei um Hilfe. Binnen kürzester Zeit eilten zahlreiche Streifenwagen an den Tatort. „Ich kam gerade vom Einkaufen zurück, als ein Polizeiauto nach dem anderen mit Blaulicht ankam, schließlich war die ganze Straße mit Polizeiautos zugestellt“, berichtete eine Nachbarin.
Den Aufforderungen der Polizei, das Haus mit erhobenen Händen zu verlassen, kam der 57-Jährige nicht nach. Auch Anrufe der Polizei und von Verwandten nahm der Mann nicht entgegen. Um niemanden zu gefährden, verzichtete die Polizei zunächst darauf, in die Wohnung einzudringen. Stattdessen wurde ein Spezialeinsatzkommando aus München angefordert. Der Familie machte das massive Polizeiaufgebot Angst.
„Wenn ich so viel Polizei sehe, werden in mir schlimme Erinnerungen wach“, sagte die 59-jährige Ehefrau, die das Geschehen besorgt von draußen beobachteter. Verständlich, wenn man weiß, dass im August vergangenen Jahres bei dem Doppelmordim benachbarten Tacherting eines der Opfer ihr Neffe war.
Die Angst um das eigene Leben war bei der Frau inzwischen verflogen. Auch der Sohn des 57-Jährigen fürchtete, dass die Lage gerade wegen des großen Polizeiaufgebotes erneut eskalieren könnte. Vom Vater beziehungsweise Ehemann sollte keine Gefahr mehr ausgehen, meinten beide übereinstimmend. Der 57-Jährige sei nach dem Vorfall bestimmt wegen seiner Alkoholisierung vor dem Fernseher eingeschlafen und gehe nur deswegen nicht ans Telefon. Trotzdem wollte die Polizei kein Risiko eingehen und wartete auf das SEK.
Kurz nach 13 Uhr traf deren Vorhut am Tatort ein, verschwand aber gleich wieder. An einer Sammelstelle am Parkplatz des Edeka-Geschäfts, Ecke Tittmoninger Straße/FranzMayr-Straße, legte das fast 20 Mann umfassende Team die schusssichere Ausrüstung an. Am Tatort hatte die Polizei inzwischen aus Sicherheitsgründen die zahlreichen Schaulustigen in die Häuser zurückgescheucht. Punkt 14 Uhr bog dann ein ganzer Konvoi von zivilen Polizeifahrzeugen in die Mayr-Straße ein. Mit gezückten Waffen verließen die Männer die Fahrzeuge und stürmten in das Haus mit der Nummer 17. Auch ein Hundeführer war dabei.
In seiner Wohnung wurde der 57-Jährige aber nicht angetroffen, nur das Küchenmesser lag noch herum. Sicherheitshalber suchten die Kräfte auch Keller und Dachboden des Hauses ab, fanden dort aber niemanden.
Der Mann hatte die Wohnung vermutlich kurz nach seiner Frau verlassen, aber noch bevor die ersten Polizeibeamten eintrafen. So konnte er unbemerkt untertauchen.
Nun kam von einer jungen Frau der Hinweis, sie hätte ihren Schwiegervater kurz vorher in der Kanalstraße gesehen. Die Polizei schickte darauf die zahlreich vorhandenen Streifenwagen zur Fahndung ins Stadtgebiet von Trostberg. Noch ehe der Flüchtige entdeckt wurde, stellte sich dieser gegen 15.20 Uhr in Begleitung seines Sohnes bei der Inspektion in Trostberg. Der Mann wurde in Gewahrsam genommen und später zu einer Blutentnahme ins Krankenhaus gebracht. Außerdem wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung eingeleitet.
Familienstreit eskalierte
Trostberg. Mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser ist am Samstagvormittag ein 57-Jähriger auf seine zwei Jahre ältere Ehefrau losgegangen. Die Frau konnte unverletzt aus der Mietswohnung in dem Mehrparteienhaus in der Franz-MayrStraße fliehen und die Polizei alarmieren. Diese riegelte die Gegend um den Wohnblock mit zahlreichen Kräften ab. Als das Sondereinsatzkommando aus München kurz nach 14 Uhr das Anwesen stürmte, war der gesuchte Mann nicht mehr in der Wohnung. Er war vermutlich kurz nach der Tat geflüchtet, stellte sich aber gegen 15.30 Uhr freiwillig bei der Polizei.
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