Pünktlich um 9 Uhr trafen sich die Radler aus Freilassing, Ainring und Piding und schickten den einen oder anderen sorgenvollen Blick zum Himmel. Als jedoch einmal kurz die Sonne durch die Wolken spitzte, fiel der Entschluss, Richtung Abtsdorf zu starten. Über Lohen, Haasmühle, Bahnhof Surheim und Steinbrünning, ging es auf einem Feldweg Richtung zu dem malerisch über dem Abtsee gelegenen Ort, wo Fritz Auer an einem Wegkreuz schon auf die Pedalritter wartete.
Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des Dorfes war schnell klar, dass wohl kein besserer Kenner der Heimathistorie für diese Gegend zu finden ist als der "Bräumann" Fritz, wie Auer mit dem Hausnamen heißt. Von 120 auf heute 140 Einwohner habe sich der Ort in den letzten Jahrhunderten kaum vergrößert und sei somit eines der wenigen Dörfer, das sich sowohl baulich als auch von der Struktur her kaum verändert habe, erläuterte Auer.
In seinem Antiquariat, dem ehemaligen Stall des Bräumannhofes, zeigte Fritz Auer der Gruppe erstaunliche Fundstücke wie Kanonenkugeln, Pfeilspitzen und Hieb- und Stichwaffen, die er auf der Insel im Abtsdorfer Seee gefunden hat. Sie stammen vermutlich von der dort im Jahr 1355 erbauten und heute nicht mehr vorhandenen Burg.
Bei einem Rundgang durch das Dorf wies Auer auf ein Sühnekreuz hin, das in eine Stallwand eingemauert ist: Dieses sei für einen Amtsschreiber aus Laufen gefertigt worden, bei einem Raufhändel zu Tode kam. Bis ins 18. Jahrhundert hinein seien Todesfälle dieser Art nicht gerichtlich belangt worden. Stattdessen habe sich der Schuldige verpflichten müssen, ein solches Kreuz zu errichten und für die Familie des Verblichenen aufzukommen.
Direkt an der Dorfstraße steht die Dorotheensäule. Auer berichtete, diese sei von einem Fuhrmann errichtet worden, der an dieser Stelle eine verlorene Truhe wieder gefunden habe, in der sich sein gesamtes Vermögen befunden habe. Der Fritz empfahl, dem "Dädei", wie die Heilige von den Einheimischen genannt wird, einen Euro in den Opferstock zu werfen, wenn man etwas suche. Das Wiederfinden des Gesuchten sei dann sicher! Der Roppelt Sepp, laut Auer "der wichtigste Mann im Dorf", sang daraufhin, von seiner Gitarre begleitet, eine Weise, in der die Begebenheit vom Fuhrmann beschrieben wird.
Weiter ging es zur Dorfkirche, vor der die Öggl Maridl, die Messnerin schon auf die Gruppe wartete. Mit viel Herzblut gab sie einen kleinen Einblick in ihr schier unermessliches Wissens rund um "ihre" Kirche: Nach Freilegung der historischen Wandgemälde sei sie einmal von einem Besucher gefragt worden, warum denn nur zehn Apostel abgebildet wären. – In so einer kleinen Kirche hätten halt nicht alle zwölf Platz, habe sie erwidert. Mit dem Mittagsläuten, das zu ihren Aufgaben gehört, war der Vortrag dann zwangsläufig zu Ende.
Weiter ging es mit dem Fahrrad vom Auer Fritz begleitet, zum Schloss, der heutigen Abtseeklinik. In vielen Details berichtete er über die Geschichte des Schlosses, das im Dritten Reich die jetzige eher schlichte Form erhalten hat. Bis dahin sei es ein richtiges Schlösschen mit Türmen und allem drum und dran gewesen, vom gleichen Architekten entworfen, der auch Schloss Linderhof oder die Ludwigstraße in München geplant habe.
Die letzte Etappe führte bei jetzt herrlichem Wetter über Leobendorf, vorbei an Kulbing und Eschelbach nach Hof, wo schon die Dampfmaschine pfiff und der Dreschwagen rumpelte. Nachdem sich die Radler nun bei einer redlich verdienten Brotzeit gestärkt hatten, war die nächste Stunde Zeit, das umfangreiche Museumsangebot zu betrachten und neben den Dreschern auch den vielen anderen Handwerksvorführungen zuzusehen.
Nach diesem rundherum schönen Tag ging es am späten Nachmittag wieder zurück nach Freilassing.
Kirchlein hat nur Platz für zehn Apostel
Freilassing. Mit dem Radl haben einige unerschrockene Ausflügler auf Einladung des Kulturvereins trotz Regenwolken am Himmel die Umgebung erkundet. Ziele der Tour waren Abtsdorf und das Dampfdreschen in Hof in der Gemeinde Kirchanschöring.
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