Das „Gesetz zum Schutz der Gesundheit“, wie das totale Rauchverbot im Behördendeutsch heißt, lässt sich dank der Toleranz der Leute überraschend gut umsetzen, berichtet Wolfgang Dichtl von der Zeltleitung des Flötzinger-Zeltes in Rosenheim. In den ersten zehn Tagen habe es kein einziges Mal Stress gegeben. „Nur ganz wenige zünden sich mal eine an, aber lassen es dann auch sein, wenn man sie freundlich darauf hinweist.“ Man habe die Auflagen des Ordnungsamtes erfüllt, per Schilder auf das Rauchverbot hinzuweisen, die Aschenbecher zu entfernen und keinen Tabakwarenverkauf mehr anzubieten. „Aber Durchsagen mitten im Programm machen wir nicht, das würde die Gemütlichkeit und die Festlaune zu sehr stören“, so Dichtl. Nachdem man in der Kürze der Zeit keine eigenen Raucherbereiche außerhalb des Zeltes installieren konnte, hat Dichtl aber ein großes Problem: Sehr viele Raucher sammeln sich im Ein- und Ausgangsbereich.
„Da entstehen dann richtige Menschentrauben“, bestätigt Auerbräu-Vertreter Andreas Schmidt vom zweiten 6000-Mann-Zelt am Herbstfest. „Da ist es dann schon nicht ganz leicht für den Sicherheitsdienst, dafür zu sorgen, dass die Wege einigermaßen frei bleiben. Und es ist auch nicht gerade ein schönes Bild für die ankommenden Gäste: ein rauchender Pulk und Kippen auf dem Boden.“
Schmidt zieht aber eine positive Bilanz: „Es gibt kaum Ärger, wir hatten nur ganz wenige Situationen, wo man diskutieren musste.“ Schärfere Auseinandersetzungen oder gar eine Rauferei hätten nie gedroht. „Man muss halt die Leute in einem vernünftigen Ton ansprechen. So wie man eben in den Wald reinschreit…“
Charmant, aber bestimmt erfolge das Einschreiten, so Schmidt, „darin sind die Bedienungen ja geschult. Das ist besser, als mit einer Raucherpolizei zu patroullieren.“ Jedenfalls sei das Aggressionspotenzial geringer als erwartet, was nicht heißt, dass Schmidt ein Freund des Rauchverbots ist, immerhin beschert es ihm einige Umsatzeinbußen, „denn in der Zeit, in der die Leute draußen sind und rauchen, konsumieren sie nichts. Die Lizenzeinnahmen für den Tabakstand fallen weg. Und das Sicherheitspersonal müssen wir aufstocken.“
Im Gegensatz zum Herbstfest kann der Trostberger Festwirt Fritz Aigner – zusätzlich zum Freiluft-Biergarten – schon mit einem eigenen kleinen Zelt für die Raucher aufwarten. Auch er berichtet, dass es keinerlei Probleme gebe. „Ich habe jetzt schon 13 Bierzelte mit dem Rauchverbot hinter mir, in Eisenärzt oder Nußdorf, nirgends ist es eskaliert – nicht ein renitenter Raucher, nicht ein beleidigter Nichtraucher. Wenn mal jemand zur Zigarette greift, dann meist nur, weil er’s vergessen hat.“ Und bei nicht ganz so einsichtigen Sündern müsse man eben „mit Fingerspitzengefühl vorgehen, so Aigner. „Lieber mal ein Auge zudrücken, zu Ende rauchen lassen und darum bitten, beim nächsten Mal rauszugehen, anstatt ihn gleich am Krawattl zu packen und rauszuwerfen.“ Auch an Bierzeltabenden mit besonders zahlreichem und ausgelassenem Publikum, etwa bei der Stimmungsband „Fire and Ice“, laufe es problemlos.
Hinweisschilder à la „Zigarette aus – sonst musst du raus!“ sind in Fritz Aigners Zelt nicht zu finden. „Die haben’s mir in einem Zelt mal runtergerissen. Es weiß doch eh jeder.“
Auch wenn sich die Aufregung um das Rauchverbot etwas gelegt hat, die grundsätzliche Verärgerung ist bei dem Trostberger Gastronom noch nicht verflogen. „Es ist einfach eine unsinnige Regel, die der Gemütlichkeit schadet und die Kameradschaft auseinander reißt.“ Der Volksentscheid sei eine Farce gewesen, „da sind ja nur die Nichtraucher hingegangen, die Raucher haben sich selber gestraft, weil sie gemeint haben, sie gewinnen eh.“
Den Schwarzen Peter schiebt Aigner den „militanten Nichtrauchern“ zu. „Die haben das Maul aufgerissen, obwohl sie sowieso nicht in ein Bierzelt gehen – egal ob’s da drin raucht oder nicht.“
Er schätzt, dass ihm das Rauchverbot Umsatzeinbußen von fünf oder sechs Prozent einbrockt. „Außerdem muss ich statt sieben nun zehn oder elf Leute im Sicherheitsdienst anstellen, um zumindest gerüstet zu sein für eventuelle Probleme bei der Durchsetzung.“
Doch keine dicke Luft
Von Thomas Thois
Trostberg/Rosenheim. Doch keine dicke Luft in den heimischen Bierzelten: Das Rauchverbot lässt sich überraschend problemlos umsetzen, berichten die Festwirte des Rosenheimer Herbstfestes und des Trostberger Volksfestes. Sie sind zwar nicht gerade begeistert von der verschärften Gesetzeslage, zeigen sich aber froh, dass im nun rauchfreien Luftraum keine Bierkrüge fliegen. „Die Leute sind sehr vernünftig“, heißt es unisono. Keine Spur von den im Vorfeld befürchteten Raufereien oder Konflikten zwischen Rauchern und Ordnungshütern oder Rauchern und Nichtrauchern. Die Rebellion im Bierzelt ist ausgeblieben.
Trostberg/Rosenheim. Doch keine dicke Luft in den heimischen Bierzelten: Das Rauchverbot lässt sich überraschend problemlos umsetzen, berichten die Festwirte des Rosenheimer Herbstfestes und des Trostberger Volksfestes. Sie sind zwar nicht gerade begeistert von der verschärften Gesetzeslage, zeigen sich aber froh, dass im nun rauchfreien Luftraum keine Bierkrüge fliegen. „Die Leute sind sehr vernünftig“, heißt es unisono. Keine Spur von den im Vorfeld befürchteten Raufereien oder Konflikten zwischen Rauchern und Ordnungshütern oder Rauchern und Nichtrauchern. Die Rebellion im Bierzelt ist ausgeblieben.
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