Ein großes Erbe

Palling (cw). Die Vorbereitungen zur Renovierung des Genghamer Kircherls sind in vollem Gang. Die zur Planung notwendigen Gutachten wurden inzwischen erstellt. Damit die anstehende Renovierung umfassend und fachgerecht organisiert werden kann, haben sich alle Beteiligten zu einem Begehungstermin an Ort und Stelle eingefunden. Kirchenmaler und Statiker stellten fest, dass das Kleinod ursprünglich anders ausgesehen haben muss.
Über die Renovierung des Genghamer Kircherls freuen sich (von links): Albert Lohwieser, Kirchenmaler Michael Stein, Bürgermeister Josef Jahner, Martin Gastberger, Hedi und Ida Oettl sowie (von rechts): Marianne Oettl, Statiker Rolf Eberle und Franz Jäger. Foto: cw
Bischof Georg von Oettl hatte das Genghamer Kircherl einst erbauen lassen. Jetzt ist es renovierungsbedürftig, und an diesem Vorhaben sind mehrere beteiligt. Zur Ortsbegehung trafen sich Pallings Bürgermeister Josef Jahner, Albert Lohwieser sowie Ortsheimatpfleger Franz Jäger, weiters der zuständige Gebietsreferent Paul Huber vom Landesamt für Denkmalpflege, Vertreter der unteren Denkmalschutzbehörde, vom Landratsamt Traunstein, Martin Gastberger vom Baureferat des Erzbischöflichen Ordinariats München und Freising, der Statiker Rolf Eberle aus Olching, der Kirchenmaler Michael Stein aus Inzell sowie Vertreter der Familie Oettl.

Kirchenmaler Michael Stein wies auf überraschende Entdeckungen hin: Es müsse davon ausgegangen werden, dass das Kircherl ursprünglich anders ausgesehen hat. Stein wies auf Bögen in der östlichen Außenwand, die bei genauerem Hinsehen erkennen lassen, dass sie nachträglich zugemauert worden waren. Steins Begeisterung für dieses Kircherl war unverkennbar, und es wurde deutlich, welche Freude ihm seine Arbeit zur Erhaltung dieses Kleinods bereitet.

Statiker Rolf Eberle stimmte dem Kirchenmaler zu. Ebenso die Blechverkleidungen und auch das Blechdach seien wohl erst nachträglich angebracht worden. Zur Zeit der Errichtung um 1820 war eine Verkleidung mit Blech als Dach- und Wetterschutz noch nicht üblich gewesen. Schwachpunkte gebe es von der Statik her, sagte er. Bei der Visite des Innenraums der Kapelle wurden weitere Details besprochen.

Die Anwesenden waren sich der Bedeutung der von Bischof Georg von Oettl gestifteten Kapelle bewusst und sich einig, dass gemeinsam alle Kräfte mobilisiert werden müssten, um deren Erhalt zu sichern. Statiker Eberle ist beauftragt, als erstes die bestandserhaltenden Maßnahmen aufzuzeigen und einen Kostenplan zu erstellen. Vom Landesamt für Denkmalpflege wird das Verfahren für die Bezuschussung der Renovierung „1. Teilmaßnahme Instandsetzung Außen und Statik“ eingeleitet; sobald dies geschehen ist, können Angebote eingeholt werden.

Die Teilnehmer der Begehung, besonders die Familie Oettl, die Dorfbewohner, die Gemeinde Palling und alle Freunde des Genghamer Kircherls freuen sich, dass die Renovierung vorgenommen werden kann. Dies ist ein großes Vorhaben, das alle Beteiligten mutig angehen wollen. „Wir hoffen auf großes Interesse, auf finanzielle Unterstützung und auf die Mithilfe an der Renovierung von allen Seiten, denn die Familie Oettl kann dieses große, aber schwere Erbe unmöglich alleine schultern“, sagte Ortsheimatpfleger Franz Jäger. Im Hinblick auf die bedeutende Person des Erbauers, Bischof Georg von Oettl, auf sein Wirken und sein großes soziales Engagement weit über die Grenzen des Chiemgaus hinaus mögen sich viele angesprochen fühlen, die Kapelle zu seiner Erinnerung zu erhalten, wünschten sich die Anwesenden.
Artikel vom 04.02.12
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