„Bildung erreichbar machen“

Bad Reichenhall (tt). Bildung erreichbar machen – das ist das vorrangige Ziel des gemeinnützigen Vereins BIMS e.V. (Bildung Innovation Migration Soziale Exzellenz) in Bad Reichenhall. „Als wichtigen Schlüssel sehen wir das Internet“, sagt Geschäftsführer Martin Schön und freut sich über ein neues Online-Projekt, mit dem er und seine sechs Mitstreiter nun bundesweit von sich reden machen: Aus der monatelangen Zusammenarbeit von fast 200 Personen im Internet ist das erste frei zugängliche Lehrbuch „Lernen und Lehren mit Technologien“ (L3T.eu) entstanden. In 48 Kapiteln von 115 Autoren wird das Thema E-Learning für Studierende aus vielen Perspektiven aufbereitet. Das Ergebnis steht in verschiedenen Formen zur Verfügung, auch als kostenloser Download.
Lernen und Lehren im Internet: Dr. Martin Ebner und Dr. Sandra Schön vom Bad Reichenhaller Verein BIMS e.V. haben ein online zugängliches Lehrbuch erstellt.
Das neue Online-Lehrbuch haben zwei ehrenamtliche Vereinsmitglieder herausgegeben: Dr. Martin Ebner, Universitätsdozent an der Technischen Universität Graz, und Dr. Sandra Schön aus Bad Reichenhall von der Research Forschungsgesellschaft am Kompetenzzentrum Salzburg. Beide sind seit Jahren in der Forschung und Lehre zum technologisch gestützten Lernen und Lehren aktiv. Für ihre eigenen Lehrveranstaltungen waren sie auf der Suche nach guten deutschsprachigen, frei zugänglichen Lehrtexten. Weil sie wenig fanden, was sie begeisterte, starteten sie im April einen Aufruf zur Beteiligung an einem Lehrbuch mit einem gänzlich neuen Konzept – Stichwort Open Access: Die einzelnen Kapitel sollten mit Werbung kostenlos im Internet zugänglich, das Ganze aber auch als Buch im Handel zu bekommen sein.

Die Idee schlug ein – und die Initiatoren fanden viele Mitstreiter: Das Lehrbuch bietet beispielsweise Beiträge der Münchner Pädagogikprofessorin Gabi Reinmann zum didaktischen Design oder des Hamburger Professors Rolf Schulmeister zum Hypertext und behandelt Grundlagen der Informatik und Pädagogik, Kognitionswissenschaften, Psychologie oder Medientheorie. Auch für Smartphones oder iPad ist das Ganze via App nutzbar. Und für alle, die gerne blätternd schmökern, mit dem Stift markieren oder bei gleißendem Sonnenschein lesen möchten, gibt es das Lehrbuch ab Mai 2011 auch als gedrucktes Buch.

Kürzlich wurde das Lehrbuch auf der größten deutschen Messe für Bildungstechnologien, der„Learntec“ in Karlsruhe vorgestellt, auch online gestellt und sehr gelobt. Die Initiatoren möchten das innovative Lehrbuch nun dauerhaft zugänglich machen, für die Kostendeckung und Überarbeitung künftiger Ausgaben ist der Plan, Unternehmen Patenschaften für einzelne Kapitel anzubieten.

Der Reichenhaller Verein BIMS ist für eine Reihe von Bildungsinitiativen bekannt. Unter anderem sind Geschäftsführer Martin Schön und sein Team für die Verteilung der Bildungsgutscheine zuständig: „Wir fördern die Weiterbildung, indem wir die von der Bundesregierung eingeführte, aber oft viel zu wenig bekannte Bildungsprämie unter die Leute bringen“, so Schön. Als offizielle Beratungsstelle für den Landkreis Berchtesgadener Land (in Traunstein ist die vhs zuständig) stellt man für Fortbildungsmaßnahmen – vom Führerschein bis zum Pflege-, EDV-, Rhetorik- oder Taxifahrer-Kurs – Zuschüsse von bis zu 500 Euro aus, für Interessierte mit nicht zu hohen Einkommensgrenzen, ob Arbeitnehmer, Selbstständige, geringfügig Beschäftigte, Frauen in Mutterschaftsurlaub oder Berufsrückkehrer. Auch ist der Verein stark engagiert, Lernangebote im Bereich Sprachen auf die Beine zu stellen, vor allem auch Deutschkurse für Ausländer, „wobei unsere Angebote im Internet den Vorteil haben, dass sie rund um die Uhr verfügbar sind“, so Martin Schön. Es sei aber dennoch nicht leicht, diese komfortablen Angebote und die mühsam entwickelte Software an den Mann zu bringen, denn die Nutzer bräuchten noch viel mehr Begleitung und Betreuung, etwa durch Lern-Trainer, die Anfängern den richtigen Umgang mit neuen Medien demonstrieren. „Aber unser Grundziel, Bildung erreichbar zu machen, vor allem im Internet, verfolgen wir engagiert weiter“, so Schön, der nun auf den Durchbruch mit dem neuen Lehrbuch hofft.
Artikel vom 11.02.11
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