„Es war ein gutes Jahr 2010 – so kann es weitergehen“, sagte der Vorsitzende der FischereiGenossenschaft Chiemsee, Thomas Lex, bei der Jahreshauptversammlung am Samstag im Hotel „Linde“. So habe die Fangstatistik 2010 aller Berufsfischer einen Gesamtfang aller Fischarten von fast 100 000 Kilogramm ergeben, 12,43 Kilogramm je Hektar. Damit seiendie guten Erträge des Vorjahres sogar noch etwas übertroffen worden.
„Die Chiemsee-Renke mit einem Fang von 78 000 Kilogramm, 9,75 Kilogramm je Hektar, und das ist wieder eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr“, freute sich Lex, über dieses Ergebnis beim „Brotfisch“ der Berufsfischer. Aber auch das Renkenjahr 2011 habe im Winter mit guten Fängen gestartet. Der Frühjahr und Frühsommer beschleunigte mit gutem Planktonvorkommen das Wachstum der Fische, so dass die Genossenschaft noch gute Renkenerträge erwarte.
Als Grund dafür vertrat der Vorsitzende die Meinung, dass die kontinuierliche Einbringung großer Mengen Renkenbrütlinge und das großflächige Aussetzen in den See das Erfolgsrezept für den sehr guten Renkenbestand seien. So sei der Laichfischfang Ende November und Anfang Dezember wieder sehr erfolgreich verlaufen. Über 1700 Liter Renkenlaich – das seien über 136 Millionen Renkeneier – konnten in die genossenschaftseigene Brutanstalt in PrienHarras zum Brüten eingebracht werden.
Den Fischbestand zu erhalten und zu vermehren und die verschieden Fischarten in einem guten Gleichgewicht zu erhalten, sei eine wichtige Aufgabe der Genossenschaft, fuhr Lex fort. So seien von den Züchtern Seeforellen, Hechte, Zander und Aalbrut für 52 000 Euro angekauft worden. Dazu kommen aus eigener „Erbrütung“ 105 Millionen Renkenbrut, von denen 2,5 Millionen Stück in den schwimmenden Netzkäfigen auf eine Größe von fünf bis sieben Zentimeter großgezogen und dann in den Chiemsee entlassen werden. Ebenfalls aus eigener Erbrütung wurden zwei Millionen Hechte großgezogen und sorgsam in den See eingesetzt. Lex bezifferte den Gesamtwert des Jungfischbesatzes auf 500 000 Euro.
Ebenfalls Erfreuliches für die Fischerei berichtete Lex vom Kormoran, einem Raubvogel, der den Fischern seit vielen Jahren Sorgen bereitet. So sei die Kormorankolonie im Mündungsgebiet der Tiroler Ache auf 50 Brutnester zurückgegangen. Bis zu 167 Nester seien es immerhin noch 2001 gewesen. „Der Fraßdruck aus unseren Renkenbeständen ist nicht mehr ganz so groß“, so Lex.
Ärgerlich seien aber noch immer die Schäden an den teuren Netzen durch das Herausreißen der Renken durch die Kormorane. Auch der genehmigte Abschuss am Netz habe nicht die erhoffte Wirkung gebracht. „Wenn die Kormorankolonie, wie wir hoffen, weiter schwindet und sich unsere Renkenbestände – vielleicht gerade deshalb erholen – können wird damit leben“, so der Vorsitzende.
Sorgen bereiten den Fischern die mit Bojenketten ausgewiesenen Schonzonen für Vögel und Fische. Elektroboote, Motorboote und Segler würden das Befahrungsverbot missachten und Schäden an den Netzen anrichten. Freude haben die Berufsfischer auch nicht über die Verankerung von „Eisbergen und anderen Spielgeräten“ in Badegebieten und deren Absperrungmit Bojenketten. Dadurch würden für die Berufsfischerei Stück für Stück fischereilich wertvolle Gebiete der Uferfischerei verloren gehen. „Weitere Einschränkungen und Aussperrungen aus unserem Fischgebieten müssen wir in Zukunft ablehnen“, erklärte der Vorsitzende.
Der Fischerjahrtag hatte bei Regen traditionsgemäß mit einem Gottesdienst für die gestorbenen und gefallenen Fischer im Münster begonnen. Ein Kirchenzug mit der Fischerstandarte führte anschließend zum Kriegerdenkmal unter den Linden. Vorsitzender Lex legte zu Ehren der Toten einen Kranz am Denkmal nieder. Mit den Klängen der Musikkapelle Prien ging es danach zur Fischerversammlung.
Chiemseefischer sehr zufrieden
Fraueninsel (th). Die 16 Berufsfischer am Chiemsee sind mit ihren Fängen sehr zufrieden. Das Jahr 2010 brachte ihnen wieder eine Steigerung gegenüber den sowieso schon guten Erträgen des Vorjahres. Das wurde beim Fischerjahrtag bekannt gegeben. Auch für dieses Jahr erwarten die Berufsfischer aufgrund des guten Wachstums der Fische noch recht gute Renkenerträge bis zur Schonzeit im Oktober. Weniger Sorgen macht auch der Kormoran.
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