Seit 2003 gibt es die Komplementärwährung – mit stetig wachsendem Erfolg. Mehr als 2000 Verbraucher haben im vergangenen Jahr Chiemgauer eingetauscht – im Wert von über 1,2 Millionen Euro, 20 Prozent mehr als 2008. Die Chiemgauer-Umsätze zwischen den Unternehmen haben sogar um 36 Prozent auf ein Volumen von rund vier Millionen Chiemgauer zugenommen. Dass heißt, dass das Regionalgeld deutlich schneller umläuft als der Euro. Diesen Schwung will Chiemgauer-Initiator Christian Gelleri aus Rosenheim für sein nächstes Projekt mitnehmen, das der regionalen Wirtschaft Impulse geben soll: Die Genossenschaft, die den Chiemgauer ausgibt, darf – wie wir in in unserem jüngsten „chiemi-Newsletter“ ja bereits berichtet haben – als bundesweit 14. Kooperationspartner der GLS Bank Mikrokredite vergeben.
Das Deutsche MikrofinanzInstitut (DMI) baut seit 2005 einen Mikrofinanzsektor auf. Nach einem Akkreditierungsprozess als Mikrofinanzierer hat das DMI den Chiemgauer an einen Haftungsfonds empfohlen – den Mikrofinanzfonds Deutschland. Investoren sind das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Gemeinschaftsbank und die KfW Bankengruppe mit jeweils 500 000 Euro. Ein akkreditierter Mikrofinanzierer tritt auf lokaler Ebene als effizienter Zugang zu Mikrokrediten für Existenzgründer und Kleinstunternehmen auf. Das Mikrokreditvolumen beträgt zwischen 5000 und 10 000 Euro.
Derzeit wird laut Gelleri an den Vergabekriterien gearbeitet. Denkbar seien zwei Varianten des Kreditvertrages: eine kurze Version für Mitgliederunternehmen, die schon länger am Chiemgauer teilnehmen und dadurch ihre Bonität schon bewiesen haben, und eine lange Version für Neumitglieder, die von der Prüfung her bankähnlich sein wird. Grundvoraussetzung für einen Kredit sei jedenfalls, dass die Interessenten Anteile bei der Genossenschaft gezeichnet haben. Der Kredit wird natürlich in Chiemgauer ausgezahlt.
Um die Praktikabilität der Kreditvergabe zu testen, werden fünf ausgewählten Unternehmen Testkredite gewährt. In diesem Praxistest werden dann die Kriterien optimiert. Die eigentliche Mittelvergabe wird ausschließlich über die Genossenschaftsbank GLS abgewickelt. Eine Konkurrenz zu den regionalen Geldinstituten sieht Gelleri nicht: „Die Bundesregierung hatte die Vergabe von Mikrokrediten ausgeschrieben – und die GLS Bank ist die einzige, die sich dafür interessiert hatte.“ Dennoch schließt der Vereinsvorsitzende eine Kooperation mit regionalen Banken für die Zukunft nicht aus.
Durch die Zusammenarbeit von GLS Bank und Kooperationspartnern soll es für kleine Unternehmen und Gründungen leichter werden, an Geld zu gelangen. Das Mikrofinanzinstitut kann ohne Bankzulassung seineZielgruppen und Standorte mit selbst entwickelten Angeboten bedienen. Unterschiedliche Organisationen und Förderer können flexibel eingebunden werden, beispielsweise Ministerien, Vereine, Wirtschaftsförderer und Genossenschaften. Von der ersten Kundenansprache bis zur vollständigen Rückzahlung liegt die Kreditbetreuung in der Hand des Mikrofinanzinstitutes. Die GLS sorgt ohne direkten Kundenkontakt nach den Angaben des Mikrofinanzinstituts im Hintergrund für die Verwaltung.
Kerngeschäft bleibt trotz dieses möglichen neuen Betätigungsfeldes die Abwicklung des regionalen Zahlungsverkehrs mit dem Chiemgauer. Nach Mitteilung des Chiemgauer-Pressesprechers Matthias Leippe schafften im vergangenen Jahr Traunsteiner Vereine, die auf die Liste der Förderprojekte des Chiemgauers stehen, einen Rekord: Sie bekamen 5783 Euro. „Insgesamt zahlte der Chiemgauer als europaweiter Musterknabe unter den RegionalgeldVereinen über 36 000 Chiemgauer verteilt in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein aus“, bilanzierte Leippe. Insgesamt habe der Chiemgauer für gute Zwecke schon 119 231 Euro erwirtschaftet. Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe den Chiemgauer nicht gebremst: Im vergangenen Jahr stiegen die Gesamtumsätze der Chiemgauer-Akzeptanzstellen von drei auf vier Millionen Chiemgauer. Besonders positiv habe sich die Weitergabe zwischen Chiemgauer-Unternehmen entwickelt. „Mit dem Chiemgauer bewegt sich was in der Region, jeder eingetauschte Euro erzeugt einen Chiemgauer-Umsatz von drei Chiemgauer“, begründet Gelleri die Entwicklung.
Levannier geht davon aus, dass immer mehr Vereine diese Geldquelle erkennen und sich auf die Liste der ChiemgauerFörderprojekte setzen lassen. Traunstein und Trostberg seien sehr aktiv, mit der Eröffnung der Ausgabestelle bei Blumen Furtner in Altenmarkt am vergangenen Montag sei ein wichtiger geografischer Brückenschlag zwischen den beiden Städten gelungen. Iris Steininger, Inhaberin des Blumenladens, erwartet durch die Chiemgauer-Ausgabestelle zusätzliche Frequenz in ihrem Geschäft.
„Chiemgauer“ spielt in der Bundesliga
Von Andreas Falkinger
Traunstein/RosenheimAltenmarkt. Christophe Levannier vom Regionalbüro Traunstein ist stolz auf den „Chiemgauer“: „Er wird weit jenseits der Grenzen des Chiemgaus wahrgenommen. Neulich hatten wir Besuch aus der kanadischen Provinz Quebec.“ Und demnächst wolle sich eine Delegation aus dem französischen Nanterre über den Chiemgauer informieren lassen. „Wir spielen in der Bundesliga“, stellt Levannier selbstbewusst fest.
Traunstein/RosenheimAltenmarkt. Christophe Levannier vom Regionalbüro Traunstein ist stolz auf den „Chiemgauer“: „Er wird weit jenseits der Grenzen des Chiemgaus wahrgenommen. Neulich hatten wir Besuch aus der kanadischen Provinz Quebec.“ Und demnächst wolle sich eine Delegation aus dem französischen Nanterre über den Chiemgauer informieren lassen. „Wir spielen in der Bundesliga“, stellt Levannier selbstbewusst fest.
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