Bio-Wasserstoff aus der Region eine Alternative?

Traunstein (kd). „Bis zum Jahr 2020 den im Landkreis Traunstein benötigten Strom komplett aus erneuerbaren Energien zu erzeugen – für dieses hochgesteckte Ziel sind noch viele Schritte nötig. Ein großer Schritt in diese Richtung könne die regionale Wasserstoffwirtschaft werden. Das betonte Bayernpartei-Fraktionsführer Alfons Baumgartner zum Auftakt der Kreistags-Fraktionssitzung von BP, ÖDP, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und FW/UW im Casino des Landratsamts Traunstein.
Diplom-Ingenieur Alois Zimmermann aus Sondermoning erläuterte vor zahlreichen Interessierten, darunter die Energiebeauftragte des Landkreises, Dr. Birgit Seeholzer, die wesentlichen Fakten. Dabei stützte sich der Energieberater auf das Konzept „Regionale Wasserstoffwirtschaft“ nach dem anerkannten Energiespezialisten Karl-Heinz Tetzlaff aus Kelkheim, aber angepasst an den Landkreis Traunstein.

Nach Tetzlaffs Berechnungen werde nach Umstellung auf „grüne Wasserstoffwirtschaft“ Energie billiger als derzeit, eröffnete Zimmermann. Auch die Anschubfinanzierung sei im Vergleich zu den derzeitigen Energiekosten sehr gering. Das Konzept entwickle sich automatisch zum Selbstläufer, wenn erste Haushalte angeschlossen seien und deren Energiekosten sinken. Zimmermann, seit Jahren als Energieberater im Bereich der regenerativen Energien tätig, unterstrich, er habe dasTetzlaff-Konzept über ein Jahr lang „auf Herz und Nieren geprüft“. Die Technik sei seiner Meinung nach so weit, „dass man verstärkt in den Bau von Produktionsanlagen und Umstellung vorhandener Gasleitungen auf Wasserstoffnetze einsteigen könnte“. Bio-Wasserstoff habe im Gegensatz zu Sonne und Wind den Vorteil der Grundlastfähigkeit und könne als Regelenergie das Speicherproblem anderer regenerativen Energieträger lösen. Zimmermann zeigte sich überzeugt, BioWasserstoff könne zum wichtigsten Standbein im neuen Energiemix werden, da er viele Vorteile in sich vereine. Diese Energieform ermögliche Selbstversorgung bei Wärme, Strom und Verkehr, sei durch die Speicherung in Biomasse jederzeit verfügbar, halte die Energiepreise stabil und sogar günstiger als derzeit, fördere die Landwirtschaft und die Region, sei zudem CO2-neutral und damit ohne Schadstoffemission.

Die Gewinnung von Biowasserstoff bestehe aus drei Stufen. Zunächst werde Biomasse wie Gras-Silage in Wasserstoff umgewandelt, mit einem Wirkungsgrad von 70 bis 90 Prozent. Dabei könne die Biomasse vier Mal effektiver als heutige Biogasanlagen ausgenutzt werden. „So erledigt sich auch die Telleroder Tank-Diskussion.“

Der Wasserstoff werde per umfunktionierter Gasleitung praktisch verlustfrei zum Kunden gebracht. Dort werde statt eines Gasbrenners eine Brennstoffzelle installiert, die Wärme und Strom erzeuge. Der Gesamtwirkungsgrad liege über 90 Prozent. Ein Stromüberschuss könne ins Netz eingespeist werden. In einer weiteren Stufe könnte das Familienauto mit einem Wasserstofftank ausgestattet und einer Brennstoffzelle betrieben werden. Diese Anwendung sei aber noch nicht ausgereift und noch zu teuer.

Bevor jedoch Bio-Wasserstoff im Landkreis eingesetzt werden könne, müsste ein Wasserstoffzentrum geschaffen werden – um die Anlagentechnik und die Brennstoffzellentechnik zu optimieren. Er habe bereits Verbindung zur Firma aufgenommen, die den Biomassehof Achental in Grassau betreibe. Hier entstehe eine neue Anlage, die sichauch zur Herstellung von Wasserstoff eigne. Man könne über ein T-Stück die Gasleitung anzapfen, eine erste Anlage für Wasserstoffgewinnung anbauen und unter wissenschaftlicher Begleitung optimieren. Dazu sei aber die Unterstützung von Landkreis und Experten nötig – auch, um an Forschungsgelder heranzukommen, die für diese Technik reichlich vorhanden seien. Nach seinen Berechnungen reichten zehn Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Landkreis aus, um 25 Prozent des Gesamtstrombedarfes im Landkreis abzudecken, 20 Prozent der Haushalte mit Wärme zu versorgen und zusätzlich zehn Prozent der privaten Autos zu betreiben, so Zimmermann.

Die Kreisräte Georg Huber, Hans Schupfner und Willi Geistanger und auch Dr. Birgit Seeholzer schlugen vor, baldmöglichst in der Energiekonferenz des Landkreises über Umsetzungsschritte zu diskutieren und Zimmermann in seiner Initiative tatkräftig zu unterstützen.
Artikel vom 07.07.11
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