Bei süffigem Bier und Unterhaltungsmusik mit der Obinger Blaskapelle herrschte gute Stimmung „beim John“, und die „Derbleckten“ trugen ihr Schicksal mit Humor und Fassung. Die vielen Besucher erwarteten mit Spannung die Fastenpredigt von Bruder Christophorus alias Christoph Ober, der heuer erstmals aus dem Kloster Herndling herabgestiegen war.
Keine leichte Aufgabe für den erst 20-Jährigen. Doch mit Witz und Natürlichkeit meisterte er seine Premiere mit Bravour. Getreu dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ beleuchtete er humorvoll die „Hoppalas“ und Ausrutscher der „Großkopferten“ und „Möchtegern-Großkopferten.
Ungeschoren kamen auch die Klöster nicht davon, deren „Buben-tatschende Kuttenträger“ er scharf verurteilte. Als Mann Gottes gelte für ihn der Bibelspruch „Geben ist seliger denn nehmen“: Der „Grassl Bäda“ habe das zu ernst genommen. In seinem Stall hat nämlich der Maibaum gelagert, den der Burschenverein den Schnaitseern gestohlen gehabt hatte. Doch obwohl die Kühe unruhig gewesen seien, habe der KSK-Vorstand keinen Verdacht geschöpft, nur nachgefüttert und sich anschließend schlafen gelegt. So hätten rund 30 Ameranger unbemerkt den gestohlenen Maibaum aus dem Stall stehlen können: „Das ist beinahe wie geschenkt“, meinte Bruder Christophorus.
Genau so kurios sei auch der Versuch, Bürgermeister Thurner in seinen neuen Smart zu bringen – theoretisch unmöglich und praktisch doch machbar. Im Wahlkampf hätten Bürgermeisterei und Gemeinderat von transparenter Politik gesprochen. Doch die Transparenz funktioniere nur beim Gemeinderat Pürner, der die Flöhe husten höre, alles wisse und das auch sofort an seinen MercedesStammtisch weitergebe.
Dagegen höre man vom Kaiser des Rathauses, vom Ludwig Mörner so gut wie gar nichts: „Der macht keine Politik und regiert nur.“ Um ihm den langgehegten Wunsch nach einem neuen Rathaus zu erfüllen, empfahl Bruder Christophorus den Gasthof „Zur Post“ im Bergdorf Frabertsham zu kaufen.
Dort habe er dann einen wunderbaren Blick auf die neue Umgehungsstraße, die König Ramses, alias der schwarze Peter aus Traunwalchen, deshalb so stark vorantreibe, damit er als Verkehrsminister in dieser Legislaturperiode noch das Einweihungsband durchschneiden könne. In der nächsten werde er dazu wohl keine Gelegenheit mehr haben, mutmaßte der Bruder.
Überhaupt sei in Obing viel mit Um- und Neubauten los. Im neuen Feuerwehrhaus sei das Büro des Kommandanten größer als das des Bürgermeisters. Nachts und bei geöffneten Toren könne man auch wunderbar funken. Auch der Kindergarten solle umgebaut werden. Dazu müssten die Kindergartenkinder vorübergehend in die alte Grundschule, die in direkter Nachbarschaft zur Gemeinde steht, umziehen. „Böse Zungen behaupten, da ziagt der Kindergarten zum Kindergarten“, sagte Bruder Christophorus.
Politiker merkten oft erst dann etwas, wenn es zu spät sei. Das habe sich beim Fest des TV Obing im vergangenen Jahr gezeigt, als die TVler Landrat Hermann Steinmaßl am Festsonntag kurzerhand in eine Kutsche gesetzt hätten, in der er am Festzug über die B 304 teilgenommen habe. Kurios nur, dass er den Festzug über die Bundesstraße 14 Tage vorher verboten hatte. Das sei ihm wohl erst im Bierzelt aufgefallen, mutmaßte Bruder Christophorus.
Doch auch heuer stehe wieder ein Fest an. Da feiere man in Obing dann 100 Jahre Grün, das würde sich so mancher Politiker im Bundestag wünschen. Doch in Obing feiere der Trachtenverein, und ganz Obing freue sich auf das Fest.
Die Ausrutscher der Promis
Obing (ca). Die Starkbierzeit ist auch in Obing angebrochen – und nicht nur auf dem Nockherberg ist das Politiker-Derblecken beliebt und angesagt. Wenngleich es in Obing weit weniger turbulent zuging und Fastenprediger Bruder Christophorus alias Christoph Ober – mit 20 Jahren wohl der jüngste weit und breit – auch im nächsten Jahr wiederkommen darf.
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