Die Pferde und Mads Mikkelsen

Burghausen (rp). Die Musketiere sind da! Genau genommen sind es erst ihre Pferde, die gestern Nachmittag testweise über die Burghauser Burg trabten. Wenn am heutigen Montagmorgen die Dreharbeiten für den 3-D-Film „Die drei Musketiere“ beginnen, dann sollen die aus einer ostdeutschen Filmtier-Schule stammenden Pferde problemslos über die wackelnden und klappernden Bohlen der Holzbrücken auf der Burg gehen und nicht scheuen.
Logan Lerman
Der Aufbau der Kulissen ist inzwischen abgeschlossen, der Bereich um das Burgcafé stellt im Film die Gascogne, die Heimat d’Artagnans dar. Der Innenhof der Burg wird zu einem Jahrmarkt im Paris des 17. Jahrhunderts. Neben einem Schneiderladen und einer Straßenkneipe, vielen Fieranten mit Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst, Töpferwaren, Fellhändlern und Kupferschmieden findet d’Artagnan dort auch Gaukler und Artisten vor. Den Part auf einem Hochseil, das im Innenhof der Hauptburg zwischen hölzernen Masten gespannt wurde, übernehmen Seiltänzer der Hochseiltruppe „Geschwister Weisheit“ aus Gotha. Die Sachsen gelten als führende Hochseilakrobaten, nicht nur in Deutschland. Im April hatte sich allerdings einer der Gebrüder Weisheit beim Sturz bei einer Motorradnummer am Hochseil schwer verletzt.

Touristen genossen am Sonntag den Spaziergang durch die malerische Filmkulisse. „So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen“, schwärmte eine Urlauberin aus Nordrhein-Westfalen. Die Security-Leute, die das Filmset bewachen, hatten alle Hände voll zu tun, weil nur wenige Besucher mit den Augen schauten. „Es ist stressig, weil die Touristen alles anfassen wollen“, bestätigte der Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes SKE.

Wegen der vielen Besucher und Neugierigen waren es gestern wohl an die 5000 Besucher, die zur Burg kamen. Mitten drin in der Menschenmasse: Hollywood-Star Mads Mikkelsen. Der als Bösewicht im James-BondFilm „Casino Royale“ bekannt gewordene Däne spielt auch in den Musketieren einen Bösewicht: Rochefort. Unerkannt von den zahlreichen Touristen schlenderte Mikkelsen gestern über die Burg, erkundete auch abgelegene Winkel und zeigte sich nicht nur von der Burganlage begeistert, sondern auch von den versteckten Winkeln, von denen aus man eine ganz besondere Sicht auf die Burghauser Altstadt und die Salzach hat.

Wenn am heutigen Montag die Dreharbeiten beginnen, bleibt die Burg ab dem Georgstor für Besucher gesperrt.

Die Szenen in d’Artagnans Heimat spielen sich übrigens bei Regenwetter ab. Weil der heute sicher nicht in der von den Filmleuten gewünschten Menge auf Burghausen fallen dürfte, wird eine Beregnungsanlage aufgestellt.

Am morgigen Dienstag und am Mittwoch stehen die Szenen auf dem Drehplan, in denen d’Artagnan – gespielt vom 18-jährigen US-Schauspieler Logan Lerman („Todeszug nach Yuma“, „Percy Jackson – Diebe im Olymp“) – in die französische Hauptstadt Paris kommt. Dann soll nur noch die Hauptburg gesperrt bleiben.

Am Wochenende wurde den Filmleuten noch eine logostische Meisterleistung abverlangt. Scheinwerfer, Kameras und die übrige Technik wurde in 40 Lastwagen von den bisherigen Drehorten in Franken nach Burghausen gebracht. Weil die Schwerfahrzeuge nicht auf die Burg fahren dürfen, wurde in der Messehalle eine Umladestation eingerichtet. Das gesamte Equipment wurde dort in Kleintransportern verstaut und so zum Einsatzort gebracht. Damit die Besucher und Bewohner der Burg nicht zu sehr beeinträchtigt werden, hat man die Pflasterstraße auf der Burg seit Tagen immer wieder gewässert. Damit kann man zwar den Lärm nicht verhindern, aber wenigstens die Staubentwicklung in Grenzen halten.

Der Hollywood-Streifen „Die drei Musketiere“ wird einer der teuersten Filme, die je in Deutschland gedreht wurden. Rund 50 Millionen Euro soll der Etat betragen. Der Film, der am 1. September 2011 in die Kinos kommen soll, ist hochkarätig besetzt, mit internationalen Top-Stars wie Orlando Bloom, Milla Jovovich oder Christoph Waltz. Regie führt der Brite Paul W. S. Anderson (Resident Evil, Death Race). Ende September soll auch auf der Herreninsel gedreht werden.
Artikel vom 06.09.10
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