Erfahrungen in China sammeln

Traunreut (mix). Schüler der Traunreuter Walter-Mohr-Realschule werden im Mai nach China reisen. Im Rahmen des „PASCH-Projektes“ (Partnerschulen im Ausland) können die jungen Menschen dort Praktika in verschiedenen Institutionen machen und bekommen dann im Gegenzug im Herbst Besuch von jungen Chinesen, die nach Traunreut kommen.
Herzlicher Empfang beim Goethe Institut in Peking (von links): Sebastian Vötter (Experte für Unterricht), Dr. Uwe Nitschke (Leiter Goethe Institut Peking), Yu Yi (Assistentin für Deutschlernende), Markus Hösl-Liebig (Schulleiter Realschule Traunreut), Yu Yu (Mitarbeiterin der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ in Shenyang), Susanne Brebeck-Staus (Realschule Traunreut, zuständig für die Pressearbeit), Stefanie Englmüller (Realschule Traunreut, zuständig für Sponsoren) und Peter May (Realschule Traunreut, Projektleiter).
„Schulen: Partner der Zukunft“ so lautet das Motto einer noch vom früheren Außenminister Frank-Walter Steinmeier ins Leben gerufenen Initiative, mit Hilfe derer die deutsche Sprache und Kultur an ausländische Schulen befördert werden sollen. Bereits im Februar vergangenen Jahres wurden auf der Didacta in Hannover erste Projektideen zum Austausch mit ausländischen Schulen vorgestellt und der Vertreter der Traunreuter Walter-Mohr-Realschule Pedro May nahm dort erste Kontakte mit einer Schule in China auf.

Mit ihr wollte er für die Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen einen Schüleraustausch mit integriertem Berufspraktikum organisieren. Die Vertreterin der Fremdsprachenmittelschule der Stadt Ürümqui zeigte sich aufgeschlossen für die Idee. Die Planung war schon recht weit gediehen, als die politische Entwicklung dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machte. Ürümqui ist die Hauptstadt des Uigurischen Autonomen Gebietes im Westen des Landes, in dem es im Sommer 2009 zu Ausschreitungen zwischen Uiguren und Chinesen kam.

Mit Unterstützung durch das Goethe Institut in Peking konnte allerdings schnell ein anderer Partner gefunden werden, das Labour Economy College in Shenyang, einer Stadt in der Provinz Liaoning rund 700 Kilometer nordöstlich von Peking. Die Einrichtung könne, wie Pedro May erläutert, mit einer Berufsschule verglichen werden. Nachdem Schulleitungen und Lehrkräfte der künftigen Partner zunächst per E-Mail Informationen und Ideen ausgetauscht hatten, stattete jetzt eine vierköpfige Delegation aus Traunreut, bestehend aus den Lehrkräften Stefanie Englmüller, Susanne Brebeck-Staus, Pedro May und dem Schulleiter Markus Hösl-Liebig, der chinesischen Schule einen Besuch ab.

Das Bild, das sich den Besuchern in Shenyang vermittelte,war nach ihren Angaben überwältigend. Besonders auffallend im Land des Lächelns sei die große Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Menschen, aber auch die großartige Organisation und Strukturiertheit. Shenyang ist eine weitläufige Metropole mit rund acht Millionen Einwohnern, was in China als vergleichsweise überschaubar gilt. Rund 5000 Schülerinnen und Schüler lernen an der besuchten Schule eine Vielzahl von Handwerken und Berufen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Schneider und Kfz-Mechaniker gehören genauso dazu wie Programmierer, Hochfrequenztechniker oder Fräser.

In einem Partnerschaftsvertrag in englischer Sprache, den sie während des Besuchs in Shenyang aushandelten und unterzeichneten, haben die beidenSchulen ihre Absichten festgehalten. Geregelt werden darin praktische Fragen, etwa die Termine im Mai und September 2010, die Unterkunft in China in einem Hotel und in Deutschland in Gastfamilien sowie das vorgesehene Besichtigungsprogramm.

Andere Punkte behandeln die Integration der Gäste in das Schulleben und die Auswahl der Berufspraktika für die Schülerinnen und Schüler aus Traunreut. Geplant sind die Praktika unter anderem in den Niederlassungen, die ein deutscher Schraubenhersteller und ein Automobilbauer aus München in Shenyang unterhalten, und in einem Luxushotel der Stadt. China ist für die deutschen Schüler deshalb besonders interessant, da sich das Land immer mehr zu einem zentralen Wirtschaftsraum entwickelt, der für die berufliche Zukunft der jungen Leute im Rahmen der Globalisierung eine entscheidende Rolle spielen kann.

Bis es zum Austausch kommt, ist allerdings noch viel Arbeit erforderlich, und eine zentrale Frage ist die der Finanzierung. Nach Ansicht der Schulleitung sollte der Eigenanteil der Schülerinnen und Schüler 400 Euro nicht übersteigen, um für alle erschwinglich zu bleiben. Deshalb werden neben der Unterstützung, die etwa Schulträger und der Förderverein geben können, weitere Sponsoren gesucht.

Doch dass sich der Aufwand lohnt, steht für die Koordinatoren der Walter-Mohr-Realschule Traunreut außer Frage. „Unsere Schüler werden in Zukunft bei der Berufssuche die internationale Konkurrenz stärker zu spüren bekommen. Das Schnupperpraktikum und der Schulbesuch an der chinesischen Berufsschule kann ihnen vermitteln, welche Entwicklungsmöglichkeiten sie später einmal haben“, ist sich Schulleiter Markus Hösl-Liebig sicher.
Artikel vom 13.01.10
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