Laut dem „SZ“-Bericht wollte Uwe Hüttinger aus Pappenheim nur Geld sparen: Statt eine neue Festplatte für seine Geschäftsdaten zu kaufen, stöberte er Anfang April auf dem Flohmarkt und wurde fündig: Für1,50 Euro erstand der 47-Jährige das gebrauchte Gerät und baute es umgehend in seinen Rechner ein. Sofort merkte er: „Da sind lauter Daten drauf, die keinen was angehen“ – vertrauliche Informationen wie Listen von Steuersündern, Steuerstrafverfahren, Vollstreckungsbescheide und Übersichten über Steuereinnahmen der Jahre 1999 bis 2006 aus dem Finanzamt Traunstein. Über 100 Vollstreckungsbescheide gegen Privatpersonen und Geschäftsleute sollen laut dem Bericht auf der Festplatte gewesen sein.
Hüttinger gab die Festplatte bei der Polizei Treuchtlingen ab, die sie ans Landesamt weiterleitete. Dessen Vize-Präsident Paul-Alexander König bedankte sich in einem Schreiben beim ehrlichen Finder und sprach darin von einem „Ausrutscher“. Die Steuerverwaltung unternehme größte Anstrenungen, um das Steuergeheimnis zu wahren, beteuerte er.
Umso mehr wunderte sich Hüttinger, als er Mitte April erneut auf dem Flohmarkt nach einer Festplatte suchte und abermals zwei Geräte erwarb – für zwei Euro. Eine davon enthielt wieder brisante Daten aus bayerischen Finanzämtern: Unter anderem eine Liste mit 486 Steuersündern, Unterlagen zu Fehlzeiten von Mitarbeitern und einem Disziplinarverfahren in Ingolstadt, die Einnahmen des Finanzamts Augsburg und über gut 500 Waffen samt Kaliber, Käufer und Kaufdatum.
Das Landesamt prüft nun, wie es zu den Pannen kommen konnte, bestätigte Pressesprecherin Charlotte Weigelt der„SZ“. Dort werden alle von den Finanzämtern aussortierten Rechner gesammelt und die Daten mit einem magnetischen Verfahren so gelöscht, dass sie „de facto nicht mehr wiederherstellbar sind“. Die Rechner werden in einem Container gesammelt, zu dem nur eine Person den Schlüssel besitze. Der Container werde regelmäßig an eine laut Weigelt „vertrauenswürdige Firma“ übergeben, bei der ebenfalls nur ein Mitarbeiter den Zugang habe. Das Unternehmen habe den Auftrag, die Festplatten zu löschen und dann zu verschrotten – was offensichtlich nicht geschehen ist. Deshalb prüfe das Landesamt auch einen Strafantrag, so Weigelt.
Die Flohmarkt-Festplatten seien immerhin einmal neu formatiert worden, so Weigelt weiter. Das lösche die Daten zwar nicht unwiederbringlich, dieseseien aber für den normalen Computernutzer nicht zu rekonstruieren – „da können nur noch Fachleute mit ganz speziellen Software-Programmen ran“. Der Bauunternehmer bezeichnet sich selbst allerdings nicht als Technikfreak, die Geräte habe er auch von „ganz normalen“ Leuten gekauft, „die sich ein paar Cent dazuverdienen wollten und keine Ahnung hatten, was sie da in den Händen hielten“.
Der Vorwurf einer „Riesenblamage für das Finanzamt Traunstein“, der in den letzten Tagen durch die Medien geisterte, scheint also nicht zu halten. „Von uns aus sind die alten Rechner den vorgeschriebenen Weg nach München gegangen“, hieß es gestern von einer Sprecherin der Traunsteiner Behörde. Man verfolge nun die Ermittlungen der Kripo – weitere Auskünfte wollte sie nicht geben und verwies auf das zuständige Münchner Landesamt.
Brisante Steuerdaten auf alter Festplatte
Traunstein/München (rse). Das Finanzamt Traunstein ist von einer Datenpanne im Bayerischen Landesamt für Steuern in München betroffen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, tauchten auf gebrauchten Festplatten, die ein Bauunternehmer auf Flohmärkten gekauft hatte, vertrauliche Steuerdaten auf – unter anderem von der heimischen Behörde, die aber offenbar keine Schuld an dem peinlichen Datenloch trägt.
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