„Agrarpolitiker auf Tauchstation“

Traunstein (awi). In Traunstein hat am Montag die 4. Montagsdemonstration des Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) für einen fairen Milchpreis stattgefunden. Rund 40 Teilnehmer waren zum Treffpunkt Bahnhof gekommen. Der Demonstrationszug führte in der von der Polizei kurzzeitig gesperrten Crailsheim- und die Marienstraße zum Stadtplatz.
Die Bauern gingen am Montag in Traunstein auf die Straße. Eingeladen hatte der Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter. Rund 40 Demonstranten waren gekommen. Foto: awi
Leonhard Strasser, 2. Vorsitzender des BDM, Kreisverband Traunstein, zog in seiner Rede einen Vergleich mit den Montagsdemonstrationen in der DDR im Jahr 1989, die Auslöser für den Fall eines Unrechtsregimes gewesen seien: „Auch wir Bauern stehen einem Regime gegenüber, das uns Unrecht tut – und das nicht nur uns.“ Der Nebenerwerbslandwirt aus Wonneberg machte klar, dass es bei der Kundgebung nicht nur um die Forderung nach 40 Cent für einen Liter Mich gehe, sondern auch um den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft.

Der Regionsvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Region Südost-Oberbayern, Günter Zeller, suchte den Schulterschluss zwischen den Bauern und den Gewerkschaften. Man sei in den gegenseitigen Interessen nicht so weit entfernt: „Guter Lohn für gute Arbeit, das ist unsere Forderung“, so der SPD Regionalpolitiker. Es dürfe nicht sein, dass Großkonzerne und Großmolkereien den Preis für die Milch diktieren. Er vermisse das staatliche Eingreifen, ähnlich wie in der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Grünen-Landtagsabgeordneter Sepp Daxenberger wies darauf hin, dass die Agrarpolitik eine Schlüsselfunktion für die Strukturen in Deutschland habe. Agrarpolitiker seien aber auf Tauchstation gegangen. „Von denen hört man nichts mehr und das obwohl, die Hütte brennt, so der Waginger Biobauer. „Hochwertige Lebensmittel werden zu Ramschwaren degradiert - und wir Bauern zahlen die Zeche.“ Die Bauern würden kein Geld vom Staat verlangen. „Wir fordern nur ordentliche Rahmenbedingen. Wir wollen keine Almosen, wir wollen einen fairen Preis.“ Daxenberger forderte die Beibehaltung der Milchquoten auch über das Jahr 2015 hinaus. Die Politik müsse hier die Beschlüsse der vergangenen Jahre zurückdrehen.

„Ist das alles – muss der Milchpreis noch weiter runter, damit wieder mehr Teilnehmer zu den Demonstrationen kommen“, fragte ein Bauer sarkastisch, als er die geringe Zahl der Kundgebungsteilnehmer sah. „Die Bauern sind müde, weil sich politisch nichts bewegt“, war die Erklärung eines weiteren Teilnehmers, der sich ebenfalls enttäuscht über die wenigen Demonstranten zeigte.
Artikel vom 21.04.10
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