Die „Außenklasse“ – ein Erfolgsmodell

Von Thomas Grabmüller
Trostberg. Im Bayerischen Landtag wird derzeit über die Frage diskutiert, wie die zum 26. März 2008 in Kraft getretene UNCharta umgesetzt werden kann, nach der Menschen mit Behinderungen das Recht auf Bildung gegeben wird. Dazu läuft seit 1. September in Trostberg ein in weitem Umkreis einmaliges Projekt. Die so genannte Außenklasse mit integrativem Hintergrund ist ein großer Erfolg. Diese Bilanz zogen MdL Klaus Steiner und Bezirksrat Markus Fröschl bei einem Treffen mit Schulvertretern in Trostberg. Die spannende Frage ist, wie es weitergeht, woher das Geld für die Betreuung von „Förderkindern“ in der Regelschule kommt.
Hoher Besuch in der Klasse 1d der Grundschule Trostberg (von links): Bürgermeister Karl Schleid, Schulleiter Hans-Peter Brugger, Landtagsabgeordneter Klaus Steiner und der aus Trostberg stammende Bezirksrat Markus Fröschl.
An der Grundschule Trostberg unter der Leitung von Hans-Peter Brugger ist eine so genannte Außenklasse des Heilpädagogischen Zentrums Ruhpolding (HPZ) eingerichtet worden. In der Klasse sind 21 Schüler, darunter sieben mit besonderem Förderbedarf. Der Clou in Trostberg: Die Kinder der Klasse sind den ganzen Schultag beisammen, nicht nur zu besonderen Stunden. Dieses Projekt hat sich nach Überzeugung des Schulleiters bewährt: „Die Kinder bilden eine wirkliche Gemeinschaft, sie zeigen ein äußerst positives soziales Verhalten.“ Die Basis für dieses Projekt bildet der integrative Kindergarten, in dem Kinder mit und ohne erhöhtem Förderbedarf gemeinsam betreut werden.

Der Weg zu dieser besonderen Außenklasse – das HPZ hat eine weitere an der Grundschule in Ruhpolding, in der die Kinder aber nur in bestimmten Fächern beisammen sind – war möglich durch die Unterstützung von Regierungsschulrat Wolfgang Hamberger, der dafür sorgte, dass der Klasse ein Sonderschullehrer und weitere Hilfskräfte zugeteilt wurden, durchdie Unterstützung des Lehrerkollegiums und der Stadt, die als Schulträger diesem Vorhaben sehr positiv gegenübersteht.

Das Trostberger Projekt ist in der Region einmalig. Weitere diesen Zuschnitts in Bayern gibt es nach Angaben Steiners nur noch in Nürnberg und Augsburg. Das Projekt soll auch wissenschaftlich durch eine Universität begleitet werden.

„Die Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung in einer Regelklasse basiert auf einem gesetzlichen Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“, so der Leiter der Grundschule, Hans-Peter Brugger. „Wir können schon nach den Erfahrungen der ersten Monate von einem vollen Erfolg sprechen, was überwiegend am Engagement der Klassenleiterin Carolin Seidl, des Förderschullehrers Alexander Bangert und der Helferinnen und Helfer liegt.“

Auf die Frage des Landtagsabgeordneten Steiner, wo denn die Inklusion, also die bestmögliche Teilhabe, in der Schule ihre Grenzen habe, antwortete Seidl: „Ausschließlich bei den zur Verfügung stehenden Ressourcen wie Lehrerstunden, zusätzlichen Diensten, Betreuung und Ausstattung.“ Steiner warnte allerdings: „Wenn wir ausschließlich schwerst behinderte Kinder in unseren Förderzentren beschulen, sehe ich die Gefahr von echten Restschulen, und das kann nicht unser Ziel sein!“ Eine Auflösung der Schulen für individuelle Lern- und Sprachförderung müsse auf alle Fälle verhindert werden – die hohe Qualität der Förderzentren und -schulen müsse erhalten bleiben, so Steiners Appell.

Bezirksrat Fröschl gab zu bedenken, dass die personelle Mindestausstattung für Inklusionsklassen deutlich zeige, „dass der Finanzbedarf noch nicht abschließend absehbar ist. Sollte der Bezirk als Aufwandsträger in die Pflicht genommen werden, so würde dies gegebenenfalls zu einer zusätzlichen Belastung der kommunalen Haushalte beim Landkreis und damit bei den Gemeinden und Städten führen.“

Trostbergs Bürgermeister Karl Schleid freute sich über die Einrichtung der Inklusionsklasse in der Alzstadt. „Sie zeigt einmal mehr die Qualität unseres Schulsystems. Speziell in Trostberg trägt sicherlich auch die hervorragende Vorarbeit unseres Integrationskindergartens zu einer reibungslosen Einschulung bei. Auch wenn das Gesamtprojekt ein Lernprozess für alle Beteiligten ist, zeigt es doch einmal mehr die Möglichkeiten auf, die erreichbar sind mit engagierten Personen vor Ort, die weit mehr tun als ihre Pflicht, und auch Eltern, die derartige Projekte positiv begleiten.“
Artikel vom 06.02.10
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