Schon als sechsjähriger Kicker-Knirps in Reihen des ASV Rott träumte Thomas Broich, der 1981 in München geboren wurde und in Edling bei Wasserburg aufwuchs, von einer Karriere als Profifußballer. Mit Anfang 20 hatte er es geschafft – und wurde todunglücklich. Heute kickt er in Australien, frei nach dem Motto „Ich kann überall auf der Welt Fußball spielen“. Regisseur und AdolfGrimme-Preisträger Aljoscha Pause begleitete ihn zwischen 2003 und 2011 mit der Kamera.
Entstanden ist die einfühlsame Langzeit-Doku „Tom meets Zizou. Kein Sommermärchen“, die die psychologischen Spielregeln der Bundesliga infrage stellt. „Alle wollen so ganz verzweifelt diesen Erfolg“, resümiert Broich bitter. Manager stünden „brutal unter Druck“. Heute nennt sich der 30-Jährige, der über die Stationen 1860 Rosenheim, SpVgg Unterhaching und SV Wacker Burghausen zu den deutschen Eliteclubs Borussia Mönchengladbach, 1. FC Köln und 1. FC Nürnberg kam, „bundesliga-geschädigt“.
Anfangs läuft alles wie von selbst, Broich gilt als Hoffnungsträger. Der Film setzt ein, als der 22-Jährige als Zweitligaspieler bei Wacker Burghausen von sich Reden macht. Schnell wird der talentierte Mittelfeldstratege in einem Atemzug mit Spielern wie Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Philipp Lahm genannt. Aber der Druck wächst, von allen Seiten gibt es Erwartungen, der Boulevard stilisiert ihn als „Gladbachs neuer Netzer“, die Freude am Fußballspielen geht ihm immer mehr verloren. Und: Er ist stets „der andere Fußballspieler“. Wegen seiner Vorliebe für klassische Musik und anspruchsvolle Literatur haftet ihm der halb spöttische, halb bewundernde Spitzname „Fußball-Mozart“ an.
Schon zu Beginn ahnt er, der Erfolg könnte ihm einmal um die Ohren fliegen. Wer hoch steigt, kann tief fallen. Und Broich fällt, eckt mit seiner feingeistigen Art, seiner Liebe für das Leben und moralische Werte an, erzielt auf dem Platz immer weniger Erfolge, reagiert trotzig. Er bekommt Probleme mit besonders autoritären Trainern, wie dem militärischen holländischen Meistercoach Dick Advocaat oder Kölns Startrainer Christoph Daum. Mit den Mechanismen der Branche kann er sich immer weniger identifizieren. Das „Anders Sein“ und die Erwartungshaltung von Zuschauern und Medien wenden sich gegen Broich, seine Karriere gerät ins Wanken. Als großes Ziel nennt er nicht mehr, eines Tages beim FC Bayern München zu spielen. Vielmehr möchte er neue Kulturen, Menschen und Länder kennen lernen.
„Tom meets Zizou“ hat das Potenzial, in Deutschland eine Debatte voranzutreiben, die seit dem Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke 2009 offener geführt wird: psychische Probleme bei Sportlern. Er habeeine „ausgewachsene Fußballdepression“ gehabt, sagt Broich. „Ich hatte Gedanken im Kopf, die einfach so ungut waren, nicht nur für Fußball, sondern einfach fürs Leben.“ Pauses Film zeigt, wie stark Spitzenleistungen und eine ausgeglichene Psyche zusammenhängen. Der Regisseur beackert in seinen Dokus gern tabubeladene Themen, zuvor etwa Alkohol oder Homosexualität im Fußball.
In „Tom meets Zizou“ geht es mehr um den Menschen Broich als um den Sportler. Deshalb begeistert der Film auch Kinogänger, die keine Fußball-Fans sind. Die Doku gewinnt vor allem wegen des Vertrauens zwischen Broich und dem Regisseur. Die Interviews sind nachdenklich, selbstkritisch, tiefgehend. Seinen Titel verdankt der 133-minütige Film übrigens Broichs früherer E-Mail-Adresse – eine Anspielung auf sein großes Idol Zinedine „Zizou“ Zidane.
Broichs Weg könnte anderen ausgebrannten Sportlern Hoffnung geben. Denn als der Fußballer nicht mehr kann, als es selbst seinem Freund und Trainer Michael Oenning beim 1. FC Nürnberg nicht mehr gelingt, die Negativentwicklung zu durchbrechen, beendet er sein bisheriges Leben: 2010 verlässt er mit 29 Jahren die große Bühne Bundesliga endgültig und geht nach Australien. So kickt Tom seither für Brisbane Roar. Die Entscheidung tut ihm sichtlich gut. In den jüngsten Interviews wirkt er gelöst und entspannt. Unter anderen Rahmenbedingungen schöpft er nicht nur neuen Mut, sondern spielt plötzlich auch wieder so befreit und elegant Fußball, wie zu Beginn seiner Karriere.
Doch auch dort wächst die Fallhöhe: Broich wird als bester A-League-Import aller Zeiten gefeiert, wird mit Brisbane Roar australischer Meister und belegt bei der Wahl zu Australiens Fußballer des Jahres in Sydney den zweiten Platz. Erwartungsdruck und Profifußball gehören zusammen – auch am anderen Ende der Welt.
Broich schlägt Lahm
Von Thomas Thois
Edling/Burghausen. Dagegen ist Philipp Lahms hochgehypter Bestseller „Der feine Unterschied“ ein echter Langweiler: „Tom Meets Zizou. Kein Sommermärchen“ heißt der Kinofilm über den Edlinger Fußball-Profi Thomas Broich, der genau den offenen und ehrlichen Einblick in das Haifischbecken Bundesliga gewährt, den man im skandalumwitterten, aber letztlich enttäuschend lahmen Lahm-Buch vermisst. Zu sehen ab dem heutigen Freitag im „Quadroscope“-Kino in Burghausen, der Stadt, die für Thomas Broich das Sprungbrett in die ungeliebte Eliteklasse war.
Edling/Burghausen. Dagegen ist Philipp Lahms hochgehypter Bestseller „Der feine Unterschied“ ein echter Langweiler: „Tom Meets Zizou. Kein Sommermärchen“ heißt der Kinofilm über den Edlinger Fußball-Profi Thomas Broich, der genau den offenen und ehrlichen Einblick in das Haifischbecken Bundesliga gewährt, den man im skandalumwitterten, aber letztlich enttäuschend lahmen Lahm-Buch vermisst. Zu sehen ab dem heutigen Freitag im „Quadroscope“-Kino in Burghausen, der Stadt, die für Thomas Broich das Sprungbrett in die ungeliebte Eliteklasse war.
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Coco als Orakel
Beagle "Coco", das Fußball-Orakel Ihrer Lokalzeitung
Der Redaktions-Beagle hat vor dem DFB-Pokalfinale das falsche, vor dem Champions-League-Endspiel das richtige Leckerli angesteuert.
Zwei Endspiele des FC Bayern und die Europameisterschaft: In solchen Fußball-Großkampftagen hat auch Ihre Lokalzeitung ein tierisches Orakel an den Start gebracht. Redaktionshund „Coco“. Der Beagle unserer Lokalredakteurin Lucia Hargaßer hat den Ausgang des DFB-Pokalfinales zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund vorhergesagt, oder besser gesagt vorhergefressen. Das Ganze übrigens hochoffiziell unter Aufsicht des Trostberger Notars Georg Mehler und moderiert von Sportredakteur und Franz-Beckenbauer-Imitator Christian Settele. Dabei lag er daneben, denn er steuerte den FC-Bayern-Napf an, und Schweinsteiger & Co. haben ja bekanntlich gegen Dortmund 2:5 verloren.
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Richtig lag das "Cocorakel" dafür im Champions-League-Finale - natürlich sehr zum Leidwesen der Bayern-Fans. "Coco" entschied sich für den Knochen in der blauen Chelsea-Schuhschachtel. Damit hat er sich als Wahrsager für die Europameisterschaft empfohlen. Gut möglich also, dass seine hellseherischen Fähigkeiten wieder gefragt sind im Juni.
Hier geht's zu den im Trostberger Tagblatt und Traunreuter Anzeiger erschienenen Berichten über die beiden "Cocorakel-Befragungen: Dortmund - Bayern, Bayern - Chelsea.
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