Experte warnt vor Gentechnik

Waging am See (zei). Auf Einladung von Zivilcourage Traunstein und Berchtesgadener Land hat der brasilianische Wissenschaftler und Buchautor Dr. Antonio Andrioli („Die Saat des Bösen – schleichende Vergiftung von Böden und Nahrung“) im Waginger Kursaal vor dem angeblichen Segen der Grünen Gentechnik gewarnt, die Bauern weltweit in Abhängigkeiten und oft in eine Schuldenfalle führe. Vor über 350 Besuchern betonte er: „Der Industrie ist es längst gelungen, Probleme in der Landwirtschaft zu verursachen, um dann Lösungen dazu anzubieten.“
Professor Dr. Antonio Andrioli warnte in Waging vor der AgroGentechnik. Foto: zei
Laut Andrioli sind Pro-Argumente wie Produktivitätssteigerung, Betriebskostensenkung, positive Auswirkung auf die Umwelt und der Hungerbekämpfung in der Praxis längst widerlegt. Studien, die das Gegenteil behaupteten, wären geschönt oder schlichtweg falsch, da 95 Prozent der Wissenschaftler im Auftrag der Industrie arbeiten und deshalb entsprechende Ergebnisse veröffentlichen. Bei den anderen fünf Prozent werde versucht, sie mundtot zu machen.

Als Beispiel nahm Andrioli die Einführung der Gensoja. Den Pflanzen des US-Chemiekonzerns „Monsanto“ wurden Bakterien eingesetzt, die gegen das hauseigene Spritzmittel „Roundup“ mit dem Wirkstoff Glyphosat resistent sind. Dieses Totalherbizid soll alles töten,was lebt – nur die genmanipulierten Sojapflanzen nicht. In einer Studie aus Frankreich wurde Glyphosat 1:100 verdünnt, trotzdem wurden noch menschliche Erbzellen verändert. Was passiert also, wenn man mit Glyphosat behandelte GenPflanzen isst oder verfüttert? Bei Versuchen an Ratten wurden Nierenschäden, Fehlgeburten, Fortpflanzungs-Unlust sowie mehr weiße Blutkörperchen festgestellt – die Vorstufe zu Leukämie.

Einen Langzeitfütterungsversuch mit Bt-Mais der TU Weihenstephan könne man auch nicht als Beispiel verwenden: Von 36 Kühen wurde die Hälfte vorzeitig ausgetauscht, weil sie krank wurden, was aber in der Studie nicht erwähnt wurde. Darüber hinaus wurde der verfütterte Mais auf 600 Grad erhitzt – „so einen Ofen hat bestimmt jeder Bauer in seinem Stall stehen“, scherzte Andrioli.

Der Bazillus thuringiensis produziert ein Toxin, das zum Beispiel Raupen tötet. So arbeite der Bazillus auch in genmanipulierten Maissorten wie MON810 von Monsanto. Das Toxin töte aber nicht nur den Schädling Maiszünzler sondern auch Nützlinge. Aber auch dies werde in einigen Jahren wegen Resistenzen nicht mehr funktionieren, ist sich Andrioli sicher. So gebe es in Brasilien bereits 15 Unkräuter, gegen die starke Spritzmittel nicht mehr wirkten – trotz einer ungeheuerlichen Menge Giftes. Ein Sprecher Monsantos habe ihm dann geraten, die Unkräuter mit der Hand rauszuhacken. „Ist das also der versprochene technische Fortschritt?“, fragte Andrioli. Lizenzgebühren für das konzerneigene Saatgut seien aber trotzdem fällig.

Warum der Maiszünzler zum Problem werde, darüber machten sich Wissenschaftler keine Gedanken. „Wenn statt Monokulturen Fruchtfolgen eingehalten würden, erübrigten sich die Probleme ohnehin“, so der Referent.

Konzerne wie Syngenta, Monsanto, Bayer oder BASF wollten ihre „Gesamtpakete“ möglichst gewinnbringend verkaufen, um ihre Aktionäre bedienen zu können. Die Zeche zahlten die Bauern und Verbraucher. Da Lebensmittel aber für viele Verbraucher ohnehin keinen Wert mehr darstellten und vor allen Dingen billig sein sollen, müssten Landwirte weltweit entweder aufgeben oder immer mehr Flächen dazupachten, um ihre Produktionskosten niedrig halten zu können. Da hakten dann Konzerne ein und versprächen die Lösung aller Probleme durch die Agro-Gentechnik.

Mittlerweile gebe es jedoch weltweit nicht nur bei Gen-Soja Ernteeinbußen, erhöhten Spritzmittelverbrauch und Superunkräuter, die sich nur mit Supergiften bekämpfen lassen – etwadem Vietnam-Entlaubungsmittel „Agent Orange“ von Monsanto. Doch beschränkten sich die Heilsversprechen der Konzerne nicht nur auf Soja, sondern zum Beispiel auch auf Mais, Raps und Baumwolle, berichtete Andrioli. Das Problem bei Soja sei, dass es praktisch in jedem herkömmlichen Futtermittel anzutreffen sei und somit wieder auf Umwegen über das Tierfutter auf den Tellern der Verbraucher lande. Ausgenommen seien genfrei deklarierte Futtermittel, Bio-Produkte oder Produkte von Bauern, die sich der gentechnikfreien Fütterung verpflichtet hätten.

Er freue sich über den weltweiten Widerstand, auch in Brasilien gebe es genug gentechnikfreies Soja „Wenn Futtermittel mit Soja gekauft werden, sollte es auf jeden Fall als gentechnikfrei deklariert sein“, riet der Referent. So könne jeder ein Stück weit dazu beitragen, „dass dieser Irrsinn ein Ende findet“. Das gelte auch für jeden Verbraucher, mittlerweile gebe es eine ganze Menge gentechnikfreier Produkte.
Artikel vom 07.04.10
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