Eine einzigartige Kombination

Von Michael Hudelist
Ebenau/Salzburg. Eine halbe Stunde vom bayerisch-österreichischen Grenzort Freilassing entfernt liegt in Hinterebenau nahe dem Salzburgring das Werkschulheim. Es ist eine Mischung aus Handwerksschule, Privatgymnasium und Internat. 330 Kinder und Jugendliche drücken hier derzeit die Schulbank und erhalten zusätzlich eine handwerkliche Ausbildung zum Tischler, Mechatroniker oder Maschinenbauer.
Das Werkschulheim Ebenau nahe dem Salzburgring ist eine Mischung aus Handwerksschule, Privatgymnasium und Internat. 330 Kinder und Jugendliche drücken hier derzeit die Schulbank, darunter auch Schüler aus Bayern wie zum Beispiel Raphael Reichelt (links) aus Schönau und Mathias Moosleitner aus Saaldorf-Surheim. Foto: dpa
Im Internat sind erstmals sieben Mädchen im Alter von zehn bis 16 Jahren eingezogen. Auch aus Bayern kommen einige Schüler nach Ebenau, wie etwa der zehnjährige Raphael Reichelt aus Schönau am Königssee und der 15-jährige Mathias Moosleitner aus Saaldorf-Surheim.

Raphael wollte schon immer eine Handwerksschule besuchen. In der Zeitung hätten er und sein Vater einen Artikel über das Werkschulheim gelesen. „Mein Papa hat dann gefragt, ob ich das mit dem Internat schon will. Ich hab nur gemeint, wenn’s Essen gut ist, dann schon.“ Bei den Probetagen konnte die Küche des Werkschulheims Raphael überzeugen. Der Bub wiederum überzeugte die Schule, dass er tatsächlich handwerklich begabt ist.

In den ersten beiden Schulwochen im Internat war sein Heimweh sehr groß. „Geholfen hat mir eine Erzieherin, die mit mir eine ,Journey‘ gemacht hat, das ist so etwas wie eine Traumreise durch das eigene Leben“, erzählt der Zehnjährige.

Bis zu fünf Stunden Schule pro Tag sind angesagt, es folgen gemeinsames Lernen und viel Freizeit, am Freitagnachmittag holen ihn die Eltern ab. „Das Wochenende zu Hause ist dann irgendwie wie Ferien.“ Und im Werkschulheim, auf einem Hochplateau gelegen, hat Raphael jetzt auch kein Heimweh mehr, denn „von meinem Zimmerfenster aus seh' ich den Watzmann“.

Der 15-jährige Mathias Moosleitner kennt das österreichische Schulsystem schon länger. „Vor dem Werkschulheim war ich am Herz-Jesu-Gymnasium in Liefering“, berichtet er, „aber ich wollte eigentlich mehr Handwerkliches machen.“ Dass er in Ebenau ins Internat muss, hat Mathias anfangs nicht gefallen, „aber so schlimm ist es nicht, wenn man mal ohne Eltern ist“. Mit Mama und Papa hält er unter der Woche Kontakt per SMS oder Facebook.

330 Schüler werden in dem Privatgymnasium von 66 Lehrern unterrichtet, in den Klassen sind maximal 20 Schüler. Für die handwerkliche Ausbildung in den zahlreichen Werkstätten am Areal sind 19 Wochenstunden pro Monat vorgesehen. Schüler aus der näheren Umgebung von Ebenau fahren am Abend nach Hause, alle anderen wohnen in den Internatshäusern in Zwei-Bett-Zimmern. Jetzt wurden erstmals auch Mädchen in das Internat aufgenommen, sie wohnen auf einer eigenen Etage in einer Wohngemeinschaft.

Derzeit kommen die meisten Schüler aus Stadt und Land Salzburg, gefolgt und Oberösterreich und der Steiermark. Noch liegt der Schüleranteil aus Bayern an vierter Stelle. Doch das soll sich ändern, wenn es nach dem Direktor geht. „Wir wollen die besten Schüler haben, vor der Aufnahme gibt es Probetage und einen handwerklichen Aufnahmetest“, sagt Winfried Kogelnik. Das duale Konzept der Schule, also Abitur und Lehre, ist einzigartig in Österreich. Die nächste vergleichbare Schule mit Internat liegt in Baden-Württemberg.
Artikel vom 19.01.12
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